Schwangerschaft: Hungern für ein Mädchen, Müsli für einen Jungen
zuletzt aktualisiert: 24.04.2008 - 19:15London (RPO). Man ist, was die eigene Mutter gegessen hat, bevor sie schwanger wurde. Amerikanische und britische Forscher haben herausgefunden, dass die Menge an Nährstoffen, die Frauen um die Zeit der Empfängnis zu sich nehmen, Einfluss nimmt auf das Geschlecht des Kindes.
Mehr Kalorien vergrößern dabei die Chancen auf einen Sohn ebenso wie der Konsum vieler unterschiedlicher Mineralien, Vitamine und Spurenelemente und ein regelmäßiges Frühstück mit Getreideflocken.
Ein ähnliches Muster gibt es auch im Tierreich - wie es jedoch zustande kommt, ist bislang unklar, schreiben Fiona Mathews von der Universität in Exeter und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2008.0105).
Die Forscher ließen 740 Erstgebärende aus Großbritannien Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten vor und während der Schwangerschaft ausfüllen. Auf der Basis der Nährstoffmengen, die die Probandinnen um die Zeit der Empfängnis zu sich genommen hatten, teilten sie die Frauen dann in drei Gruppen ein.
Das Ergebnis sei trotz eines insgesamt guten Ernährungszustandes der Frauen überraschend eindeutig ausgefallen, schreiben Mathews und ihr Team: Die Frauen aus der Gruppe mit dem höchsten Kalorienverbrauch bekamen mit einer Wahrscheinlichkeit von 56 Prozent Söhne, diejenigen aus der Gruppe mit dem geringsten Energiekonsum lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von 45 Prozent.
Entscheidend scheint dabei hauptsächlich die Menge an Nährstoffen und eine möglichst breite Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen zu sein, erläutern die Forscher. Einen Zusammenhang mit einzelnen Nahrungsmitteln, der Nährstoffdichte oder dem Körpergewicht der Frauen fanden sie dagegen nicht. Lediglich der Konsum von getreidehaltigen Produkten wie Cornflakes, Vollkornflocken oder Müslis zum Frühstück hatte offenbar einen direkten Einfluss auf das Geschlecht.
Auch im Tierreich steigt in Zeiten des Überflusses die Anzahl männlicher Nachkommen, während sie in Notzeiten sinkt - der Theorie nach eine Taktik, mit der die Tiere ihrem Nachwuchs die größtmöglichen Überlebenschancen sichern. Dazu passe, dass beim Menschen die Zugabe von Glukose bei In-vitro-Fertilisationen das Wachstum von männlichen Embryonen fördert und das von weiblichen hemmt, schreiben die Forscher. Möglicherweise ist es also der höhere Blutzuckerspiegel bei reichhaltigerem Essen, der die Geburt von Jungen begünstigt. Allerdings könnten auch Faktoren, die nur indirekt mit der Ernährung zusammenhängen, nicht ausgeschlossen werden.
Die Ergebnisse lieferten in jedem Fall eine Erklärung dafür, warum in den vergangenen vierzig Jahren der Anteil an neugeborenen Jungen in den Industrieländern stetig abfällt: In der gleichen Zeit sei im Durchschnitt auch die Kalorienaufnahme gefallen - trotz des Trends zu Übergewicht, das eher auf fehlende Bewegung und energiedichtere Lebensmittel zurückzuführen sei, erläutern die Wissenschaftler.
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