Schutz vor der Schweinegrippe: Kein Grund zur Impfhysterie
VON LUDWIG JOVANOVIC - zuletzt aktualisiert: 20.10.2009 - 19:48Düsseldorf (RP). Die Bundesregierung erhält einen anderen Impfstoff als die breite Masse. Experten kritisieren die Sonderregelung. Die einen befürchten, dass dadurch die Bereitschaft sinkt, sich impfen zu lassen. Die anderen werfen der Regierung vor, selbst Angst vor den Nebenwirkungen zu haben.
Noch ist nicht eine einzige Impfdosis gegen den Schweinegrippe-Erreger H1N1 bei den Ärzten angekommen. Doch schon ist ein Streit entflammt. Darüber, warum die Bundesregierung einen anderen Impfstoff für sich und 200.000 Bundesbeamte bestellt hat. Einen, der ohne Zusatzstoffe auskommt und darum vermutlich kaum Nebenwirkungen hat.
Warum hat die Bundesregierung einen anderen Impfstoff bestellt?
Die Bundesverwaltung hatte bereits im vergangenen Jahr für Soldaten, die Bundespolizei und fast 70 000 Mitarbeiter der Krisenstäbe einen eigenen Vertrag mit dem US-Hersteller Baxter abgeschlossen. Der stellt aber den Impfstoff Celvapan her, der keine Wirkungsverstärker enthält. Mögliche Nebenwirkungen hätten damals keine Rolle gespielt, heißt es seitens der Bundesregierung.
Was werfen Kritiker der Regierung vor?
Der Vorstandschef der Barmer Ersatzkasse, Johannes Vöcking, glaubt, dass die "politisch total unkluge" Entscheidung die Impfmüdigkeit verstärken wird. "Ich rechne damit, dass sich dadurch noch mal fünf Prozent weniger impfen lassen", sagte Vöcking der Berliner Zeitung "Tagesspiegel". Schon jetzt möchten sich zwei Drittel nicht per Injektion schützen. Der Virologe Alexander Kekulé vom Universitätsklinikum Halle an der Saale kritisierte im NDR, der Impfstoff für die Masse habe mehr Nebenwirkungen als der für die Bundesregierung. Damit geimpfte Menschen würden möglicherweise tagelang arbeitsunfähig. Bei Politikern und bei Soldaten wolle man keine Ausfälle riskieren, behauptet Kekulé.
Ist die Kritik berechtigt?
Sowohl das Robert-Koch- als auch das Paul-Ehrlich-Institut widersprechen den Befürchtungen, dass ein Impfstoff besser sei als der andere. Wirkungsverstärker, so genannte Adjuvanzien, wie AS03 seien bereits erprobt. Zudem wurden die Vakzine an Tausenden von Probanden getestet, bevor sie von der EU-Kommission zugelassen wurden. Die Hersteller sind außerdem dazu verpflichtet, die Impfungen und ihre Nebenwirkungen weiterhin zu beobachten sowie jeden Monat zu dokumentieren.
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