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Medizinstatistik: Wer Treppen steigt, lebt länger

zuletzt aktualisiert: 15.03.2008 - 22:55

Düsseldorf (RPO). Bewegung treppauf regt Herz und Kreislauf an, steigert die Belastbarkeit und Muskulatur - und das jederzeit auf dem kleinen Dienst- und Privatweg. Doch bei manchen Menschen kann das Treppensteigen geradezu schädlich sein.

Es gibt keinen Fahrstuhl zum Glück, meint ein Sprichwort, man muss die Treppe nehmen. Dieses Bonmot, dessen therapeutischbuddhistischer Touch die energische Selbstermahnung einschließt, gilt nicht nur für Partnerschaften und die Suche nach emotionaler Balance. Es gilt auch für die Glückseligkeit des Körpers. Das Bonmot predigt: Alles ist mit Mühe verbunden, aber sie verheißt Belohnung.

Als Austragungsort für diese tägliche Mühe wurde die Treppe erfunden. Sie bietet den Raum zum Selbsttransport; die Kraftaufwendung hebt einen schrittweise empor, Stufe für Stufe. Physiker haben gemessen, dass Treppensteigen sieben Mal anstrengender ist als Laufen in einer Ebene. Wer gehbehindert, lungen- oder herzkrank ist oder Übergewicht mitschleppt, bekommt Probleme beim Treppensteigen und behilft sich per Lift.

Drei Sekunden pro Stufe

Dabei könnte viele Leute das Treppensteigen fit machen. Es ist gesund, regt Herz und Kreislauf an, steigert Belastbarkeit und Muskulatur – und das regelmäßig auf dem kleinen Dienst- und Privatweg. Medizinstatistiker haben in einer gar nicht kühnen Rechnung ermittelt, dass jede Stufe treppauf das Leben um drei, vier Sekunden verlängert. Regelmäßiges Treppensteigen ist ein guter Indikator für Kondition.

Der Kempener Allgemeinmediziner Bernhard Heithoff sagt über Patienten: „Für mich ist die Frage nach ihrem Treppensteigen immer eine nach ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit, also ein Gradmesser wie sonst meine Frage nach Gehstrecken bei Leuten mit Herzschwäche oder Durchblutungsstörungen der Beine.“ Tatsächlich, vermutet Heithoff, könnte eine Tabelle, wie viele Stufen sie schaffen, müden Trepplern helfen, ihre Kondition schrittweise zu steigern.

Der Neusser Lungenarzt Johannes Uerscheln berichtet, dass viele treppenfaule Patienten ihren Trainingsmangel „nicht ernst nehmen und als primäre Diagnose oft nicht akzeptieren“. Motto: „Herr Doktor, nicht, dass etwas Schlimmeres dahintersteckt!“ Und so werde, schildert Uerscheln treffend, „eine umfangreiche Diagnostik anberaumt, bei der am Schluss doch nur herauskommt: Mensch, beweg’ dich!“

60.000 Treppenunfälle pro Jahr

Natürlich sind manche Menschen auf der Treppe unglücklich. „Treppensteigen provoziert die Symptome der Schaufensterkrankheit, vor allem bei Gefäßverengungen im Beckenbereich“, berichtet Christoph Ploenes, Chefarzt für Angiologie am Düsseldorfer Dominikus- Krankenhaus. „Die Beschwerden in Oberschenkel und/oder Wade lassen bei einer kurzen Gehpause nach oder verschwinden.“ Auch Leute mit Hüftleiden sollten sich schonen. Allerdings trainiert Treppensteigen gerade bei älteren Menschen „das Gleichgewichtsorgan und damit das Sicherheitsgefühl“, wie der Düsseldorfer HNOArzt Michael Strahl weiß.

Thomas Wallny, Professor für orthopädische Chirurgie am Kamp- Lintforter Bernhard-Krankenhaus, mahnt, dass „die Belastung des Bewegungsapparates der Leistungsfähigkeit von Knorpel, Knochen und Muskulatur angepasst werden muss“. Ein übergewichtiger Patient mit Arthrose hinter der Kniescheibe „wird nicht glücklich, wenn er sich sieben Etagen hochquält“. Treppab starben laut statistischem Bundesamt im Jahr 2006 über tausend Menschen bei Stürzen. Unfallstatistiken melden jährlich etwa 60.000 Unfälle auf der Treppe – oft von Leuten, die gern zwei Stufen auf einmal nehmen. Manche von ihnen müssen erst zum Unfallchirurgen, dann zum Augenarzt: Sie sehen schlecht.

Die Neusser Psychoanalytikerin Claudia Sies kennt indes Leute, die sich zur Treppe zwingen: „Es ist jener Typ Mensch, der mit Härte gegen sich selbst vorgeht, dessen Herz und Knie schon geschädigt sind und der trotzdem keine Treppe auslässt. Für ihn wäre es ein Fortschritt, den Lift zu nehmen.“ Für alle anderen gilt: Zum Glück führt die Treppe. Schritt für Schritt


 
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