Ohne Nebenwirkung: Nano-Therapie gegen Krebs
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 10.06.2007 - 17:20Berlin (RP). Dem Krebs und seinen bösartigsten Auswüchsen hat der Biologe Andreas Jordan den Kampf angesagt. Er baut an der Berliner Charité auf eine neue experimentelle Therapie - mit Eisenoxid-Partikeln, die nur „15 Nanometer groß sind“. So winzig, dass 4000 dieser Körnchen gerade mal so dick wie ein Haar sind.
Jordans Krebskiller werden in eine Geschwulst gespritzt. Eine Hülle auf Siliziumbasis täuscht dabei die „hungrige“ Wucherung: Sie hält die Nanoteilchen für Nährstoffe, die sie schnell an sich bindet. Von außen gibt dann ein magnetisches Wechselfeld, das 100.000 Mal in der Sekunde seine Polarität ändert, den Takt vor, nach dem die kleinen Eisen-Partikel schwingen: Ein Tanz entlang der Magnetfeldlinien, bei dem die Nano-Kugeln buchstäblich heiß laufen - und mit ihnen das Krebsgeschwür.
Die Behandlung kann „eine Strahlen- oder Chemotherapie unterstützen“, sagt Jordan. Dazu werden die Eisenoxid-Partikel auf etwa 40 bis 45 Grad erwärmt - um so Enzyme im Tumor auszuschalten, mit denen sich manche bösartige Wucherung selbst repariert: Der Krebs erholt sich nach einer herkömmlichen Behandlung und kehrt zurück. „Diese Mechanismen schalten wir aus“, erklärt Jordan. Eine Bestrahlung oder Chemotherapie gibt dem Tumor den Rest und vernichtet ihn. Die zweite Nano-Strategie „erwärmt die Wucherung auf Temperaturen bis zu 70 Grad“. Der Tumor wird wie ein rohes Ei zerkocht und getötet.
Derzeit untersuchen mehrere Studien die Wirksamkeit des Verfahrens: Prostatakrebs wird so behandelt, aber auch das Glioblastom- ein noch unheilbarer Gehirntumor, an dem jährlich etwa 2000 Menschen in Deutschland erkranken. Die Lebenserwartung liegt bisher bei zwölf Monaten und konnte mit der Nano-Behandlung um ein halbes Jahr verlängert werden.
Noch müssen die Partikel dafür in eine Geschwulst injiziert werden. Später sollen es die Nanopartikel alleine bis zum Tumor schaffen. Ein Ziel, das auch australische Wissenschaftler verfolgen, die auf eine andere Art von „Nano-Chemo“ setzen: Anti-Krebs-Wirkstoffe werden in eine winzige Zelle eingebettet, die nur ein Fünftel so groß wie eine Bakterie ist. Sie dockt gezielt an einen Tumor an und injiziert in ihn ihre tödlichen Medikamentenladung. Ohne Nebenwirkungen.
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