Erst mit 40 Mutter werden: Risiken später Schwangerschaft
VON MICHAEL WENZEL - zuletzt aktualisiert: 04.04.2007 - 17:43Düsseldorf (RP). Immer mehr Frauen bringen ihr erstes Kind relativ spät zur Welt. Mediziner suchen nach Wegen, die Risiken möglichst gering zu halten. Und nach Therapien, damit Frauen den möglichen Verlust des Kindes verarbeiten.
Der Gender Datenreport der Bundesregierung beweist: Die Zahl der Mütter ab 35 Jahren steigt an. Längst sind Erstschwangerschaften um die 40 keine Seltenheit mehr, obwohl die Fruchtbarkeit in diesem Alter deutlich abnimmt: Hatten 1991 nur 0,8 Prozent der Erstgeborenen eine Mutter von 40 Jahren und älter, waren es im Jahr 2003 bereits 3,9 Prozent. Prominente Frauen setzen in Sachen Familienplanung Trends: Moderatorin Birgit Schrowange wurde zum ersten Mal mit 42 Jahren Mutter. Im Alter von 40 Jahren brachte die TV-Journalistin Sandra Maischberger ihr erstes Kind auf die Welt.
Obwohl die Vierzigerinnen von heute im Durchschnitt fitter als ihre eigenen Mütter mit 30 sind, belegen verschiedene Studien eine Erhöhung der Totgeburten in der Altersgruppe zwischen 35 und 39 Jahren. Die Gründe sind unklar. Bekannt ist, dass das Risiko für eine Erbschädigung des Kindes, etwa einer Trisomie 21, die Ursache für das Down-Syndrom ist, mit dem Alter der Mutter ansteigt. Meistens führen Erbgutveränderungen wie diese bereits in den ersten drei Lebensmonaten zum Abbruch. Auch schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck oder Diabetes können das Kind gefährden, doch dank des medizinischen Fortschritts haben Patientinnen gute Chancen, eine normale Schwangerschaft zu erleben.
Weitere Komplikationen bereiten Myome, gutartige Geschwüre in der Muskelschicht der Gebärmutter. Wenn sie unter dem hormonellen Einfluss einer Schwangerschaft verstärkt wachsen und in den Gebärmutterraum hineindrängen, kann sich das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen. „Dann ist eine frühere Entbindung zu erwägen“, meint Hans Georg Bender, Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf. Dabei werden die Vorteile des Kaiserschnitts gegen die fast abgeschlossene Reife des Kindes abgewogen.
„Häufig werden kleinere Kinder mit einer meist geringeren Widerstandskraft geboren, da die Durchblutungssituation der Plazenta bei älteren Schwangeren schlechter ist“, berichtet der Pädiater Jan Lotte. Wie das Beispiel der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin kürzlich zeigte, enden Schwangerschaften reifer Frauen nicht immer mit einem freudigen Ereignis. Im fünften Monat erlitt die 36-jährige Mutter zweier Töchter eine Fehlgeburt. Die Nabelschnur, die das ungeborene Kind versorgte, soll zu dünn gewesen sein. Die psychologische Situation später Mütter ist eine besondere. Die nahe Erfüllung des Kinderwunsches kann eine Überprotektion der Mutter für ihr ungeborenes Kind mit sich bringen - umso härter trifft sie der Verlust.
Leicht kommen Fragen nach der eigenen Schuld auf. Wird das Sprechen über den Kindstod im Familien- und Freundeskreis unterdrückt, kann die Trauer leicht in Depression umschlagen - eine Entwicklung der bereits stationär entgegengewirkt werden kann: „Akute psychische Probleme werden aufgefangen, Konzepte entwickelt, und es wird zudem versucht, eine wohnortnahe Weiterversorgung zu erreichen“, erklärt Hans Georg Bender das Vorgehen am Universitätsklinikum.
Die Bewältigung des Erlebten ist von Patientin zu Patientin verschieden. Einige Betroffene beteiligen sich nach der Trauerarbeit an der Pflege der Kinder ihrer Geschwister oder Freunde, andere hingegen wenden sich verstärkt dem Beruf oder Hobbies zu. Insgesamt sind die Studiendaten optimistisch, was die Gesundheit später Mütter und ihres Nachwuchses betrifft: Denn als Musterschwangere mit gesundem Lebensstil nehmen ältere Frauen die empfohlenen Kontrolluntersuchungen regelmäßig wahr und leisten somit ihren Teil zur optimalen ärztlichen Betreuung in der Schwangerschaft.
Der Nachwuchs profitiert auch in späteren Jahren von der intensiven Beschäftigung der reifen Mutter mit ihrem Kind: Zwar wird beobachtet, dass die Zöglinge älterer Mütter körperlich schwächer als die meisten gleichaltrigen Kinder sind - bezüglich geistiger Fähigkeiten erweisen sie sich allerdings oft als ihrem Alter voraus.
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