Schweinegrippe in Deutschland: Mindestens 15.000 neue Fälle pro Woche
zuletzt aktualisiert: 16.11.2009 - 16:50Berlin (RPO). Die Zahl der Neuerkrankungen an Schweinegrippe hat sich in nur einer Woche fast verdoppelt. "Wir haben jetzt über 15.000 neue Fälle pro Woche, die wir gemeldet bekommen, und das sind nur die laborbestätigten Fälle", sagte Gérard Krause vom Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Registriert wurden zuletzt für die 45. Kalenderwoche (1. bis 8. November) 53.957 Infektionen. Auch die Zahl der Todesfälle steigt.
In Europa hat die Zahl der Todesfälle laut RKI um 69 auf 424 zugenommen. Weltweit gibt es bisher 6593. In Deutschland wurden bis Ende letzter Woche 16 Tote registriert. Inzwischen dürften es schon 17 sein: In Bayern starb am Samstag ein 57 Jahre alter Mann im Klinikum Hof an der Schweinegrippe. Der Leiter des Gesundheitsamtes Hof, Thomas Schörner, sagte der AP, der Mann aus dem Landkreis Hof sei wenige Tage zuvor mit starken Grippebeschwerden ins Krankenhaus gekommen. Er sei an einer Lungenentzündung gestorben. Eine Vorerkrankung sei nicht bekannt. Der Erreger H1N1 sei im Labor nachgewiesen worden.
Unterdessen geht das thüringische Gesundheitsministerium nicht davon aus, dass die Impfung gegen Schweinegrippe den Tod eines 55-jährigen Mannes verursacht hat. Das sagte der Abteilungsleiter Gesundheit, Heinz Fracke, der AP. Der 55-jährige Mann aus Leinefelde im Eichsfeldkreis war am Donnerstag um 16.30 Uhr geimpft worden, war danach beim Bowling und bekam am späten Abend massive Probleme, so dass der Notarzt gerufen wurde. Die Hilfe kam jedoch zu spät.
Saisonale Grippe kommt noch
Der Anstieg der Schweinegrippe-Erkrankungen hatte in der 44. Kalenderwoche noch bei 8.532 gelegen. In der 45. Woche kamen 14.890 hinzu. Die Sprecherin des RKI, Susanne Glasmacher, sagte der AP, die Zahl der Infizierten sei in Wirklichkeit höher: "Es gehen nicht alle zum Arzt, und nicht jede Infektion wird dem Gesundheitsamt gemeldet." Seit Samstag müssen Ärzte keine Verdachtsfälle mehr melden.
Die Bundesgesundheitsbehörde rechnet nicht damit, dass die Impfungen die Ausbreitung der Schweinegrippe in nennenswertem Umfang verhindern können. "Wir impfen, um Gefährdete zu schützen", sagte Glasmacher. Chronisch Kranken wird empfohlen sich auch gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen. Der Höhepunkt der Infektionen wird erst im Dezember und Januar erwartet.
Ungeachtet der beschleunigten Ausbreitung gelten nach den Worten Krauses weiterhin die bisherigen Empfehlungen der ständigen Impfkommission. Demnach sollen vorrangig medizinisches Personal, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen immunisiert werden. "Es sollten sich nur Leute impfen lassen, die zur Zielgruppe gehören", sagte Krause. Sie seien am meisten gefährdet und gefährdeten damit auch andere.
Eine 24 Jahre alte Kölnerin ist an den Folgen der Schweinegrippe gestorben. Dies ergab die Obduktion der Toten, wie das Gesundheitsamt am Montag mitteilte. Die Kölnerin starb bereits am Mittwoch vergangener Woche zu Hause. Sie war in der Woche zuvor an typischen Grippesymptomen erkrankt, unter ambulanter ärztlicher Therapie aber schnell beschwerdefrei. Ein nach dem Tod vorgenommener medizinischer Test bestätigte zwar das Vorliegen von Schweinegrippe-Erregern, aber der Verlauf der Erkrankung war anscheinend mild.
Die rechtsmedizinische Untersuchung ergab nun, dass der Tod der jungen Frau infolge einer Herzmuskelentzündung durch Schweinegrippeviren eingetreten war. Die Patientin litt an einer Vorerkrankung, sie war zuckerkrank. Diabetes gilt im Zusammenhang mit der Neuen Grippe als Risikofaktor. Erkrankungen können hier schwerere Verläufe annehmen und mit Komplikationen einhergehen.
In Köln wurden bislang rund 2500 Fälle von Schweinegrippe registriert. Die tatsächliche Zahl der Fälle liegt vermutlich höher, weil das Gesundheitsamt von einer Dunkelziffer ausgeht.
Alles zur Schweinegrippe finden Sie auf unserer Übersichtsseite.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




