Auf der Suche nach Antibiotika: Krieg der Bakterien
zuletzt aktualisiert: 27.02.2008 - 20:06Washington (RPO). Auf der Suche nach neuen Antibiotika lassen US-Forscher verschiedene Bakterien gegeneinander kämpfen. Anschließend analysieren sie das "Waffenarsenal" des Sieger. Auf diese Weise haben die Wissenschaftler bereits mehrere bisher unbekannte Wirkstoffen entdeckt.
Vor allem im Hinblick auf die stetig steigende Anzahl resistenter Erreger, denen sich mit den herkömmlichen Antibiotika nicht mehr beikommen lässt, birgt die neue Methode viel Potenzial, glauben Kazuhiko Kurosawa vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und seine Kollegen. Sie stellen ihren Ansatz in der Fachzeitschrift "Journal of the American Chemical Society" vor.
Die beiden Kombattanten waren Bodenbakterien. Eines von ihnen, Rhodococcus fascians, galt bereits seit längerem als vielversprechender Antibiotikalieferant. Zwar produziert das Bakterium unter normalen Umständen keine medizinisch nutzbaren Wirkstoffe, sein Erbgut ist jedoch von Genen für sogenannte Sekundärmetabolite durchsetzt - Stoffe wie Gifte, Farbstoffe oder eben Antibiotika, die nicht direkt für Wachstum und Überleben der Mikroben notwendig sind. Die Überlegung der Forscher: Wenn sich Rhodococcus gegen einen Gegner behaupten muss, der seinerseits ein Antibiotikum bildet, sollte, "ich mag im Moment weder daranter Stress setzen, um ihre Wirkstoffproduktion anzukurbeln.
Kurosawa und seine Kollegen ließen Rhodococcus also zusammen mit dem Antibiotikaproduzenten Streptomyces padanus auf der gleichen Kulturplatte wachsen - und tatsächlich: In einer der Kulturen begann Rhodococcus seine eigenen Antibiotika zu bilden, die schließlich zur Vernichtung des Konkurrenten führten. Diese bislang unbekannten Waffen, von den Forschern Rhodostreptomycin A und B getauft, gehören wie die gängigen Mittel Gentamicin und Neomycin zur Klasse der Aminoglykoside und töten neben Streptomyces auch Keime wie E. coli und Helicobacter pylori.
Auch wenn die Rhodostreptomycine vielleicht noch nicht die effizientesten Wirkstoffe seien, könnten sie dennoch als Startpunkte für eine chemische Optimierung dienen, betonen die Forscher. Außerdem wollen sie näher untersuchen, warum Rhodococcus als Reaktion auf die Bedrohung mit der Antibiotikaproduktion begonnen hat. Denkbar sei zum Beispiel, dass die Anwesenheit der gegnerischen Bakterien eine Art Alarmanlage auslöst, die die entsprechenden Gene anschaltet. Je besser man diesen Mechanismus verstehe, desto eher könne man ihn gezielt nachahmen, um weitere bisher unbekannte Antibiotika zu finden, schreiben die Wissenschaftler.
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