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Greenpeace-Studie: Spritzmittel in Gewürzen und Birnen gefunden

zuletzt aktualisiert: 01.10.2008 - 20:58

Hamburg (RPO). Viele Gewürze aus deutschen Supermärkten sind offenbar mit giftigen Spritzmitteln belastet. Das hat eine Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace ergeben. Außerdem warnt das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium vor Birnen aus der Türkei, in denen ein verbotenes Pflanzenschutzmittel entdeckt wurde.

Greenpeace hat mehrere Gewürze aus deutschen Supermärkten untersucht. Das Ergebnis ist erschreckend: In den Lebensmitteln gebe es gefährliche Spritzmittel. Die Handelskette Edeka reagierte sofort. Der Fachverband der Gewürzindustrie warf der Umweltorganisation irreführende und falsche Behauptungen vor.

Wie Greenpeace am Mittwoch in Hamburg mitteilte, wiesen von 33 getesteten Gewürzproben 82 Prozent Pestizidrückstände auf. Lediglich sechs Proben seien frei von Pestiziden gewesen. Die Lebensmittelkette Edeka zog eine kritisierte Paprikasorte sofort zurück.

Besonders fielen laut der Untersuchung Paprikapulver, Dill und getrocknete Petersilie auf. In einem einzigen Gläschen Paprikagewürz aus einem Hamburger Supermarkt habe man 22 verschiedene Spritzmittelwirkstoffe gefunden. Dagegen seien Pfeffer, frische Petersilie und Ingwer meist gering belastet gewesen. Greenpeace bewertete nur sechs der 33 Testproben als empfehlenswert. Gekauft wurden die Kräuter und Gewürze den Angaben zufolge bei großen Handelsketten in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt am Main und Jena.

Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter nannte es "unglaublich, dass die staatlichen Lebensmittelüberwachungsbehörden solche Missstände dulden". Ein Viertel der gefundenen Spritzmittel sei nicht in der EU zugelassen, für weitere fünf Mittel liege ein Beschluss zur Nichtzulassung vor.

Gewürzverband kritisiert Untersuchung

Die Lebensmittelkette Edeka stellte den Verkauf des kritisierten Paprikapulvers "Spice Islands Paprika mild" noch am Dienstag ein, wie die Firma mitteilte. Man habe den Hersteller zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Scharfe Kritik an der Greenpeace-Untersuchung kam vom Fachverband der Gewürzindustrie. Keine der untersuchten Proben habe die gesetzlich zugelassenen Höchstmengen für Pflanzenschutzmittel-Rückstände überschritten. Greenpeace habe allerdings den Grenzwert für frische Paprika auf getrocknete Paprika angewandt, was zu einer rechtlich falschen Bewertung führe. Zudem habe die Organisation fälschlicherweise EU-Recht herangezogen, wo deutsches Recht gelte, kritisierte der Verband. "Greenpeace legt eigene Maßstäbe fest und schafft sich eigene Gesetze, die auch die Öffentlichkeit übernehmen soll."

Belastete Birnen aus Türkei aus dem Handel genommen

Das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium teilte unterdessen mit, in Birnen aus der Türkei sei das Pflanzenschutzmittel Amitraz gefunden worden. Alle Proben aus der Türkei mit den Rückständen des in der EU nicht zugelassenen Mittels seien deutlich über dem Grenzwert gewesen. Die Birnen seien aus dem Handel genommen und mehrere Tonnen vernichtet worden, sagte Verbraucherschutzminister Peter Hauk.

Der Wirkstoff Amitraz wirke als Insektizid und sei in Deutschland seit einigen Jahren, in der EU seit Anfang 2008 nicht mehr erlaubt. "Der aktuelle Fall mit seinen extremen Höchstmengenüberschreitungen muss Konsequenzen haben." Nachdem Eigenkontrollen in diesem Fall offensichtlich nicht wirkten, seien EU-weite Einfuhrbeschränkungen für Birnen aus der Türkei notwendig.

Quelle: ap

 
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