Auch für Deutschland: Gen-Tests aus dem Internet
VON JÖRG ZITTLAU - zuletzt aktualisiert: 23.01.2008 - 22:26Düsseldorf (RP). Nicolas Cage will demnächst einen Gen-Test machen lassen, um Details über seine ethnischen Wurzeln zu erfahren. „Ich möchte wissen, welche von den alten Zivilisationen mich am meisten geprägt hat“, so der Schauspieler. Das klingt typisch amerikanisch, doch möglicherweise werden Gen-Tests demnächst auch hierzulande zum standardmäßigen Lifestyle gehören.
Denn die kalifornische Biotech-Firma „23andme“ verkündet, dass sie ihre Dienstleistungen nun auch für den deutschen Markt anbietet. Der Name des Unternehmens ist Programm, die 23 steht für die Anzahl der menschlichen Chromosomenpaare: Man bietet Gen-Tests an.
Der Kunde braucht nichts weiter als eine Speichelprobe an das Unternehmen zu schicken, und vier Wochen später bekommt er Zugang zur Firmenhomepage mit einer detaillierten Analyse seines Erbguts. Kostenpunkt: 1000 Dollar.
So richtig neu ist die Idee mit den Gentests per Internet freilich nicht, auch nicht für den deutschen Markt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass „23andme“ von Anne Wojcicki mitgegründet wurde, der Ehefrau von Google-Mitbegründer Sergey Brin.
So konnte man sich schon in den 90er Jahren Gen-Tests zum Brustkrebsrisiko besorgen. Bei Genelex und Sciona, ebenfalls zwei US-Unternehmen, gibt es schon länger Test-Kits für einen Wangenabstrich sowie einen Lifestyle-Fragebogen zum Ausfüllen, die man beide zurückschicken muss. Danach erhält man einen knapp 40 Seiten starken „nutrigenomischen“ Bericht darüber, welche Nahrungsmittel besonders gesund oder ungesund für uns sind.
Gentechnik-Experten sehen die Gentests aus dem Internet eher skeptisch. Sie befürchten, dass deren Ergebnisse vereinfacht und überinterpretiert werden. „Die Menschen können doch gar nicht mit diesen Informationen umgehen“, warnt Peter Propping von der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik.
Propping wolle sich gar nicht vorstellen, wie eine Frau empfindet, die allein am Computer sitzt und erfährt, dass ihre genetische Variante ihr Brustkrebsrisiko um 80 Prozent erhöht.
Die Aussagekraft der kommerziellen Gen-Tests aus dem Internet ist zudem begrenzt. „Für eine wirklich präzise Analyse des Erbguts mit seinen drei Milliarden Basenpaaren müsste man 350.00 Dollar veranschlagen“, erklärt Uta Francke.
Die Frau muss es wissen. Sie ist Genetikerin an der Stanford University in Kalifornien - und arbeitet dort als Beraterin von „23andme“.
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