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Falsch-Programmierung: Warum besonders kleine Kinder so häufig Diabetes bekommen

zuletzt aktualisiert: 28.02.2005 - 13:16

Philadelphia (rpo). Kinder, die mit einem niedrigen Geburtsgewicht auf die Welt kommen, erkranken überdurchschnittlich oft an Diabetes Typ 2. Warum das so ist, war lange Zeit unklar. Jetzt konnten US-Wissenschaftler das Geheimnis mit Hilfe von Mäusen lüften.

Parodontose der Mutter kann nach Forschungsergebnissen in den USA zu Frühgeburten führen.  Foto: RPO
Parodontose der Mutter kann nach Forschungsergebnissen in den USA zu Frühgeburten führen. Foto: RPO

Durch eine ungenügende Versorgung mit Nährstoffen im Mutterleib sind die Zellen ihrer Bauchspeicheldrüse falsch programmiert, so dass sie zu wenig Insulin produzieren. Der Effekt zeigt sich jedoch nicht sofort, sondern erst im jugendlichen Alter, berichten Mary-Elizabeth Patti vom Joslin-Diabeteszentrum der Universität Harvard und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "Diabetes" (Bd. 54, Nr. 3).

Ein Geburtsgewicht von weniger als 2500 Gramm gilt als Risikofaktor für Diabetes vom Typ 2. Der häufigste Grund für ein so niedriges Gewicht ist eine schlechte Versorgung des Fötus im Mutterleib - entweder, weil die Mutter selbst unterversorgt war oder durch eine mangelhafte Blutversorgung des Embryos.

Um dem Zusammenhang zwischen Nährstoffmangel und späterer Zuckerkrankheit auf den Grund zu gehen, teilten die Forscher schwangere Mäuse in zwei Gruppen ein.

Beide bekamen während der ersten beiden Wochen ihrer Schwangerschaft unbegrenzten Zugang zum Futter. In der letzten Woche beschränkten die Wissenschaftler jedoch die Nährstoffmenge bei der einen Gruppe, während die andere weiterhin ungehindert fressen durfte.

Der Effekt war dramatisch: Die Jungen der schlechter ernährten Mäusemütter waren mehr als 20 Prozent leichter als die der anderen. Das holten sie jedoch schnell auf, und nach drei Wochen war bereits kein Unterschied zwischen den Mäusekindern mehr erkennbar.

Nach knapp vier Monaten entdeckten die Wissenschaftler jedoch, dass der ehemals unterernährte Mäusenachwuchs einen ungewöhnlich hohen Blutzuckerspiegel hatte.

Außerdem war die von der Bauchspeicheldrüse produzierte Menge Insulin praktisch immer gleich, unabhängig davon, ob der Blutzuckerspiegel hoch oder niedrig war. Der Grund dafür war offenbar eine falsche Programmierung der insulinproduzierenden Zellen, zeigten weitere Untersuchungen: Im Gegensatz zu denen der Kontrollmäuse bildeten sie immer die gleiche Menge Insulin - egal, welches Signal sie bekamen.

Obwohl es noch keine entsprechenden Untersuchungen beim Menschen gibt, sind die Forscher relativ sicher, dass die Ergebnisse übertragen werden können. Potenzielle Risikopatienten sollten daher auf jeden Fall zusätzliche Faktoren vermeiden, die das Diabetesrisiko steigern, darunter erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht und Bewegungsmangel.

Quelle: afp

 
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