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Frauenärzte: Pille nur selten für verminderte Sex-Lust verantwortlich

zuletzt aktualisiert: 31.05.2005 - 16:04

Ihringen (rpo). Die Anti-Baby-Pille löst bei Frauen nur selten verminderte Lust am Sex aus. Manfred Steiner, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), erklärte dies am Dienstag in einem Gespräch mit einer Nachrichtenagentur. "Eine Libidoschwäche ist außerdem nicht nur eine Hormonfrage, sondern bei jeder Frau ganz subjektiv gefärbt", betonte der praktizierende Arzt.

Die Antibabypille soll das MS-Risiko bei Frauen um bis zu 40 Prozent senken.  Foto: AP, AP
Die Antibabypille soll das MS-Risiko bei Frauen um bis zu 40 Prozent senken. Foto: AP, AP

Steiner nahm damit Stellung zu einer neuen US-Studie, die nahe legt, dass bereits eine mehrmonatige Einnahme der Pille die weibliche Libido dauerhaft schädigen könne. Für die im Wissenschaftsmagazin "New Scientist" veröffentlichte Studie an der Universität Boston waren 125 junge Frauen mit Libidostörungen untersucht worden.

Dabei hatten die Forscher bei den Frauen, die regelmäßig die Pille nahmen, erhöhte Werte des Globulins SHBG gefunden. Dieser Eiweißstoff kann Sexualhormone binden und damit blockieren. "Daraus den Schluss zu ziehen, dass das ein Leben lang so bleibt, halte ich allerdings für problematisch", so der Experte im dpa/gms-Gespräch.

Mentale Stimmungsschwankungen erst an dritter Stelle

Nur sehr wenige Frauen suchten wegen Libidoproblemen die Frauenarztpraxis auf, sagt der BVF-Präsident. Die meisten Schwierigkeiten mit der Pille bezögen sich auf die Monatsblutung: "Sie kommt nicht, sie kommt zu häufig, oder es kommt zu einer Dauerschmierblutung." Am zweithäufigsten beklagten sich Frauen über eine Gewichtszunahme durch die Pille. Erst an dritter Stelle kämen mentale Stimmungsschwankungen.

"Die heutigen niedrigdosierten Pillen werden aber im Prinzip gut vertragen", sagt Steiner. Frauen sollten die Anti-Baby-Pille bei auftretenden Nebenwirkungen deshalb nicht gleich absetzen, sondern nach Rücksprache mit dem Arzt lieber auf ein anderes Präparat ausweichen. Die Bandbreite der modernen Präparate sei so groß, dass sie gut auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden können.

In bestimmten Fällen sei von der Pille allerdings grundsätzlich abzuraten: "Frauen mit Thrombosen sollten zumindest keine kombinierte Pille nehmen." In solchen Pillen werden Östrogene und Gestagene in einem bestimmten Verhältnis gemischt. Bluthochdruck allein sei dagegen kein Grund, auf die Pille zu verzichten. Dies müsse jedoch im Einzelfall geklärt werden.

Kein Mindestalter

Ein grundsätzliches Mindestalter für die Anti-Baby-Pille gibt es laut Steiner nicht: "Die Pille sollte immer dann gegeben werden, wenn sie gebraucht wird" - das könne auch auf eine 15-Jährige zutreffen. "Meistens brauchen gerade die ganz Jungen etwas ganz Sicheres." Und die sicherste Empfängnisverhütung sei nun einmal hormonell begründet.

Quelle: gms

 
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