Das "Zalex"-Verfahren ist mittlerweile patentiert: Zähne ziehen ohne Schmerz
zuletzt aktualisiert: 06.07.2004 - 11:56Magdeburg (rpo). Zahnarztbesuche - für viele das Grauen schlechthin. Erst recht gilt das für das Ziehen eines Zahns. Der Magdeburger Arzt Bernd Helke hantiert dabei gar mit zwei Zangen - und fügt seinen Patienten so weit weniger Schmerzen zu...
Denn statt dem bislang üblichen Gerackel wird nach dem hochmodernen Verfahren tatsächlich gezogen. Die Kombination der beiden Zangen macht das möglich. Während die eine den kranken Zahn hält, hebt ihn die andere regelrecht aus dem Kiefer. Der Vorteil ist tatsächlich spürbar. "Wir können auf diese Weise nicht nur die Schmerzen minimieren, auch die Blutungen werden schneller gestillt", erläutert der Mediziner das von ihm mitentwickelte Verfahren. Das so genannte Zahnfach bleibt bei der Methode weitgehend unversehrt. In der Gemeinschaftspraxis von Vater und Sohn Andreas gehört das Verfahren längst zum Standard. Patienten aus allen Teilen Deutschlands kommen eigens dorthin, um sich behandeln zu lassen.
Geboren wurde die Idee für das innovative Zahnziehen Mitte der 80er Jahre. Bernd Helke, damals in einer Poliklinik der Elbestadt angestellt, war maßgeblich an einem Forschungsprojekt beteiligt, das gemeinsam mit der Medizinischen Akademie vorangetrieben wurde. An die 100 Wissenschaftler wirkten daran mit. Nach der "Wende" holte sich der Mediziner private Förderer mit ins Boot, um das Vorhaben erfolgreich abzuschließen.
Ein Zufall führte damals den Schweißtechniker Professor Udo Franz auf den Helkeschen Behandlungsstuhl. Die beiden Spezialisten auf ihrem jeweiligen Fachgebiet kamen ins Gespräch und forschten fortan gemeinsam. Während der eine für den rein medizinischen Part die Verantwortung übernahm, suchte der andere technologische Lösungen für die zwei Zangen und ihre punktgenaue Anwendung.
Mittlerweile funktioniert das als "Zalex" patentierte Verfahren tadellos. Seit acht Jahren wird es in der Magdeburger Praxis angewendet. Die beiden Ärzte extrahierten so schon erfolgreich an die 2000 Zähne.
Ein neues Leben
Die erwartet mitunter zudem ein neues Leben. "Manche Reparaturen lassen sich außerhalb des Mundes noch ausführen", erläutert Bernd Helke. Als natürliches Implantat wieder eingesetzt, leisten die Zähne weiter gute Dienste. Der Arzt hält solche Anwendungen der regenerativen Medizin für zukunftsfähig und mit Blick auf die Kosten der Krankenkassen für eine preiswerte Lösung. Bei zwölf Millionen Zähnen, die Jahr für Jahr in Deutschland gezogen werden, ließe sich schätzungsweise jedes zehnte Exemplar retten, schätzt Helke.
Inzwischen bildet der Magdeburger Zahnarzt Kollegen aus der ganzen Bundesrepublik aus. Seine Tageskurse vermitteln die nötigen Grundlagen für die Anwendung der beiden zusammengehörenden Zangen. An die 40 praktische Übungen an Modellen gilt es zu absolvieren, dann kann der Patient von den Fertigkeiten profitieren. Rund 50 Zahnarztpraxen arbeiten nach dieser Methode.
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