Es gebe keine "dunklen Kanäle": Hagens dementiert "Millionengeschäft" mit Leichenteilen
zuletzt aktualisiert: 29.02.2004 - 15:42Dalian (rpo). Gunther von Hagens, Initiator der Ausstellung "Körperwelten" hat neue Vorwürfe über ein "Millionengeschäft" mit menschlichen Präparaten entschieden zurückgewiesen.
In einer aus dem chinesischen Dalian verbreiteten Erklärung betonte Hagens am Sonntag, da die "Leugnung der Wissenschaftlichkeit" seiner Arbeit bislang nicht ausgereicht habe, um die umstrittene Ausstellung zu verhindern, bediene man sich jetzt des Vorwurfs der "Geschäftemacherei". Es gebe jedoch keine "dunklen Kanäle" in denen er oder Dritte Gelder hätte verschwinden lassen.
Die Gewinne seien ordnungsgemäß versteuert und für die Forschung und Ausbildung in wissenschaftlichen Einrichtungen sowie zum Aufbau der Unternehmen verwendet worden. Dies bestätigten Wirtschaftsprüfer.
Der "Spiegel" hatte zuvor berichtet, die Universität Heidelberg, der Hagens bis 1996 als wissenschaftlicher Mitarbeiter angehörte, habe Anfang der neunziger Jahre Leichen aus Moskau akquiriert. Der Eingang der Leichen sei jedoch nicht registriert worden.
Die Universität habe eingeräumt, dass bis Mitte der neunziger Jahre in "erheblichem Umfang" mit plastinierten Leichenteilen gehandelt worden sei, schreibt der "Spiegel". Dabei seien "zwei bis drei Millionen Mark" aus dem Verkauf von menschlichen Präparaten an andere Medizininstitute auf ein Drittmittelkonto der Universität geflossen. Laut "Spiegel" stieß die Innenrevision der Hochschule 1991 auf zwei Zahlungseingänge über insgesamt 768 350 D-Mark, die aus Kuwait und Saudi-Arabien stammten. 15 Prozent der Einkünfte seien Hagens als Provision zugestanden worden.
Hagens erklärte dazu, das Zusammenspiel zwischen universitärer Forschung und privater Unternehmenstätigkeit werde weltweit anerkannt. Dies gelte auch für seine Tätigkeit an der Universität Heidelberg. Erst durch die Drittmittelforschung hätten die Sachmittel des Labors beschafft und die Mitarbeiter bezahlt weden können. Aus dieser Zeit habe er "nichts zu verbergen".
Ferner betonte Hagens, er habe zu keinem Zeitpunkt Leichen ohne Begleitpapiere angenommen. Der Plastinator fügte hinzu: "Ich werde mich davon nicht beirren lassen und mich weiter für die Demokratisierung der Anatomie einsetzen".
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