Strahlen statt schneiden: Neue Trends bei Laserkorrekturen am Auge
zuletzt aktualisiert: 09.03.2005 - 10:56Münster/Düsseldorf (rpo). Viele der rund 52 Millionen Träger von Brille oder Kontaktlinsen entscheiden sich inzwischen für eine Korrektur ihrer Fehlsichtigkeit per Laseroperation. Bei der Anfang der neunziger Jahre zuerst in Deutschland praktizierten Methode handelt es sich inzwischen um die weltweit häufigste Behandlungsform. Jetzt gibt eine neue "Nur-Laser-Methode", bei der ganz auf den Einsatz von Skalpellen verzichtet werden kann.
2004 gab es bundesweit rund 120.000 Laser-Eingriffe am Auge. Die Tendenz ist steigend, denn die Operation ist schnell, unblutig und schmerzfrei. "Laserstrahlen werden bei verschiedenen Augenkrankheiten gezielt mit großem Erfolg eingesetzt", sagt Prof. Holger Busse, Direktor der Augenklinik der Universität Münster.
Am bekanntesten sind die Behandlungen von Kurz- und Weitsichtigkeit sowie von Hornhautverkrümmung. Bei Kurzsichtigkeit wird die Hornhaut abgeflacht, bei Weitsichtigkeit eine steilere Hornhautwölbung erreicht.
Zwar gilt die Laseroperation nach Ansicht von Busse inzwischen als "ausgereift", doch Geräte und Diagnoseverfahren entwickeln sich ständig weiter. Dennoch ersetzt auch die modernste Lasertechnik nicht in jedem Fall die Brille: "Altersweitsichtigkeit zum Beispiel kann meist nicht mit dem Laser korrigiert werden", so Busse.
Schwierigkeiten beim Eingriff
Zugleich weisen Experten auch auf die Schwierigkeiten des Eingriffs hin. Problematisch ist das Augen-Lasern bei gleichzeitigen Augenkrankheiten sowie während der Schwangerschaft und Stillzeit. "Auch Allergiker sollten sich über die speziellen Risiken eines solchen Eingriffs informieren", rät Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) in Düsseldorf
Dabei ist die Korrektur von Fehlsichtigkeit nicht die einzige Einsatzmöglichkeit für Lasertechniken: "Risse und Löcher in der Netzhaut werden damit ebenso behandelt wie bestimmte Formen des Grünen oder Grauen Stars oder durch Diabetes bedingte Augenprobleme", so Eckert.
Für diejenigen, die nicht länger eine Brille oder Kontaktlinsen tragen möchten, heißt das Zauberwort LASIK, kurz für "Laser in situ Keratomileusis": Der Lasereingriff findet im Inneren der Hornhaut statt, um dort das Gewebe zu bearbeiten. Kurzsichtigkeit bis zu minus zehn Dioptrien, Weitsichtigkeit bis zu plus drei Dioptrien und Hornhautverkrümmungen bis zu drei Dioptrien lassen sich heute mit dieser moderner Technik in vielen Fällen "weglasern".
Nach einer Viertelstunde ist der Eingriff vorbei
LASIK ist die am häufigsten angewandte Methode. "Der Eingriff wird ambulant durchgeführt und ist durch Augentropfen mit einem örtlichen Betäubungsmittel weitgehend schmerzfrei", erklärt Prof. Thomas Neuhann, Leiter der Augenklinik München. Mit einem mechanischen Präzisionsskalpell schneidet der Arzt zunächst ein hauchfeines, rund 0,16 Millimeter dünnes Scheibchen ("flap") der Hornhaut ein und klappt es wie einen Buchdeckel zurück. Die offen gelegten tieferen Hornhautschichten werden nun mit dem so genannten Excimer-Laser modelliert, anschließend wird der "Deckel" wieder zugeklappt. Nach rund einer Viertelstunde ist der Eingriff vorbei.
"Im Gegensatz zu anderen Operationsmethoden wird dabei das Innere der Hornhaut abgeschliffen und nicht deren Oberfläche", erläutert Neuhann. Dadurch verlaufe die Heilung schneller und schmerzloser als bei der herkömmlichen Laserbehandlung von außen, da die Hornhautoberfläche nicht zerstört wird. "Die Rate ernsthafter Komplikationen liegt bei routinierten Operateuren unter einem halben Prozent", sagt der Experte.
Neu ist die seit Ende 2004 in Deutschland angewendete FEMTO-LASIK-Methode, die laut Neuhann das Komplikationsrisiko noch weiter reduziert. Dabei erfolgt der Eingriff ausschließlich per Laser, komplett ohne mechanischen Schnitt. "Statt per Skalpell wird der Hornhautdeckel mit einem hochpräzisen Femtosekundenlaser so präpariert, dass eine äußerst exakte Gewebetrennung erfolgt. Danach führt man wie bisher die Sehfehler-Korrektur durch", erklärt Neuhann.
Patient muss die Kosten aus eigener Tasche zahlen
Seiner Ansicht nach ist die "Nur-Laser-Behandlung" wesentlich schonender und sicherer. Aber mit rund 2.600 Euro pro Auge ist der Eingriff auch teurer als die herkömmliche LASIK-Methode, die pro Auge inklusive Vor- und Nachuntersuchungen etwa 2.000 Euro kostet. Der Patient muss die Kosten dabei aus eigener Tasche zahlen.
"Laser-Operationen, nur um eine Brille loszuwerden, sind grundsätzlich keine Kassenleistung", erläutert Udo Barske, Sprecher des AOK-Bundesverbandes in Bonn. Liege allerdings eine medizinische Indikation für einen Lasereingriff vor, beteilige sich die Kasse an den Kosten.
Informationen: Eine Liste der zertifizierten Laserärzte sowie eine Übersicht der anerkannten Lasermethoden sind erhältlich beim Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, Tersteegenstraße 12, 40474 Düsseldorf (Tel.: 0211/430 37 00, Fax: 0211/430 37 20.
Der Verband der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie e.V. (VSDAR) informiert im Netz über die Möglichkeiten der operativen Korrektur von Fehlsichtigkeiten.
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