Interview zum erweiterten Rauchverbot: "Nach drei Tagen besser atmen"
VON NATASCHA PLANKERMANN - zuletzt aktualisiert: 31.08.2007 - 06:00Düsseldorf (RP). Zeitgleich mit dem Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden des Bundes, auf Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln wird die gesetzliche Altersgrenze für das Rauchen auf 18 Jahre angehoben. Über die besten Wege, sich das Rauchen abzugewöhnen, gab uns Dr. Matthias Köstering Auskunft. Er ist Oberarzt an der Uni-Klinik Düsseldorf mit den Schwerpunkten Kardiologie, Pumonologie und Angiologie.
Glauben Sie, gesetzliche Rauchverbote helfen auf dem Weg in ein Leben ohne Qualm?
Köstering: In gewissem Maße ja. Denn wer nur ab und zu in Gesellschaft oder nach dem Essen raucht, findet immer weniger Gelegenheiten dazu. Das betrifft vor allem die nahezu 20 Prozent Gelegenheitsraucher unter den rund 20 Millionen Rauchern in Deutschland Außerdem ist es gut, Jugendliche zu schützen – denn die Zahl der 14- bis 18-Jährigen, die zur Zigarette greifen, steigt. Ob man diejenigen erreicht, die wirklich abhängig sind, wage ich aber zu bezweifeln.
Wie findet man den individuell richtigen Weg, sich das Rauchen abzugewöhnen?
Köstering: Ich empfehle, sich klar zu machen, welchen gesundheitlichen Schädigungen man sich aussetzt – und die Vor- und Nachteile abzuwägen. Am besten sollte man sie aufschreiben, ebenso wie die Situationen, in denen man zur Zigarette greift. Auf die Liste gehört, dass die Strahlenbelastung durch eine Packung Zigaretten täglich etwa derjenigen von bis zu 400 Röntgenbildern pro Jahr entspricht. Außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf- sowie von Lungenerkrankungen. Rauchen verändert das Lungengewebe, die Blutgefäße und führt zu chronischen Krankheiten – dabei wirken Zusatzstoffe wie Kadmium, das sich auch in Autobatterien findet, oder Kohlenmonoxid, ähnlich wie in Autoabgasen, viel schlimmer als das Nikotin. Da überlegt man sich doch lieber Alternativen! Und wirft bewusst das Feuerzeug weg.
Können Kaugummis wie etwa Nicorette oder Tabletten wie die „Raucherpille“ Champix bzw. Nichtraucher-Coachings beim Durchhalten unterstützen?
Köstering: Ja, wenn der Wille und die Motivation da sind. Ein Coach kann eine Kontroll-Instanz dafür sein, dass man es schafft – aber auch die Familie, Freunde oder Kollegen. Deshalb sollte man möglichst vielen Menschen von seinem Vorhaben erzählen. Und die Hilfsmittel einer Nikotinersatztherapie bzw. eine medikamentöse Behandlung mit dem Wirkstoff Vareniclin, der den Effekt des Nikotins unterdrückt und ebenfalls Glückshormone freisetzt, erhöhen die Erfolgsquoten. So nimmt die Tablette die Lust an der Zigarette und das Kaugummi wirkt als Ersatz. Beides hilft gegen Abstinenzsymptome wie Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Niedergeschlagenheit oder Unruhe. Diese treten in einer rund zehn Wochen dauernden Phase auf, die man überstehen muss.
Kann man denn Krankheiten verhindern, wenn man nicht mehr raucht?
Köstering: Oh ja, und das geht schnell. Nach einem Tag ist das Kohlenmonoxid im Körper abgebaut, nach drei Tagen verbessert sich die Situation der Atemwege, die Bronchien werden freier. Nach drei bis neun Monaten funktionieren Herz, Kreislauf und Lunge reibungsloser, und nach zwei Jahren ist das Herzinfarktrisiko um 50 Prozent gesunken. Das Lungenkrebs-Risiko beträgt nach zehn Jahren nur noch 30 bis 50 Prozent. Man hat das schöne Gefühl, leistungsfähiger zu sein – zudem schmeckt das Essen besser.
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