Forscher schlagen Alarm: Frührentner altern schneller
VON ALEXANDER VON GERSDORFF - zuletzt aktualisiert: 23.06.2008 - 10:12Berlin (RP). Altersforscher warnen vor negativen gesundheitlichen Folgen infolge zu frühen Ausstiegs aus dem Beruf. „Wer gesunde Menschen, die 90 Jahre alt werden können, dazu verlockt, mit 60 in den Ruhestand zu gehen, schickt sie auf einen gefährlichen Weg“, sagte die Leiterin des Zentrums für lebenslanges Lernen an der Jacobs Universität Bremen, Ursula Staudinger, dem „Spiegel“.
Derzeit machen sich SPD und Gewerkschaften für die Verlängerung der Altersteilzeit stark (siehe Info).
Probleme mit Stress und Verschleiß im Job lägen zwar auf der Hand, sagte Staudinger. „Aber wir unterschätzen massiv, wie zentral Arbeit für das Wohlbefinden des Großteils der Bevölkerung ist.“ Nach einer noch unveröffentlichten Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen sei beim Übergang in den Ruhestand die Gefahr von Gesundheitsschäden um so größer, je früher er vor der normalen Rentengrenze und je unfreiwilliger er ablaufe.
Wohlhabende Menschen würden im Alter „joggen und Sprachen lernen“ , sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Für weniger Privilegierte sei die Herausforderung durch Arbeit ungleich wichtiger, um geistig fit zu bleiben. Bei einer großangelegten Untersuchung hat der Mannheimer Altersökonom Axel Börsch-Supan festgestellt: „Die Freude über den Vorruhestand verpufft schnell.“ Zur Altersteilzeit sagte er: „Freibier für alle, das war schon immer beliebt.“
Heftige Kritik kam vom DGB. „Niemand fordert Freibier für alle“, so eine Sprecherin. Bei der Altersteilzeit gehe es nicht um ein breit angelegtes Frühverrentungsprogramm, sondern schlicht „um die Möglichkeit, früher auszusteigen, wenn es nicht mehr geht“. Zu den psychischen und sozialen Folgen, wenn Menschen unfreiwillig vor die Tür gesetzt würden, höre man von den Wissenschaftlern „kein einziges Wort“.
Die SPD-Sozialexpertin Elke Ferner sagte unserer Zeitung, niemand werde zur Altersteilzeit gezwungen. Auch heute gingen viele Menschen mit guter Arbeit erst mit 65 in Ruhestand. „Wichtig sind uns gute Arbeitsbedingungen, so dass niemand durch Arbeit krank wird, zum Beispiel durch körperlich oder psychisch belastende Arbeit oder Wechselschicht.“
Im Streit um eine Neuregelung der Altersteilzeit droht die IG Metall mit langen Streiks. Der Chef der Gewerkschaft, Berthold Huber, sagte, man könne in den kommenden Monaten abwechselnd in jedem Bundesland streiken.
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