Israelische Studie: Sommer macht kurzsichtig
zuletzt aktualisiert: 27.08.2007 - 14:51Baltimore (RPO). Der Geburtsmonat ist den Erkenntnissen israelischer Forscher zufolge ein wichtiger Faktor für das Risiko einmal kurzsichtig zu werden. Die Ergebnisse entstammen einer Studie mit 275.000 Männern und Frauen. Demnach brauchen Sommerkinder eher eine Brille.
Verantwortlich für den Effekt könnten nach Ansicht der Wissenschaftler die unterschiedlichen Mengen an Tageslicht sein, denen die Mütter kurz vor oder die Kinder kurz nach der Geburt ausgesetzt sind: Sie beeinflussen den Melatoninspiegel, der zumindest in Tierversuchen Auswirkungen auf das Wachstum der Augen haben kann. Über ihre Arbeit berichten Yossi Mandel von der Hebräischen Universität in Jerusalem und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Ophthalmology" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.ophtha.2007.05.040).
Für ihre Studie verwendeten die Wissenschaftler Daten von Wehrpflichtigen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren, die während der Musterung aufgenommen worden waren. 29,9 Prozent der Erfassten waren kurzsichtig, zeigte die Auswertung. Bei 8,7 Prozent war die Fehlsichtigkeit so stark ausgeprägt, dass sie um mehr als drei Dioptrien von der normalen Sehfähigkeit abwich und bei 2,4 Prozent betrug die Abweichung sogar mehr als sechs Dioptrien. Diese starken Ausprägungen fanden sich vor allem bei Probanden, die im Juni und im Juli geboren worden waren, entdeckten die Forscher. Am seltensten traten sie auf, wenn der Geburtstag im Dezember oder im Januar lag.
Interessanterweise belegte die Häufigkeitsverteilung dabei das gleiche Muster, wie es auch die Tageslänge im Verlauf des Jahres zeigt, erklären die Forscher: Je länger die Tage, desto größer war auch die Wahrscheinlichkeit, eine starke Kurzsichtigkeit zu entwickeln. Wie dieser Zusammenhang genau zustande kommt, wissen Mandel und seine Kollegen allerdings noch nicht. Versuche mit Hühnern hätten jedoch bereits gezeigt, dass die Augäpfel bei permanenter Helligkeit ungewöhnlich in die Länge wachsen - eine Abweichung, die auch der Kurzsichtigkeit beim Menschen zugrundeliegt. Zurückzuführen sei dieser Effekt wahrscheinlich auf den Einfluss des Hormons Melatonin, dessen Bildung durch Tageslicht gehemmt wird und das unter anderem den Tag-Nacht-Rhythmus steuert.
Ob der Effekt jedoch dadurch zustande kommt, dass die Neugeborenen selbst im Sommer mehr Tageslicht ausgesetzt sind oder ob er schon während der letzten Schwangerschaftswochen indirekt über die Mütter entsteht, können die Forscher noch nicht sagen. Zudem sei es nicht auszuschließen, dass andere Faktoren wie saisonale Schwankungen bei den Schwangerschaften, Geburtskomplikationen, das Wetter oder Infektionen eine Rolle spielten. Kurzsichtigkeit gilt hauptsächlich als genetisch bedingt, allerdings werden mittlerweile auch immer mehr Einflüsse durch Umweltfaktoren diskutiert.
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