Studie der Ulmer Uniklinik: Hilfe für Heimkinder kommt viel zu spät
zuletzt aktualisiert: 02.11.2007 - 09:13Ulm (RPO). Heimkindern mit seelischen Problemen wird häufig zu spät Hilfe angeboten. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Studie der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Demnach leiden mehr als die Hälfte der Heranwachsenden in Heimen unter psychischen Störungen, werden aber häufig zu spät, also erst in Krisenfällen psychiatrisch behandelt.
Setzen dagegen frühzeitig eine Therapie ein, könnten psychische Störungen besser behandelt und längere stationäre Aufenthalte vermieden werden, teilt die Klinik mit.
In Deutschland leben etwa 62.000 Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe. Die Mehrzahl leidet an psychischen Störungen, die sich etwa in sozialem Rückzug, aggressivem Verhalten oder körperlichen Beschwerden ausdrücken. In psychiatrische Behandlung kommen die meisten aber erst in Krisensituationen, beispielsweise nach einem Selbstmordversuch.
"Die Schwelle zur Inanspruchnahme von psychiatrischer Versorgung ist hoch", sagt der Ulmer Projektleiter und Diplom-Psychologe Lutz Goldbeck. Zudem seien auch die Wartezeiten auf einen Therapieplatz oft sehr lang.
In der Studie wurde an elf Standorten zwischen Hamburg und Augsburg 624 besonders belasteten Kindern und Jugendlichen gezielt frühe Hilfe angeboten. Dabei arbeiteten niedergelassene Fachärzte, Fachkliniken und die Einrichtungen der Jugendhilfe eng zusammen. Mediziner suchten die Patienten beispielsweise in den Heimen auf, begleiteten sie über längere Phasen und besprachen sich regelmäßig mit den Erziehern.
Die Ergebnisse aus den Modelleinrichtungen wurden mit denen von 15 Kontrolleinrichtungen verglichen, die nach herkömmlichen Standards behandelt wurden. "Es zeigt sich, dass bei den Kindern und Jugendlichen, die im Modellprojekt früher und vernetzt behandelt wurden, kürzere stationäre Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen nötig waren", erläutert Goldbeck.
Außerdem waren die Kinder aufnahmefähiger für die pädagogischen Angebote in den Heimen. Auf der Basis der Studienergebnisse schlagen die Ulmer Wissenschaftler vor, Anreize für frühe Hilfsangebote zu schaffen und die Zusammenarbeit von Fachärzten und Jugendhilfe zu fördern.
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