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Stressverarbeitung funktioniert besser: Wie Mutterliebe die Genaktivität verändert

zuletzt aktualisiert: 27.06.2004 - 16:48

London (rpo). Die Liebe einer Mutter kann unmittelbar auf die Stressverarbeitung ihres Kindes Einfluss nehmen - zumindest bei Ratten. Denn kümmert sich die Rattenmutter liebevoll, kann das Kleine langfristig viel besser mit Stress umgehen.

Das haben kanadische Forscher beobachtet. Sorgsames Lecken und Putzen verändert bei den Rattenbabys langfristig die Aktivität eines Gens, das bei der Stressverarbeitung im Gehirn eine zentrale Rolle spielt. Dadurch kann der Nachwuchs auch auf lange Sicht besonders gut mit Stress umgehen. Ihre Untersuchungen schildern Michael Meaney von der McGill-Universität in Montreal und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" (Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1038/nn1276).

Bei Stress werden im Gehirn bestimmte Hormone freigesetzt, die instinktive Stressreaktionen ermöglichen. Das ermöglicht zum Beispiel in Krisensituationen eine besonders schnelle Reaktion. Auf Dauer benötigt das Hirn jedoch einen Mechanismus, der die Hormonmengen unter Kontrolle hält und so die Stressverarbeitung im Hirn reguliert. Während die Mutter ihre Babys ausgiebig leckt und putzt, fährt das Gehirn der Kleinen kurzzeitig die Aktivität eines Gens im Hippocampus hoch, das an diesem Regulationsmechanismus beteiligt ist. Das hatten Meaney und seine Kollegen bereits in früheren Studien herausgefunden.

Bei ihren weiteren Untersuchungen entdeckten die Wissenschaftler nun, dass die Veränderungen sogar länger anhalten. Das sei der erste Beweis dafür, dass die Zuneigung der Mutter langfristige Umstellungen in der Genaktivität der Kinder bewirkt. Unterschiede zwischen in den ersten Tagen gepflegten und vernachlässigten Ratten traten bereits in der ersten Lebenswoche auf. Die Veränderungen blieben bis ins Erwachsenenalter bestehen, waren durch unliebsame Behandlung allerdings auch wieder rückgängig zu machen.

Ratten, die als Babys viel Zuneigung erhalten, sind ihr ganzes Leben lang ausgeglichener und weniger ängstlich als Artgenossen, die in der ersten Zeit ihres Lebens weniger Aufmerksamkeit bekommen. Die umsorgten Tiere kümmern sich auch um ihren eigenen Nachwuchs besonders sorgsam.

Farbratten werden als Haustiere gehalten. Auf der neuseeländischen Insel allerdings sicher nicht.  Foto: RPO
Farbratten werden als Haustiere gehalten. Auf der neuseeländischen Insel allerdings sicher nicht. Foto: RPO

 
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