Im Urlaub infiziert: Gefährliches Chikungunya-Virus in Solingen
VON ANNEMARIE KISTER-PREUSS - zuletzt aktualisiert: 09.03.2006 - 09:30Solingen (RP). Das seltene Chikungunya-Virus, das auf der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean bereits 77 Todesopfer gefordert hat, ist jetzt auch in NRW aufgetreten. Eine 77-jährige Frau aus Solingen hat sich dort im Urlaub mit dem Erreger infiziert.
Gleich nach der Landung in Düsseldorf brachten Freunde sie in die St. Lukas Klinik in Solingen. Die Rentnerin war bereits auf Réunion wegen Fiebers und starker Schmerzen behandelt worden. Die Viruserkrankung hatten die Ärzte dort zunächst jedoch nicht festgestellt, obwohl sich auf der Tropeninsel bereits rund 157.000 Menschen infiziert haben.
„Nach einem Gespräch mit der Patientin festigte sich bei uns der Verdacht auf das Chikungunya-Virus“, sagt Karl-Heinz Beckers, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin in der St. Lukas Klinik.
Das Krankenhaus schickte Blutproben zum Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Die Ärzte dort bestätigten den Verdacht. Bislang haben sich sieben Deutsche mit dem Virus infiziert, das ausschließlich von Stechmücken übertragen wird.
Die seltene Tropenerkrankung wurde erstmals 1952 in Tansania beobachtet. Das Wort Chikungunya bedeutet auf Kisuaheli „gebeugter Gang“, der bei den Erkrankten aufgrund der starken Gelenkschmerzen typisch ist. Die Therapie erfolgt durch fiebersenkende, schmerzstillende und entzündungshemmende Mittel.
Eine wirksame Bekämpfung des Virus ist nicht möglich. Es starben bisher hauptsächlich Ältere und Kinder an der Erkrankung. Mediziner vermuten, dass sich inzwischen ein aggressiverer Virusstamm gebildet hat. Ein Indiz dafür sei, dass verstärkt Herzmuskel- und Hirnhautentzündungen auftreten.
Die Solinger Patientin hat nach Aussage ihres behandelnden Arztes das Schlimmste bereits überstanden.
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