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Kinderpsychologin: Handys können kindliche Entwicklung verzögern

zuletzt aktualisiert: 01.08.2006 - 14:50

Neuss (rpo). Dass Handys möglicherweise gesundheitliche Schäden verursachen, der Verdacht wird schon seit langem gehegt. Jetzt stehen die Geräte gar im Verdacht, die kindliche Entwicklung zu verzögern. Nicht aber etwa wegen der ausgesendeten Strahlung, wie man annehmen könnte.

Kinder unter zehn Jahren sollten noch kein Handy besitzen, rät die Kinderpsychologin. Foto: ddp, ddp

Besitzen Kinder zu früh ein eigenes Handy, kann das ihre Entwicklung verzögern. Das Mobiltelefon erschwere die notwendige Ablösung von den Eltern, sagte Christa Schaff, Vorsitzende des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP) in Neuss.

"Für Kinder unter zehn Jahren ist ein Handy nicht sinnvoll", sagte die Expertin in einem dpa/gms-Gespräch. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Studie besitzt bereits jeder zehnte 6- bis 9-Jährige und die Hälfte aller 10- bis 13-Jährigen ein eigenes Mobiltelefon.

"Wenn die Kinder die ständige Erreichbarkeit der Erwachsenen spüren, kann das die Entwicklung zur Eigenständigkeit erschweren", sagte die Psychiaterin und Psychotherapeutin. So lösten sie Probleme nicht mehr selbstständig, sondern riefen sofort die Mutter an.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ausnahmen gebe es allerdings, wenn Kinder beispielsweise regelmäßig Medikamente einnehmen müssten. "Da lässt sich das Handy so programmieren, dass es die Kinder daran erinnert." In diesem Fall stärke das Gerät sogar die Unabhängigkeit von den Eltern.

Ambivalent sei auch das Schreiben von Kurznachrichten: Einerseits beeinträchtige das exzessive Schreiben von SMS die Sprachentwicklung von Kindern. "Die normale Sprachproduktion wird verkürzt. Das ist auch anders, als wenn Kinder einen Zettel schreiben", sagte Schaff. Andererseits fördere das "Simsen" die Abgrenzung gegenüber Erwachsenen, da der verwendete Code von diesen oft nicht verstanden werde.

Keine Sucht beobachtet

Eine "Handy-Sucht" bei Kindern habe sie bislang nicht beobachtet, sagte die Expertin. Es gebe aber bei einigen Kindern sicherlich Tendenzen in diese Richtung. "Wenn unentwegt SMS geschickt werden, ist es an Eltern und Lehrern, hier eine Grenze zu ziehen." Grundsätzlich sollten Eltern ohnehin regelmäßig die Handy-Nutzung ihrer Kinder kontrollieren.

In der "Kids-Verbraucheranalyse" des Egmont Ehapa Verlages aus Berlin waren bundesweit 1652 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren unter anderem zur Handyverbreitung befragt worden. Insgesamt verfügt demzufolge ein Drittel der Altersgruppe über ein eigenes Mobiltelefon.

Die jungen Handybesitzer beziehungsweise ihre Eltern geben dafür im Monat knapp 24 Euro aus. Dank verstärkter Nutzung von Prepaid-Cards liegt dieser Betrag aber leicht unter dem Vorjahreswert.

Quelle: gms

 
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