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EHEC-Erreger Petri-Schale Panorama, dapd 2011-0525
  Foto: dapd, dapd
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EHEC-Fälle in Deutschland nehmen zu: Offenbar zweites Todesopfer in Niedersachsen

zuletzt aktualisiert: 25.05.2011 - 17:17

Düsseldorf (RPO). In Niedersachsen ist möglicherweise erneut eine Frau an den Folgen einer Infektion mit dem Darmkeim gestorben. Die 1970 geborene Frau aus dem Landkreis Cuxhaven sei wegen des durch den EHEC-Erreger verursachten sogenannten hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) behandelt worden und am Mittwoch gestorben, teilte das niedersächsische Gesundheitsministerium in Hannover mit. Bis zum Ende der Woche wollen Forscher aus Münster den Erregerstamm identifiziert haben.

Derweil stellte sich heraus, dass einem mit EHEC infizierte Frau aus Schleswig-Holstein nicht an der Infektion mit dem Erreger gestorben ist. EHEC sei nicht die Todesursache gewesen, sagte ein Sprecher der Asklepios-Kliniken in Hamburg.

Die Frau lag in Bad Oldesloe in einem Krankenhaus des Klinikbetreibers. Am Dienstag war ebenfalls bekannt geworden, dass in Niedersachsen und Bremen zwei Frauen vermutlich im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen gestorben waren. Beide waren nach Behördenangaben mit dem Erreger infiziert.

Fälle in Bayern?

Laut einem Bericht der Online-Ausbage der "Süddeutschen Zeitung" wird zurzeit eine 28-jährige Patientin mit Verdacht auf den Durchfall-Erreger EHEC im Klinikum Bayreuth behandelt. Da die Nierenfunktion der jungen Frau koplett ausgefallen sei, werde sie täglich an ein Dialysegerät angeschlossen. Obschon ein endgültiger Laborbefund ausstehe, weise die Patientin sämtliche Symptome einer EHEC-Infektion auf.

Info

EHEC

Die Erreger EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) führen zu schweren Durchfällen. Wer darunter leidet, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Der Verlauf der meldepflichtigen Erkrankungen ist laut Robert-Koch-Institut ungewöhnlich schwer.

In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit drei bestätigte EHEC-Fälle. Landesweit wurden seit Mitte April in Folge ärztlicher Untersuchungen mehr als 20 Fälle von EHEC durch Laboruntersuchungen bestätigt.

Das bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geht inzwischen von zwei Infektionen und einem Verdachtsfall im Freistaat aus. Zudem weisen alle drei Fälle eine Gemeinsamkeit auf: Die Betroffenen pflegten laut dem Bericht kürzlich erst persönlichen Kontakt nach Norddeutschland.

Deutschlandweit nimmt die Zahl der lebensbedrohlichen Darminfektionen durch den EHEC-Erreger indessen weiter zu. Bis zum Dienstagabend waren bundesweit 140 Fälle des sogenannten hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) gemeldet, wie das zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch in Berlin mitteilte. Das durch die EHEC-Bakterien verursachte HUS kann zu akutem Nierenversagen führen. Am Dienstag waren dem RKI erst 80 HUS-Fälle bekannt gewesen.

Forscher wollen Erregerstamm bis Ende der Woche entschlüsseln

Forscher des Universitätsklinikum Münster (UKM) wollen bis Ende der Woche den für die Darminfektionen mit dem gefährlichen Bakterium verantwortlichen Erregerstamm identifizieren. "Wir haben ihn schon sehr weit eingegrenzt", sagte Direktor des Instituts für Hygiene am UKM, Helge Karch, am Mittwoch. Es kämen nur noch zwei von insgesamt 42 bekannten Typen infrage. Es könne aber auch ein ganz neuer Typ des Erregers sein.

Der EHEC-Experte, der seit fast 30 Jahren an der Erforschung des Bakteriums arbeitet, geht davon aus, dass es bundesweit ein einziger Erregerstamm ist, der für den Ausbruch verantwortlich ist. Über die Quelle der Infektionen liegen Karch keine Informationen vor. Bei großen Ausbrüchen in der Vergangenheit seien die Ursachen nie aufgeklärt worden, sagte er.

Am UKM werden Proben aus dem gesamten Bundesgebiet auf den Erreger untersucht. Das Problem dabei ist nach Aussage von Karch, dass sich die Erreger unter dem Mikroskop nicht von normalen E.coli-Bakterien unterscheiden, die natürlich im Darm vorkommen.

Uniklinik Düsseldorf behandelt EHEC-Patienten

Ein 28-jähriger Mann aus Hilden ist mit schweren Symptomen in das Universitätsklinikum Düsseldorf verlegt worden. Wie die Klinik bestätigt, konnte bei dem Patienten, der sich vor dem Ausbruch der Krankheit in Frankfurt aufgehalten hatte, der Erreger EHEC nachgewiesen werden.

Wegen des schweren Krankheitsverlaufs werde er in der Klinik für Nephrologie behandelt, erklärte gestern Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie der Uniklinik.

In Berlin hat sich die Zahl der akuten Verdachtsfälle auf den EHEC-Erreger von zwei auf drei erhöht. Dennoch rechnet die Senatsgesundheitsverwaltung nicht mit einem dramatischen Ausbreiten der Darmerkrankung in Berlin, wie eine Sprecherin am Mittwoch sagte. Vielmehr sei davon auszugehen, dass vereinzelt bei Reiserückkehrern weitere Fälle auftreten könnten.

Bei den derzeit akut Erkrankten handelt es sich den Angaben zufolge um zwei Frauen und einen Mann. Bei einer Patientin wisse man, dass sie gerade aus dem Urlaub in Norddeutschland zurückgekehrt sei, sagte die Sprecherin.

Ministerin Aigner warnt vor voreiligen Schlüssen

Derweil hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) vor voreiligen Erklärungen für die rasante Ausbreitung von lebensbedrohlichen Darminfektionen durch den EHEC-Erreger gewarnt. "Das sind alles Spekulationen", sagte Aigner am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin.

Es könne noch nicht gesagt werden, welches die Quelle für den Ausbruch dafür sei. Das zuständige Robert-Koch-Institut arbeite "mit Hochdruck" an der Ursachenforschung. Aigner appellierte grundsätzlich an die Verbraucher, auf die "allgemeinen Hygiene-Vorschriften" zu achten. Dazu zähle unter anderem, Gemüse gut zu waschen und benutzte Bretter sauber zu machen.

In Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein starben in den vergangenen Tagen drei Frauen vermutlich im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen. Der Erreger breitet sich seit kurzem ungewöhnlich stark aus. Besonders betroffen war bislang Norddeutschland.

Der EHEC-Erreger kann blutigen Durchfall und bei schweren Verläufen das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) verursachsen. Bei HUS kann es zu akutem Nierenversagen kommen.

Quelle: afp/dapd

 
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