Ursachen der Entstehung von Ohrgeräuschen nicht vollständig geklärt: Nervengift kann gegen Tinnitus helfen
zuletzt aktualisiert: 20.09.2004 - 10:05New York (rpo). Das Nervengift Botulinumtoxin könnte in Zukunft auch gegen Tinnitus eingesetzt werden. Das berichteten amerikanische Wissenschaftler. Die Forscher beobachteten bei einigen Patienten einen Rückgang der Ohrgeräusche, nachdem sie die Substanz im Bereich der Ohrmuschel injiziert hatten.
Die Studie umfasste 26 Tinnitus-Patienten, bei denen Stidham und ihre Kollegen zunächst in einem Tinnitus-Test den Grad der Einschränkung durch die Ohrgeräusche bestimmten. Einem Teil der Patienten injizierten sie in drei ausgewählte Punkte im Bereich der Ohrmuschel kleine Dosen des Nervengifts. Die anderen Probanden durchliefen die gleiche Prozedur, doch hier verabreichten die Forscher ein Scheinmedikament (Placebo). Vier Monate später wiederholten die Wissenschaftler die Injektionen. Diesmal erhielt jedoch die erste Gruppe das Placebo und die andere den Wirkstoff.
Die Forscher befragten die Probanden nach ihrem subjektiven Empfinden und bestimmten mögliche Veränderungen mithilfe des Tinnitus-Tests. Von den mit Botulinumtoxin behandelten Patienten empfanden sieben eine Verbesserung der Symptome, drei eine Verschlechterung. Bei zwei der Placebo-Patienten trat nach eigenen Angaben eine Verbesserung ein, sieben beschrieben eine Verschlechterung. Die Auswertung des Tinnitus-Tests wies ebenfalls auf einen positiven Einfluss des Nervengifts hin.
Da die Studie nur eine geringe Teilnehmerzahl umfasste, sei eine allgemeine Behandlung des Tinnitus mit Botulinumtoxin noch nicht zu empfehlen, erklären die Wissenschaftler. Stidham und ihre Kollegen betonen aber auch, dass die Ergebnisse durchaus Anlass für tiefergehende Studien geben.
Nach wie vor sind die Ursachen der Entstehung von Ohrgeräuschen nicht vollständig geklärt. Experten vermuten jedoch, eine Fehlfunktion im Bereich des vegetativen Nervensystems könnte ein Grund für das meist plötzliche Auftreten des Tinnitus sein. Genau hier greift das unter dem Markennamen Botox bekannte Botulinumtoxin ein, indem es den Neurotransmitter Acetylcholin blockiert. Das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum wird seit langen zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Es kann Spasmen lösen, übermäßige Schweißbildung reduzieren und wird bei der Behandlung des Schielens verwendet.
Die Forscher um Katrina Stidham vom California Ear Institute in San Ramon berichteten über ihre Ergebnisse beim Treffen der Amerikanischen Akademie für HNO-Heilkunde in New York.
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