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Wissenschaftliche Versuche: Forscher will Kinder auf Mount Everest schleppen

zuletzt aktualisiert: 23.03.2007 - 16:24

London (RPO). Riesen-Aufregung um einen britischen Forscher: Professor Monty Mythen will mit neun Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren den Mount Everest besteigen. Der Wissenschaftler erhofft sich neue Erkenntnisse, für ein möglicherweise lebensrettendes Kinder-Medikament.   

Diese Aufnahme stammt von einem Aufstieg aus dem letzten Jahr. Der Mount Everest ist 8850 Meter hoch. Das Basislager liegt auf 5400 Metern.  Foto: HO, AFP
Diese Aufnahme stammt von einem Aufstieg aus dem letzten Jahr. Der Mount Everest ist 8850 Meter hoch. Das Basislager liegt auf 5400 Metern. Foto: HO, AFP

An den Kindern soll erforscht werden, wie Nicht-Erwachsene auf Höhenlagen und Sauerstoffmangel reagieren. Kritiker sprechen von einem Wahnsinnsvorhaben, Mythen aber beteuert: "Wir missbrauchen die Kinder nicht als Versuchskaninchen."

Das Unternehmen am höchsten Berg sei der Welt genau geplant, sagt der Professor. Die Kinder würden durch die Herausforderung wichtige Erfahrungen sammeln. Und die Ergebnisse könnten irgendwann einmal Leben retten. Bisher gab es eine ähnliche Studie nur für Erwachsene.

"Aber Kinder sind nicht einfach Mini-Erwachsene. Ihre Körper reagieren völlig anders", sagt Mythen. Das Wissen, wie sie auf Sauerstoffmangel reagierten, könne künftig beispielsweise das Leben von Frühgeborenen retten. Oder Kinder mit Mukoviszidose oder angeborenen Lungendefekten.

Für solch ein Ziel sei der Einsatz nicht zu hoch, beteuert der Professor für Anästhesie und Intensivmedizin am University College in London. Und er geht mit eigenem Beispiel voran: Auch Mythens eigene vier Kinder sollen in den Osterferien nicht faul zu Hause oder irgendwo in der Sonne rumliegen, sondern den mit 8850 Metern höchsten Berg der Welt knapp mehr als die Hälfte emporkraxeln.

"Ohne Einsatz kann nichts gewonnen werden"

Für ihren Vater ist dies auch die Gelegenheit, seinem Nachwuchs klar zu machen, "dass ohne Einsatz nichts gewonnen werden kann". Dass er selbst sehr weit zu gehen wagt, hat Mythen schon bewiesen: Er ließ sich in einem Experiment immerhin ein Viertel seines Blutes aus dem Körper abziehen, um die Auswirkungen auf das Herz und den Blutdruck zu erforschen.

Mit den vier Kindern des Professors reisen auch noch vier Nichten und Neffen sowie der sechsjährige Sohn einer von mehreren teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten. Nach den derzeitigen Plänen wird die Gruppe am Sonntag zunächst nach Kathmandu fliegen.

Dann soll es nach Namche Bazaar gehen, eine Sherpa-Station zwischen Tibet und Nepal, in der Mythen ein High-Tech-Labor aufgebaut hat. Die Kinder und ihre Begleiter werden per Mini-Flugzeug zu einem nahe gelegenen Landepunkt geflogen, von dort geht es laut Mythen entlang eines "idyllischen Flussbetts" zum Lager.

Anstieg bis auf 5400 Meter Höhe 

Im Lager wird die gesamte Gruppe nochmals auf ihre Gesundheit überprüft. Und dann geht es richtig los, geplant ist in mehreren Etappen ein Aufstieg bis zum Everest-Basislager in 5400 Metern. Auf dieser Höhe klappen schon viele Erwachsene zusammen.

Unverständlich ist deshalb für viele, dass dieses Experiment überhaupt geplant ist. "Dieser Trip ist eine völlig überflüssige hochgefährliche Sache und auch noch eine Verschwendung von Geldern", sagt beispielsweise Roger Meacock. Der Luftdruck-Experte verweist in der "Times" darauf, dass die Situation vor Ort perfekt in einer Sauerstoffkammer simuliert werden könnte.

Insofern gebe es keinen Grund, "das Leben von Menschen zu riskieren". Auch Familienvater Colin Macpherson versteht das ganze Vorhaben nicht. Es gebe keine Notwendigkeit für den gefährlichen Ausflug - "außer der Professor will Ruhm für sich und seine Familie".

Quelle: afp

 
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