Neue US-Studie wirft Fragen auf: Wer Demenzkranke pflegt, wird öfter krank
zuletzt aktualisiert: 23.05.2010 - 12:10Düsseldorf (RPO). Beunruhigendes Ergebnis einer US-Studie: Über 15 Jahre beobachteten Forscher Ehepaare, bei denen ein Partner an Demenz erkrankt ist. Diejenigen, die ihren Partner zu Hause pflegten, erkankten in dieser Zeit sechs Mal häufiger ebenfalls an Demenz als die anderen. Über die Ursachen sind sich Forscher uneinig. Ist Alzheimer ansteckend?
Einige Experten halten die jahrzentelangen gemeinsamen Lebensumstände für ursächlich. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) zufolge mehren sich jedoch die Hinweise, dass Infektionen und Entzündungen bei geschwächten älteren Menschen die Krankheit zum Ausbruch bringen könnte.
Demnach können sowohl manche Bakrterienarten als auch Herpesviren zum Sterben von Gehirnzellen führen, die für die Demenz typisch ist, von denen die Alzheimer-Krankheit die bekannteste ist.
Bei jüngeren Menschen wie etwa Angehörigen oder Pflegepersonal gibt es dem Bericht zufolge aber keinen Hinweis auf einen Zusammenhang. Den Leiter der Psychatrie am Münchener Klinikum rechts der Isar, Hans Frönst, zitiert die Zeitung mit der Forderung, auf dem Gebiet mehr medizinische Forschung zu betreiben.
Alzheimer und Demenz
Demenz tritt in verschiedenen Formen auf. Es handelt sich um eine Krankheit, die die Denkfähigkeit der Betroffenen negativ beeinträchtigt.
Die weitaus häufigste ist die sogenannte Alzheimer-Demenz, die durch Eiweißablagerungen (Plaques) im Gehirn entsteht. Diese sind die Ursache für Demenz aufgrund von Durchblutungsstörungen, die zweithäufigste Art von Demenz in Deutschland.
In Deutschland leiden rund 1,2 Millionen Menschen an Demenz. Experten rechnen angesichts der demographischen Entwicklung mit etwa fünf Millionen Betroffenen bis 2050.
Fröstl sagte der "FAS": "Diese Ergebnisse hatten wir befürchtet". Es habe "schon lange Anzeichen dafür gegeben, dass das so ist, und es gibt wenig Gründe, an den Ergebnissen der Studie zu zweifeln".
Andere Forscher sind skeptischer. "Es gibt bisher keinerlei Hinweis darauf, dass Alzheimer ansteckend ist", so Melanie Meyer-Luehmann vom Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen an der Universität München gegenüber der Zeitung.
Ihren Forschungen an Mäusen zufolge war die Krankheit nur bei genetisch anfälligen Tieren übertragbar, denen die Alzheimer auslösenden Amyloid-Beta-Proteine direkt ins Gehirn gespritzt wurden. "Auch die Übertragung selbst ist nicht einfach, die Gefahr dafür liegt wahrscheinlich bei null", sagte sie der "FAS".
Die Studie wurde vor kurzem im Journal of the American Geriatrics Society veröffentlicht. Die Wissenschaftler beobachten 1221 Ehepaare über 15 Jahre.
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