Radikale Abnehmprogramme: Promi-Schlankheitswahn nix für die Mama von nebenan
zuletzt aktualisiert: 07.04.2007 - 13:41Berlin (RPO). Rank und schlank ist Sarah Connor kürzlich bei der Echo-Verleihung erschienen. Dabei hatte sie erst wenige Monate zuvor ihre zweites Kind zur Welt gebracht. Ihre Figur hat sie mit einer speziellen Diät und einem persönlichen Fitness-Trainer wieder in Form gebracht - 30 Kilo in drei Monaten abgenommen. Experten warnen jedoch vor solchen Radikalkuren.
Auch Topmodel Heidi Klum lebt der Normalverbraucherin vor, wie fantastisch eine Mutter auch nach drei Kindern aussehen kann. Die prominenten Frauen kreieren damit einen Trend, mit dem allerdings weniger berühmte Mütter mit normalem Einkommen unmöglich mithalten können. Das müssen sie auch gar nicht, meinen Experten. Denn sie betrachten den nachgeburtlichen Schlankheitswahn der Promis sehr kritisch.
"Solch ein Schlankheitsprogramm der prominenten Frauen ist eine Katastrophe", sagt Edith Wolber, Sprecherin des Bundes Deutscher Hebammen, in Meckesheim bei Heidelberg. Wer täglich drei bis vier Stunden auf dem Laufband stehe und seiner Traumfigur hinterher jage, habe sicherlich keine Muße mehr für sein Kind. Und das sei gerade in den ersten Monaten nach der Geburt besonders wichtig. "Das ist Stress pur", kritisiert die Krankenschwester. Mütter, die sich schnell nach der Entbindung einer Diät und einem harten Fitnessprogramm aussetzten, seien häufig nervlich sehr angespannt und unruhig. "Das Abnehmen kann warten", rät sie der Normalverbraucherin, die keinen Raubbau an ihrem Körper betreiben will.
Sport treiben sollten junge Mütter nach Ansicht Wolbers erst, wenn sie das Gefühl haben, die Zeit ist reif dafür. Wenn sie täglich zwei Stunden mit ihrem Kind spazieren gingen, reduziere sich ihr Gewicht auch peu á peu. "Außerdem nimmt eine Frau, die sechs bis sieben Monate ausschließlich stillt, ohnehin ab", weiß die Expertin. Voraussetzung für diese ganz natürliche Schlankheitskur ist natürlich eine bewusste Ernährung, zu der nicht täglich ein bis zwei Tafeln Schokolade als Trostpflaster für die gestresste Mama zählen. Promi-Frauen hätten oft durch ihre Jagd nach ihrer Traumfigur gar nicht das Verlangen, ihr Baby zu stillen.
Auch Jenny Schulz empfiehlt der Normalverbraucherin das Promi-Abnehm-Programm von Fitness-Guru David Kisch für Klum und Co. nicht. "Das ist für die meisten Frauen nicht praktikabel, weil sie gar nicht die Grundfitness haben, um es durchzustehen", berichtet die Personal Trainerin aus Hannover. Zudem hätten die meisten jungen Mütter nicht die Zeit, drei Stunden täglich Sport zu treiben. Schwer sei es auch, nur tausend Kalorien pro Tag zu sich zu nehmen, wie es Kisch von seinen zahlungskräftigen, schönen Kundinnen verlangt.
"Es ist klar, dass sich bei so viel Sport und der Diät irgendwann der Erfolg einstellt. Die Frage ist nur, wie der Beckenboden dieser Frauen dann aussieht", sagt die Fitness-Expertin, die spezielle Gymnastikkurse für junge Mütter anbietet. Wer zu früh nach der Entbindung mit Bauchübungen beginne, könne damit seinem Beckenboden schaden und inkontinent werden.
Eine stillende Mutter, die mit einem Radikalprogramm auf die Schnelle ihre Babypfunde loswerden will, betreibt nach Meinung der Aachener Ernährungswissenschaftlerin Katrin Raschke Raubbau an ihrem Körper. "Das Baby nimmt sich, was es braucht", sagt die Fachfrau vom Verband für Ernährung und Diätetik. Sie rate stattdessen zu gesunder Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Fisch, Milch- und Vollkornprodukten und sanfter Rückbildungsgymnastik gleich nach der Entbindung.
Etwa zwei Wochen nach der Geburt ihres Kindes könne die Mutter mit kalorienreduzierter, aber ausgewogener Kost den Kampf gegen die Fettpölsterchen angehen. Der gefürchtete Jojo-Effekt trete meist nur bei schnellem Abnehmen durch Crash-Diäten ein. Da es allein oft schwierig ist, den inneren Schweinehund zu überwinden, sollten junge Mütter ihr zufolge lieber in der Gruppe mit anderen Frauen und Kinderwagen walken oder mit ihrem Baby turnen und schwimmen gehen.
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