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Pandemrix wertlos: Schweinegrippe-Virus noch aktiv

VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010 - 07:33

Düsseldorf (RP). Der Erreger der Schweingegrippe, das Virus A/H1N1, hat in vielen Staaten der Südhalbkugel die saisonale Grippe fast verdrängt. Die alten Viren-Typen existieren aber weiterhin. Der neue Grippe-Impfstoff bietet darum einen Mehrfach-Schutz. Der Impfstoff Pandemrix ist wertlos geworden.

 Foto: AP, AP
Foto: AP, AP

Fast anderthalb Jahre ist es her: Im April 2009 wurde bei zwei Patienten in den USA ein neues Virus entdeckt. Unter der Bezeichnung A/H1N1 ging es um die ganze Welt: der Erreger der Schweinegrippe. Zwar blieb die befürchtete große Krankheitswelle aus, doch das Virus ist nicht verschwunden. Auf der Südhalbkugel, die derzeit unter einer Grippewelle leidet, finden sich Infektionen mit H1N1 – neben zwei Stämmen von Erregern der "gewöhnlichen" saisonalen Grippe. Die "Schweinegrippe" hat sich etabliert. Doch noch ist das Bild nicht eindeutig. Noch kann nicht gesagt werden, ob die Schweinegrippe tatsächlich die anderen Erreger verdrängt – oder nur neben ihnen existiert.

Im Monatsbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza heißt es, dass "weltweit die Influenza-Aktivität auf geringem Niveau ist". Etwa 70 Prozent der Virusnachweise aber zeigten das pandemische H1N1. Doch ist das nur ein allgemeiner Trend, der regional durchaus anders aussehen kann. In China beispielsweise ist der Anteil der Viren aus dem sogenannten B-Stamm, einer Art der gewöhnlichen, saisonalen Grippe, auf 46,8 Prozent gestiegen.

Aggressiv in allen Nischen

Nach dem jüngsten Wochenbericht und Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Schweinegrippe sich im gesamten Gebiet Boliviens und Laos' ausgebreitet. Zudem ist H1N1 in Teilen Indiens sehr aktiv, aber auch in Neuseeland. Dort vor allem in Gebieten, die von der Pandemie 2009 nicht so sehr betroffen waren. H1N1 scheint aggressiv in alle Nischen vorzudringen, die es besetzen kann. Dafür herrscht in Südafrika unter den Grippe-Erkrankungen der gewöhnliche B-Stamm vor, während sich im Osten Afrikas die meisten Menschen mit dem ebenfalls klassischen H3N2-Stamm infizieren. Dort hatte die Schweinegrippe anscheinend keine Zeit, sich so dominant auszubreiten wie in anderen Regionen.

Dennoch: H1N1 existiert zumindest neben den bekannten saisonalen Grippe-Viren. Eindeutig durchsetzen kann sich aber anscheinend derzeit kein Stamm – wenn auch H1N1 oft deutlich dominanter ist als die beiden anderen Viren-Typen.

Dreifacher Schutz

Darum wird der Impfstoff für diese Saison nach Auskunft des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel und des Robert-Koch-Instituts auch einen dreifachen Schutz bieten: gegen die Schweinegrippe und ihren Erreger H1N1 sowie gegen die beiden derzeit grassierenden Virentypen der saisonalen Grippe.

Der neue Impfstoff werde darum auch aus den drei Stämmen völlig neu entwickelt. Und weil es sich um drei verschiedene Erreger handelt, kann der Schweinegrippe-Impfstoff aus dem vergangenen Jahr auch kaum weiterverwendet werden.

Weiter verwenden

Zwar sind in Deutschland noch vorhandene Dosen des Impfstoffes Pandemrix teilweise bis Ende 2010, in vielen Fällen sogar bis Mitte oder Ende 2011 haltbar. Darüber hinaus hat der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur empfohlen, den Impfstoff weiter zu verwenden. Allerdings bietet er nur Schutz vor der Schweinegrippe – nicht vor den beiden anderen derzeit aktiven Virustypen.

Der vorhandene Impfstoff kann auch nicht "wiederverwertet werden", heißt es beim PEI. Sobald das Verfallsdatum erreicht ist, muss er darum wie jeder Krankenhausabfall entsorgt werden.

Auf den Kosten bleiben die Länder sitzen. Der Bund hat bereits jeder Beteiligung eine Absage erteilt. Schließlich hätten die Länder den Impfstoff 2009 auch angeschafft. Die höchsten Kosten werden dabei in Nordrhein-Westfalen entstehen: Aufgrund der Impfmüdigkeit wurden von den 4,2 Millionen Dosen 3,7 Millionen nicht verbraucht. Die Kosten beziffert das Land mit 54 Millionen Euro. Deutschlandweit sind es 188 Millionen Euro.

Quelle: RP

 
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