Mehr Zurückhaltung bei Antibiotika-Verschreibung gefordert: Rate resistenter Erreger steigt
zuletzt aktualisiert: 05.02.2003 - 15:24Bonn/Berlin (rpo). Nach Ansicht von Experten werden Antibiotika oftmals zu sorglos verschrieben. Dadurch steige die Rate von resistenten Erregern sehr stark an.
Es bestehe die Gefahr, dass Bakterien immer widerstandsfähiger würden, warnten Vertreter des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen (Bonn) und des Universitätsklinikums Freiburg am Dienstagabend in Berlin. Nicht jede Mittelohrentzündung bei Kindern müsse mit Antibiotika behandelt werden, hieß es unter Berufung auf eine gemeinsamen Studie zum Antibiotikaverbrauch in Deutschland.
Deutschland liege beim Antibiotikaeinsatz im europäischen Vergleich allerdings immer noch im hinteren Drittel, berichtete Winfried Kern, Leiter der Infektiologie in Freiburg. Spitzenreiter seien Frankreich, Spanien und Portugal. Dort würden pro Kopf mehr als doppelt so viele Antibiotika verordnet wie in Deutschland, wo jährlich 14 so genannte Tagesdosen Antibiotika pro 1000 Einwohner ausgegeben werden.
In den Niederlanden sind es der Studie zufolge dagegen nur 9 Tagesdosen pro 1000 Einwohner. In den Ländern mit dem höchsten Verbrauch an Antibiotika ist auch die Rate der widerstandfähigen (resistenten) Erreger am höchsten.
Nach Angaben von Helmut Schröder, Forschungsbereichsleiter im Wissenschaftlichen Institut der AOK, werden bei einem großen Teil der Erkältungsfälle Antibiotika eingesetzt, obwohl die Mittel gegen Viren, die in der Regel Erkältungen auslösen, wirkungslos sind. Er forderte Ärzte auf, kritischer zu verschreiben. Antibiotika wie das Penizillin sind wirksame Waffen gegen Bakterien.
Im ambulanten Bereich zeigt die gemeinsame Studie starke regionale Unterschiede beim Antibiotikaeinsatz in Deutschland. So seien im Saarland 2001 rund 6,3 Tagesdosen Antibiotika pro 1000 Versicherter verordnet worden. Das waren fast doppelt so viele wie in Sachsen, wo im gleichen Zeitraum knapp 3,5 Tagesdosen pro 1000 Versicherter verschrieben wurden. Über Gründe dafür konnten die Experten nur spekulieren. In Frage kämen Unterschiede in der Krankheitshäufigkeit, regionale Verordnungsgewohnheiten der Ärzte und unterschiedliche Erwartungshaltungen der Patienten.
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