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Lebenslange Schäden drohen: Wenn Menschen der Blitz trifft

zuletzt aktualisiert: 12.07.2009 - 13:11

Düsseldorf (RP). Blitzschläge hinterlassen bei ihren Opfern oft unheilbare Schäden, dennoch hat Wiederbelebung nach einem Herzstillstand sehr gute Chancen. Die Vermutung, man könne von „Reststrom“ getroffen werden, ist ein Ammenmärchen. Blitzschutz im Auto wird allerdings überschätzt.

Jährlich werden in Deutschland bis zu 700 Menschen vom Blitz getroffen, jeder Zehnte von ihnen stirbt. Das ist zwar nicht mehr so dramatisch wie im 19. Jahrhundert, als Gewitter noch 300 Todesopfer pro Jahr forderten, weil es noch weniger schützende Autos und Häuser gab. Dennoch: Die Zahl der Blitzunfälle ließ sich mit Vorsichtsmaßnahmen noch weiter verringern.

"100 Millionen Volt wirken auf den Menschen"

„Bei einem Blitzschlag können bis zu 100 Millionen Volt und mehrere 10.000 Ampere innerhalb von 0,02 Sekunden auf einen Menschen einwirken“, warnt Professor Emil Reisinger von der Universität Rostock in einem Beitrag fürs Deutsche Ärzteblatt. Allein diese Werte zeigen, dass die Kräfte eines Blitzschlags nicht mit denen aus einer Steckdose vergleichbar sind. Dementsprechend schwerer und vielfältiger sind die Verletzungen, sie reichen von Verbrennungen über Atemlähmungen bis zu Ganzkörperkrämpfen und Herzrhythmusstörungen. Besonders stark trifft der Schlag das Nerven- und Muskelgewebe, weil das einen hohen Flüssigkeitsanteil hat und daher den elektrischen Ladungen nur wenig Widerstand leistet.

Bei bis zu 75 Prozent der Betroffenen blieben lebenslange Schäden. „Sie treten meistens in Form von neurologischen Beschwerden wie Lähmungen und Missempfindungen auf“, so Reisinger. Der Internist betont aber auch: Wenn nach dem Blitzschlag das Herz stehen bleibt, bestehen überdurchschnittlich hohe Chancen für eine Reanimation. Ihre Erfolgsquote liegt, sofern sie innerhalb der ersten fünf Minuten erfolgt, über 80 Prozent.

Oft bleiben lebenslange Schäden

Gründe genug, dass Begleiter eines leblosen Blitzschlagopfers sofort mit Herzdruckmassage und möglicherweise sogar einer Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen. Sie brauchen keine Angst zu haben, dass vom Patienten noch irgendein „Reststrom“ auf sie übergeht. Am besten wäre es, erst gar nicht vom Blitz getroffen zu werden, doch in dieser Hinsicht herrscht hierzulande immer noch Leichtsinn. So beklagen Meteorologen und Notfallmediziner, dass gerade Wanderer und Freizeitsportler bei einem nahenden Gewitter zu lange ungeschützt im Freien bleiben würden.

„Die Leute unterschätzen, dass Blitze auch noch in einer Entfernung von 16 bis 20 Kilometern zu einem Gewitter auftreten können“, so Reisinger. „Oft ist dabei am Ort des Blitzeinschlags der Himmel blau, und es regnet nicht.“  Demgegenüber wird der Blitzschutz im Auto oft überschätzt. Tatsache ist zwar, dass die Blechkarosserie als Faradayscher Käfig die elektronischen Ladungen ableitet. Tatsache ist aber auch, dass man dabei als Insasse nicht die Blechanteile im Auto berühren sollte. Außerdem sollte der Wagen abgestellt sein. Denn wenn der Blitz einschlägt, ist das Licht so grell, dass Orientierung kaum möglich ist.

Was tun, wenn es gewittert?

Wenn man im Freien dem Gewitter nicht entkommen kann, sollte man, wie allseits bekannt ist, die unmittelbare Nähe von Masten, Türmen und Bäumen meiden. Was jedoch weniger bekannt ist: Im Abstand von 50 bis 100 Metern bieten hohe, freistehende Objekte den Vorteil, dass sie den Blitz von den Personen um sie herum ablenken. Eine gewisse Nähe auf Distanz zum Baum kann also nützlich sein.  

Ebenfalls überholt ist der Ratschlag, sich flach auf den Boden zu legen, denn das vergrößert nur die Angriffsfläche, die man dem Strom bietet. Besser: In die Hocke gehen und die Füße dicht aneinander stellen, um die elektrische Spannung im Schritt zu verringern. Und natürlich: Mobiltelefon, I-Pod und andere tragbare Elektrogeräte ausschalten – und auch nicht, selbst wenn es wie aus Kübeln regnet, den Schirm aufspannen. Denn das sind alles Ziele, die der Blitz anvisiert.

Quelle: rm

 
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