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Neue Forschungserkenntnis: Einsamkeit beginnt im Kopf

zuletzt aktualisiert: 08.09.2010 - 15:46

Chicago (RPO). Einsamkeit lässt sich vor allem durch eine Veränderung des Denkens über sich und seine Mitmenschen bekämpfen, nicht so sehr über die Ausweitung von Sozialkontakten. Das haben US-Wissenschaftler durch die Auswertung bisheriger Forschungsarbeiten gezeigt.

Bei Fehlzeiten auf Grund depressiver Störungen sind laut TK jährliche Steigerungsraten von fünf Prozent zu beobachten.  Foto: RPO
Bei Fehlzeiten auf Grund depressiver Störungen sind laut TK jährliche Steigerungsraten von fünf Prozent zu beobachten. Foto: RPO

Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, bessere Behandlungsansätze gegen Einsamkeit zu entwickeln - und das hätte nicht nur Auswirkungen auf das geistige Wohlbefinden: Einsamkeit ist auch ein bekannter Risikofaktor für körperliche Erkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck und Demenzerkrankungen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher um John Cacioppo von der Universität Chicago in der Fachzeitschrift "Personality and Social Psychology Review".

Die Wissenschaftler sammelten zunächst alle Studien der letzten Jahrzehnte, die sich mit dem Thema Einsamkeit beschäftigt hatten. In einer sogenannten Meta-Analyse untersuchten sie die Methoden und Ergebnisse der Forschungen, um so die wirksamsten Strategien gegen Einsamkeit aufzuspüren. In einem weiteren Schritt fassten die Psychologen die Ergebnisse der 20 Studien zusammen, die die strengste Methodik verwendet hatten.

Umdenken hilft

Die Behandlungsansätze gegen Einsamkeit ließen sich dabei in vier Kategorien einteilen: Ein Teil der Maßnahmen zielte darauf ab, den Betroffenen mehr soziale Unterstützung zu geben, andere Ansätze sollten die sozialen Fähigkeiten verbessern oder mehr Möglichkeiten schaffen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Die vierte Art von Maßnahmen hatte das Ziel, die soziale Kognition der Betroffenen zu verändern - also die Art und Weise, wie jemand über sich selbst und andere denkt.

Bei ihrer Analyse stellten Cacioppo und sein Team zunächst fest, dass alle Behandlungsansätze leichte Erfolge zeigten. Maßnahmen, die eine Veränderung der sozialen Kognition anstrebten, reduzierten die Einsamkeit aber deutlich effektiver als alle anderen Behandlungsmethoden.

"Wirksame Maßnahmen müssen also nicht so sehr darauf abzielen, einsame Menschen mehr mit anderen in Kontakt zu bringen oder ihre sozialen Fähigkeiten zu verbessern", sagt Cacioppo. "Es geht vor allem darum, etwas an der Art zu verändern, wie die Betroffenen andere Menschen wahrnehmen, wie sie über sie denken und wie sie sich anderen gegenüber verhalten."

Als besonders effektiv erwiesen sich dabei Studien, in denen eine kognitive Verhaltenstherapie angewendet worden war - eine Therapieform, die häufig auch zur Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen eingesetzt wird. Darin lernen die Betroffenen zum Beispiel, negative Gedanken über sich selbst zu verändern - ebenso wie negative Annahmen darüber, wie andere über sie denken.

Als nächstes wollen Cacioppo und sein Team nun neue Wege entwickeln, Einsamkeit zuverlässig zu erfassen und zu behandeln. Die verschiedenen Behandlungsmaßnahmen sollten dabei in jedem Fall die soziale Kognition im Blick haben, betonten die Forscher. "Die Menschen werden immer einsamer, und die damit verbundenen Gesundheitsprobleme werden weiter zunehmen", betont Cacioppo. Aktuelle Studien zeigen, dass Einsamkeit ein ähnlich großer Risikofaktor für die Gesundheit ist wie Übergewicht oder Rauchen.

(Online-Vorabveröffentlichung der Fachzeitschrift unter, doi: 10.1177/1088868310377394)

Quelle: DDP/pst

 
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