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Jakobskreuzkraut breitet sich aus: Giftpflanze lässt Pferde verenden

VON ANDREAS GRÖHBÜHL UND PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 11.06.2009 - 12:28

Emmerich (RP). Das gefährliche Jakobskreuzkraut breitet sich explosionsartig aus. An seinem Gift sind bereits mehr als hundert Pferde gestorben. Doch auch für den Menschen kann es tödlich sein. Spuren des Gifts sind bereits im Honig nachgewiesen worden, möglicherweise ist auch Milch betroffen.

Heike Egging ist sich der großen Gefahr bewusst, die da auf ihren Weiden wächst. Jedes noch so kleine Jakobskreuzkraut harkt die Leiterin des Pferdehofs Montferland in Emmerich samt Wurzel aus dem Boden. Die 39-Jährige will unter allen Umständen verhindern, dass ihre Tiere diese Pflanze fressen. Denn was dann passiert, weiß sie genau: "Auf einmal fällt ein Pferd einfach um und ist tot", sagt sie. Mindestens 100 Pferde sind deutschlandweit bereits wegen des bis zu 1,40 Meter hohen Krauts verendet. Wahrscheinlich sind es weitaus mehr, viele Fälle werden gar nicht gemeldet. Das Gift der Pflanze aber kann auch für Menschen tödlich sein. Und sie breitet sich immer weiter aus – laut Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen besonders am Niederrhein.

Auf brachliegenden Flächen, spät gemähten Wiesen, inzwischen auch an Straßenrändern, Bahngleisen und in Hausgärten wuchert das Jakobskreuzkraut. Der Landwirtschaftskammer zufolge ist die Pflanze zunehmend auch auf intensiv genutzten Kuhweiden zu finden. Und hier liegt die große Gefahr. "Das Gift könnte in die Milch gelangen", befürchtet Helmut Wiedenfeld vom Pharmazeutischen Institut in Bonn. Das Institut untersucht derzeit, ob und wie die Stoffe in Nahrungsmittel kommen. Bei Milch gibt es Hinweise darauf. In Honig wurde das Gift bereits nachgewiesen. Die starke Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts macht ihm Sorgen. "Die Situation steht auf der Kippe", sagt er.

Das Gift der Pflanze greift selbst in geringen Mengen die Leber an, langfristig kann es Leberkrebs verursachen. Größere Mengen der in der Pflanze enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide (PA) führen direkt zum Tod. So geschehen in Äthiopien, wo im vergangenen Jahr mehr als 300 Menschen einer engverwandten Art des Jakobskreuzkrauts zum Opfer gefallen sind. Die dortigen Bauern hatten die Pflanze nicht vom Getreide auf den Feldern getrennt. Auch in Deutschland hat es einen Todesfall gegeben, der auf diese PA zurückzuführen ist. In Baden-Württemberg verstarb ein Kind wenige Tage nach der Geburt, weil seine Mutter regelmäßig einen "Gesundheitstee" getrunken hatte. Viele Heilkräuter nämlich (wie etwa Huflattich) enthalten ebenfalls diese gefährlichen Substanzen. Laut Gesetz darf nicht mehr als ein Mikrogramm davon in Tees vorhanden sein.

Helmut Wiedenfeld fordert, das Jakobskreuzkraut "mit aller Macht" zu bekämpfen. Nötigenfalls auch mit Herbiziden. Außerdem empfehlen Experten frühes und regelmäßiges Mähen. Genau das aber darf Josef Peters, Vorsitzender der Kreis Klever Bauernschaft, auf seinen eigenen Feldern nicht tun. Denn sein Betrieb liegt in einem Naturschutzgebiet. Er ist verpflichtet, die Wiesen, auf denen seine Kühe grasen, extensiv zu bewirtschaften, das heißt: spät zu mähen und nur geringe Eingriffe in die Natur vorzunehmen. Das Jakobskreuzkraut hat deshalb Zeit zu blühen und seine Samen zu streuen. "Das Kraut wuchert immer weiter in mein Feld hinein", sagt Peters. Damit geht ihm mit jedem Jahr mehr Fläche verloren. "Ich weiß nicht, wie ich das Problem naturschutzgerecht in den Griff bekommen soll", gesteht der Landwirt. Der Naturschutz scheint hier dem Verbraucherschutz zu widersprechen.

Durch extensive Landwirtschaft sollen sich selten gewordene Pflanzen vermehren. "Das ist eigentlich eine gute Sache", sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer. Nur gehöre das immer stärker werdende Jakobskreuzkraut leider auch dazu. Bei Rüb hört der Artenschutz allerdings da auf, wo er Menschen gefährdet. "Wenn das Gift über die Bienen tatsächlich in den Honig gelangt, muss sich der Staat Gedanken über Gegenmaßnahmen machen", sagt er. Helmut Wiedenfeld fordert mindestens eine Meldepflicht über das Vorkommen der Pflanze, wie es sie beispielsweise in Großbritannien und der Schweiz gibt. Zur Zeit gebe es aber noch keinen Grund zur Panik, sagt der Wissenschaftler.

Dass sich das giftige Kraut nun so stark ausbreitet, haben übrigens die Menschen selbst zu verantworten. In den vergangenen Jahren wurde es gezielt an Bahngleisen und Straßenrändern gepflanzt. Schließlich war es relativ anspruchslos und mit seinen gelben Blüten schön anzusehen.

Quelle: RP

 
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