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"Ciderella-Schuh-Syndrom": Wie Frauenfüße leiden

VON JÖRG ZITTLAU - zuletzt aktualisiert: 05.01.2007 - 14:54

Düsseldorf (rpo). Ärzte sprechen vom "Cinderella-Schuh-Syndrom", wenn sich die Füße von Frauen verformen, weil sie auf zu hohen Absätzen laufen. Die Schäden lassen sich durch Einlagen ausgleichen, im Zweifel hilft nur eine Operation.

"Wer schön sein will, muss leiden!", das galt nicht nur in den Fünfziger Jahren - und ist auch heute noch gefährlich. Foto: Modemedia

Schuhe sind ein Zeichen der Zivilisation, denn als Zweifüßler auf nackten Sohlen wäre der Mensch nicht weit gekommen. Also achtet er seit jeher auf robustes und gut funktionierendes Schuhwerk. Zumindest die Männer. Bei den Frauen allerdings dominieren oft modische Motive die Wahl im Schuhgeschäft.

Laut einer Umfrage des Hamburger Gewis-Institus haben 38 Prozent der deutschen Frauen zwischen zehn und 25 Paar Schuhe im Schrank. Vieles davon hat schmale Spitzen und hohe Hacken - und die sorgen für volle Wartezimmer bei den Chirurgen und Orthopäden. 85 Prozent aller Frauen über 40 Jahren leiden an Fußproblemen, bei den Männer sind es gerade mal 15 Prozent.

"Der typische Frauenschuh ignoriert die anatomische Form der Füße", klagt Renate von Strauß und Torney vom Bremer Universitätsinstitut für Gesundheitswissenschaften, "und ist zur Fortbewegung gänzlich ungeeignet." Er zwängt die Zehen in eine enge, viel zu kurze Kappe, und der Fuß hat insgesamt keinen Halt, da er über dem Spann weit ausgeschnitten ist.

Highheels nur ab und zu

Ganz zu schweigen von dem hohen Absatz, der die Frau dazu zwingt, permanent auf Zehenspitzen zu gehen. Wer nur gelegentlich Highheels anzieht, muss keine gesundheitlichen Schäden befürchten, denn der Fuß kann für eine Weile fast jede Schuhform ertragen. Wer jedoch täglich auf hohen Hacken läuft, riskiert Wadenkrämpfe und eine schmerzhafte Verkürzung seiner Achillessehnen.

Zudem konzentriert sich sein Körpergewicht auf die Mittelfußköpfchen, die dadurch ein Vielfaches ihrer sonstigen Last zu tragen haben. In der Folge verliert das Quergewölbe im Fuß seine natürliche Krümmung und sackt ab: Es kommt zum Spreiz- und Senkfuß. Dadurch erhöht sich die Zugbelastung an der Fußbettmuskulatur, was allein schon ziemlich schmerzhaft sein kann.

Schließlich aber wird das große Zehengelenk nach außen gedrückt, während der Zeh selbst nach innen dreht: Der so genannte Ballenzeh oder Hallux valgus. In Medizinerkreisen wird er auch gerne als "Cinderella-Schuh-Syndrom" bezeichnet.

Frauen mit großen Ballenzehen können am Ende kaum noch einen Schuh anziehen, oft leiden sie unter Entzündungen und starken Schmerzen beim Laufen. Ganz zu schweigen davon, dass es am Zehngrundgelenk zu Schleimbeutelentzündungen und einer Arthrose kommen kann.

Polster oder Schiene

Im frühen Stadium der Erkrankung können möglicherweise noch Schuheinlagen, druckentlastende Schaumstoffpolster oder eine Nachtschiene helfen. Später ist jedoch meistens eine Operation angezeigt. Immerhin kann sie heute, wie der Düsseldorfer Orthopäde und Fußchirurg Jürgen Arnold erklärt, "viel schonender als früher" durchgeführt werden.

Auch müsse der Fuß danach nicht mehr unbedingt wochenlang in einen schweren Gips, weil mittlerweile stabile Fixierungen am Knochen möglich sind, so dass als Außenstabilisierung schon ein leichter Verbandsschuh ausreicht.

Nichtsdestoweniger sollte man sich, warnt Arnold, "nicht zu leichtfertig" zum operativen Eingriff entschließen. Denn die Tatsache, dass mittlerweile über 200 unterschiedliche Operationsverfahren für Fußdeformationen auf dem Markt sind, könnte man durchaus als Hinweis darauf interpretieren, "dass nicht jede Methode zu befriedigendem Ergebnis führt".

In jedem Falle rechtfertigen kosmetische Motive allein noch keine Operation, auch wenn natürlich ein ausgeprägter Hallux valgus nicht gerade schön aussieht. Ein weiteres Problem hochhackiger Schuhe ist die "Varusstellung" im Kniegelenk. Dabei werden die Gelenke O-beinartig nach außen gedrückt, es entstehen ungünstige Belastungen, die das Risiko für eine Arthrose erhöhen.

Blockabsatz hilft wenig

Viele Frauen glauben, dieser Gefahr entgehen zu können, indem sie Schuhe mit breiten anstatt dünnen Absätzen tragen. Doch das ist ein Irrtum, wie Casey Kerrigan in einer Studie der Harvard Medical School in Boston herausgefunden hat. Demnach nimmt die Varusstellung bei den Stiletto-Absätzen um 22 Prozent, bei den breiten Absätzen allerdings sogar um 26 Prozent zu.

"Sie sind daher keine echte Alternative", warnt Kerrigan. Wer seine Kniegelenke schonen will, sollte also auf Schuhe verzichten, deren Absätze höher als vier Zentimeter sind.


 
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