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Krankheiten: Läuse ließen Napoleons Soldaten sterben

zuletzt aktualisiert: 15.12.2005 - 14:27

Boston (rpo). Läuse sind offenbar dafür verantwortlich, dass Napoleons Truppen nach dem Russlandfeldzug 1812 stark dezimiert wurden. Wie Forscher jetzt herausfanden, waren viele der von Hunger und Kälte geschwächten Soldaten mit Fleck- oder Fünftagefieber infiziert - Krankheiten, die durch Kopf- oder Kleiderläuse übertragen werden und wahrscheinlich zum Tode führten.

Die Wissenschaftler entdeckten das Erbgut der Krankheitserreger bei der Analyse von Überresten französischer Soldaten in einem Massengrab im litauischen Vilnius. Nach ihren Erkenntnissen war etwa ein Drittel der Soldaten mit dem so genannten Fleckfieber oder dem Fünftagefieber infiziert. Diese Krankheiten führten bei den ohnehin geschwächten Soldaten, die vom Russlandfeldzug zurückkamen, wohl in vielen Fällen zum Tode. Über ihre Theorie berichten Didier Raoult von der Université de la Méditerranée in Marseille und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Journal of Infectious Diseases".

Den Rückweg vom Russlandfeldzug trat Napoleon bereits mit einer durch Hunger, Kälte und Krankheiten stark dezimierten Armee an. Etwa 25.000 der ursprünglich mehr als 500.000 Soldaten gelangten bis in die litauische Hauptstadt Vilnius. Dort fielen nach Angaben der Forscher jedoch weitere 22.000 Franzosen Infektionskrankheiten zum Opfer und wurden in Massengräbern bestattet. Welche Krankheiten genau in der Armee ausbrachen, war bislang jedoch nicht bekannt.

Raoult und seine Kollegen analysierten nun Erde aus einem solchen Grab und fanden neben Resten von Uniformen und Knochenfragmenten auch Überreste von Kleiderläusen. Eine Analyse des Laus-Erbguts zeigte außerdem, dass mehr als die Hälfte der Läuse Träger eines Bakteriums namens Bartonella quintana gewesen waren. Dieser Erreger verursacht das auch heute noch in Osteuropa vorkommende Wolhynische Fieber, eine auch Fünftage- oder Schützengrabenfieber genannte, potenziell tödliche Infektionskrankheit.

Das gleiche Erregererbgut fanden die Wissenschaftler auch im Zahnmark einiger der verstorbenen Soldaten. Andere hatten sich offenbar mit dem ebenfalls durch Läuse übertragenen Fleckfieber infiziert, wie weitere Untersuchungen zeigten. Insgesamt, so das Fazit der Forscher, litten offenbar etwa 30 Prozent der Soldaten an der einen oder der anderen Krankheit. Ihrer Ansicht nach könnten diese Epidemien daher maßgeblich zum Scheitern des Feldzuges und den extremen Verlusten auf dem Heimweg beigetragen haben.

Quelle: afp

 
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