Dreijährige aus Mönchengladbach: Melissa hat endlich ein neues Herz
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 26.01.2011 - 17:53Mönchengladbach (RP). 488 Tage war Melissa an ein Kunstherz angeschlossen. Dank eines Spenderorgans wird die Dreijährige nun ein fast normales Leben führen können. Dienstag kehrte sie nach Mönchengladbach zurück. Melissa ist das Kind, das weltweit am längsten an eine künstliche Herzpumpe angeschlossen war.
An der Wohnzimmertür des Reihenhauses in Mönchengladbach-Rheydt hängt ein Plakat umringt von bunten Luftballons. "Herzlich willkommen Melissa und Jessica" ist darauf zu lesen. Das "Herzlich" ist ein rotes Herz. In der Tür stehen Aylin (16), Tobias (9) und Janina (22) – sie winken ihrer Nichte Melissa entgegen.
Die Dreijährige schaut sich hellwach zusammen mit ihrer Mutter Jessica Feldbusch im Haus um, erkundet ihr Kinderzimmer und begrüßt ihren Cousin Sean (vier Monate). Hinter ihr liegt ein aufregender Tag. Es ist der Tag, an dem sie nach 18 Monaten die Bad Oeynhausener Herzklinik verlassen darf.
Kinder 2010 wurden im Herzzentrum NRW in Bad Oeynhausen fünf Kindern ein Herz transplantiert. Das jüngste Kind war gerade einmal drei Monate alt und wog vier Kilogramm.
Unterstützung In einer Spendengala, die vom ZDF ausgestrahlt wurde, wurde für Melissa gesammelt. Mehrere Stiftungen unterstützen das Kind finanziell. Jörg Pilawa ist Melissas Pate.
Melissa hat mehr durchgemacht als fast alle anderen Kinder ihres Alters. Ihr halbes Leben wartet die schwer herzkranke Mönchengladbacherin auf ein Spenderherz. 488 Tage ist Melissa an ein künstliches Herz angeschlossen – eine Maschine so groß wie ein Kühlschrank – bis endlich ein Spenderorgan für die Dreijährige gefunden ist.
Melissa ist laut Klinik das Kind, das weltweit am längsten an eine künstliche Herzpumpe angeschlossen war. "Ein passendes Herz zu bekommen, ist bei Kindern besonders schwierig", sagt Eugen Sandica, Direktor des Departments für die Chirurgie Angeborener Herzfehler des Herz- und Diabeteszentrums NRW. "Die Blutgruppe muss passen, das Spenderherz darf nicht zu groß und zu schwer sein." Melissa wiegt zehn Kilo, als ihr am 22. November 2010 ein neues Herz transplantiert wird. Das Herz eines Erwachsenen von 250 bis 300 Gramm Gewicht wäre für das Mädchen zu groß gewesen.
Als Melissa am 1. September 2007 zur Welt kommt, ist sie ein kerngesunder Säugling. Nichts deutet auf eine Erkrankung des Herzens hin. Die Kleine entwickelt sich wie jedes andere Kind. Zwei Monate vor ihrem zweiten Geburtstag leidet Melissa plötzlich unter starken Magen- schmerzen. "Sie war ganz matt, sprang nicht mehr so fröhlich herum und wollte nur noch im Bett liegen", sagt ihre Mutter Jessica. Im Elisabeth-Krankenhaus in Mönchengladbach stellen die Ärzte eine Myokarditis, eine Herzmuskelentzündung, fest. Im Sommer 2009 wird sie in die Spezialklinik nach Bad Oeynhausen verlegt.
Jessica Feldbusch, die mit 15 Jahren Mutter geworden ist, verbringt diese schwere Zeit in unmittelbarer Nähe zu ihrer Tochter. Sie lebt 565 Tage im Elternhaus der Klinik.
In ihrem Mönchengladbacher Zuhause bereiten Großmutter Ursula Feldbusch und ihr Lebensgefährte Udo Schade mit Jessicas Geschwistern unterdessen alles für die Heimkehr der Familienmitglieder vor. "Wir haben die Wände neu mit Farbe gestrichen, die Böden rausgenommen, alle Kuscheltiere gewaschen und Pflanzen entsorgt", sagt Großvater Udo Schade. Sogar die Katze musste umziehen.
In ihrem rosafarbenen Kinderzimmer soll sich Melissa wohlfühlen und auf keinen Fall mit Keimen in Berührung kommen. Die größte Gefahr sei jetzt, dass Melissa eine Infektion bekommt. Deshalb muss das Mädchen auch vorerst einen Mundschutz tragen und sollte nicht im Garten oder mit Tieren spielen. Die erste kritische Zeit nach der Herztransplantation hat Melissa zwar überstanden, eine Abstoßungsreaktion ist aber immer noch möglich, erklärt der Kardiologe Eugen Sandica, der alle Operationen bei Melissa durchgeführt hat. "Melissa wird ein fast normales Leben führen und auch Sport machen können, aber sie wird immer Medikamente nehmen müssen."
Für Mutter und Tochter ist die Rückkehr nach Mönchengladbach ein freudiges Ereignis, aber auch eine Heimkehr in ein neues, ungewisses Leben. "Melissa kennt nur den Klinikalltag", sagt die 18-jährige Jessica Feldbusch. Der Abschied von der Station, den Ärzten und besonders ihrer Lieblingsschwester Heike seien ihr schwer gefallen.
Die kleine Mönchengladbacherin muss ihre Umwelt kennenlernen. "Sie kennt keine Tankstellen und keine Züge", sagt ihr Opa. "Das müssen wir ihr jetzt alles zeigen und erklären." Dabei will die ganze Familie ihrem zweitjüngsten Mitglied helfen. "Wir freuen uns, dass die beiden wieder zu Hause sind. Den Rest schaffen wir." Denn diese Zeit hat die Familie gelehrt, dass sie gemeinsam vieles meistern kann.
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