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Wichtig für Helfer: So hilft das Handy im Notfall

VON WOLFRAM GOERTZ - zuletzt aktualisiert: 20.08.2007 - 20:02

Düsseldorf (RP). Helfer wissen bei einem Unfall oder Notfall oft nicht, wie sie die Angehörigen des Opfers schnell telefonisch erreichen können. Jetzt gibt es nach englischem Vorbild eine Initiative, dass jeder Handybesitzer die wichtigsten Nummern als Notfall-Kontakt speichert. Manchmal kann das Leben retten.

Nach den Bombenattentaten von London entstand in England die Idee der Notfall-Kontaktnummern im Mobiltelefon.  Foto: ddp
Nach den Bombenattentaten von London entstand in England die Idee der Notfall-Kontaktnummern im Mobiltelefon. Foto: ddp

Die Idee ist so gut, so überzeugend, sinnvoll und human, dass man sich wundert, wieso sie sich nicht längst bundesweit durchgesetzt hat. Wahrscheinlich weil es im Handydschungel schwierig ist, Empfehlungen auszusprechen, ohne dass am kommenden Tag eine Revision oder Überarbeitung oder Neutarifierung oder ein Call-Net- Change oder sonstwas nötig ist.

Hier aber geht es ums Elementare und um die Frage: Wie kann ich bei einem Unfall meinen Helfern helfen, dass sie sicher und schnell meine Angehörigen kontaktieren? Vielleicht kann ich selber nicht mehr sprechen, nicht mehr telefonieren, bin bewusstlos oder schwer verletzt. Wer telefoniert dann mit ihnen – und vor allem: wann?

Diese Frage stellen sich Feuerwehren und Rettungsassistenten, Polizisten und Krankenhausmitarbeiter aller Welt regelmäßig, und in einigen Ländern hat man eine Antwort gefunden.

Spezielle Abkürzung

Sie geht so: Die meisten Menschen besitzen ein Handy und haben es auch (lautlos) eingeschaltet dabei. Jeder Handybesitzer sollte nun die zwei, drei wichtigsten Telefonnummern, die bei einem Unfall angerufen werden sollten (Ehepartner, Eltern, Kinder usw.), unter einer speziellen Abkürzung speichern. Das erleichtert den Helfern beim Ernstfall die Suche nach den relevanten Nummern.

Wenn da die Gattin unter „Hildegard Handy“ gespeichert ist, sagt das den Rettungsdiensten ja erst einmal gar nichts. Die Idee kommt aus England, wo sie viele Leute nach den Bombenanschlägen von London unmittelbar sensibilisiert und bei ihnen zum Eintrag im Handy geführt hat; dort ist die Abkürzung ICE (In Case of Emergency – Im Fall eines Notfalls) landesweit bekannt. Deutsche Rettungsdienste machen sich jetzt dafür stark, dieses System auch in Deutschland zu etablieren – mit dem Kürzel IN (Im Notfall).

Seit Wochen kursiert ein Serienbrief in deutschen Mails, der ausnahmsweise kein übler Kettenbrief, sondern ein nützlicher, möglicherweise lebenswichtiger Appell ist. Die deutschen Berufsfeuerwehren bewerben und empfehlen das „Im- Notfall.de“-System auf ihrer Internetseite.

Heute noch programmieren

Sie raten indes davon ab, das ICE-Modell nach Deutschland zu transferieren, weil der ICE-Code in Großbritannien mittlerweile kommerziell genutzt wird und weil in Deutschland das Kürzel ICE missverständlich sei.

Ist denn ein IN-Kontakt wirklich so wichtig? In der Regel ist er nicht wichtig, aber das Leben ist eine einzige Ausnahme von Regeln, und es passiert halt, dass ein Patient, der lebenslang Marcumar zur Blutverdünnung nehmen muss, beim Joggen um den Block ausnahmsweise seinen Notfallausweis vergisst – und genau in diesem Moment von einem Auto angefahren und verletzt wird.

Wenn die Ehefrau schnell informiert wird, wüsste sie sogleich Bescheid und könnte zudem sagen: „Achtung, mein Mann ist marcumarisiert.“ Diese Information kann ein Leben retten. In jedem Fall können die Angehörigen oder nahen Freunde, rasch informiert, schnell Beistand leisten. Heutzutage kommen die Benachrichtigung oft sehr spät. Das kann sich mit dem programmierten Handy ändern.

Man sollte sich also heute anfangen, sein Handy zu programmieren, etwa: „IN 1 Ehefrau“, „IN 2 Tochter“, „IN 3 Bruder“. Gewiss könnte man nach britischem Vorbild zusätzlich auch die ICE-Codierung eintippen – ob aber bei einem Notfall im Ausland ein Krankenhausarzt überhaupt die deutschsprachige Menüführung im Handy versteht, ist zu bezweifeln.

Was sagen die Profis zu der Aktion? Frank Niessen, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Mönchengladbach, sagte unserer Redaktion: „Die IN-Nummern könnten wirklich ein Fortschritt sein. Auch wir finden jede Hilfe, mit der wir Angehörige schnell ermitteln können, wichtig. Es sollte halt nur einheitlich sein.“ Wohl wahr. So lange es keine EU- Regelung gibt, sollte sie auf nationaler Ebene einheitlich sein. Wichtig ist, dass das Kürzel IN (in Großbuchstaben) verwendet wird, sonst gibt es Kuddelmuddel.

Gewiss wird sich das IN-System nicht von heute auf morgen durchsetzen. Aber die Initiatoren vertrauen darauf, dass sich ihre Idee herumspricht – IN-aufhaltsam.


 
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