Dr. Heiko Röpcke: Zuschauer sind von deutschen Arztserien Schlimmeres gewohnt
zuletzt aktualisiert: 22.03.2007 - 16:43Es gab schon deutlich bessere Arztserien; näher an der Realität war sicherlich "Emergency Room. An vielen Stellen hatte ich Zweifel, ob dieser Fall als realistisch angesehen werden kann. Mal so eben, quasi Hals über Kopf, eine Lebertransplantation durchzuführen, um ein paar Stunden Zeit für die Diagnostik eines unklaren Krankheitsbildes zu gewinnen, dürfte auch in Amerika so sicherlich nicht durchgeführt werden.
Zudem gab es medizinische Schnitzer. Dr. House sagte: "Ein Test auf Leberzirrhose dauert zwölf Stunden, ein Test auf Hepatitis acht Stunden, die Patientin hält aber nur noch sechs Stunden durch." Eine solch genaue Festlegung, wie lange ein Patient im Leberkoma noch überleben kann, ist absurd. Zumal die Patientin in diesem Moment noch ansprechbar war, also noch gar kein Leberkoma hatte. Oder das Zitat: "Der Herzstillstand von Max wurde durch Hypoxie infolge einer Hyperventilation verursacht." Das ist medizinisch absurd. Oder das Zitat von Dr. House: "Wir müssen alle immunsupprimierenden Medikamente absetzen, um ihre Leber zu schützen." Auch das ist medizinisch absurd. Insgesamt betrachtet sind wir Fernsehzuschauer aber von deutschen Arztserien viel Schlimmeres gewohnt.
Irritierend finde ich das fast schon stakkatoartige Tempo, in dem der Zuschauer mit medizinischen Fachausdrücken (Tests, Verdachtsdiagnosen) geradezu bombardiert wird. Da ist es schon für eingeweihte (Mediziner) schwer, dem Gedankengang zu folgen. Für Laien oder "Otto-Normal-Fernsehzuschauer" dürfte alles unverständlich sein.
Spannend im Sinne der Suche nach der diagnostisch richtigen Lösung war die Sendung sicherlich. Realistisch war sie nicht. Der erstbehandelnde Arzt entscheidet nicht mal eben aus einer Laune heraus über eine Lebertransplantation. Da wird ein Patient schon zu Spezialisten in ein entsprechendes Zentrum verlegt. Den Arzt, der alles selber macht, den gibt es nicht mal in Amerika, den gibt's nur im Fernsehen.
Ob ich selber richtig gelegen hätte: Noch fünf Minuten vor Schluss hätte die Patientin alles haben können. Die Lösung, auf die es hinauslief, war in keinster Weise vorbereitet. Da konnte man höchstens raten, aber nicht drauf kommen. So wie hier war der Fall nicht mal für Medizinstudenten in der Staatsexamensprüfung geeignet, und sie werden schon viele absurde Sachen gefragt.
Interessanter war der Handlungsfaden: die lesbische Beziehung der beiden Patientinnen, die Kollegen von Dr. House mit ihrem rüden Tonfall und natürlich Dr. House selbst: Fast schon exzentrisch, ein Chefarzt, der bei jeder Gelegenheit in der Klinik schläft, und überhaupt nur zivile Kleidung trägt, ist in einem deutschen Krankenhaus kaum denkbar.
Als Fazit der Sendung muss man leider konstatieren: Der Autor hätte besser einen Krimi geschrieben als eine Arztserie, das hätte mehr Sinn ergeben.
Priv.-Doz. Dr. Heiko Röpcke ist Chefarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Elisabeth-Krankenhaus Rheydt.
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