Düsseldorf (RP). Operationssaal der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf-Kaiserswerth. Donnerstag, 9.36 Uhr: Mit professioneller Präzision führt Prof. Jutta Liebau das Skalpell durch die weit geöffnete Brust von Laura Heidkamp (Name geändert). Die 22-Jährige ist narkotisiert und merkt davon nichts.
Eine Brustverkleinerung wird vor allem dann vorgenommen, wenn es aufgrund der großen Oberweite zu chronischen Rückenschmerzen kommt. Foto: AP
"Jeder Schnitt muss exakt sitzen, damit es später keine Kanten gibt", erklärt die Chirurgin. "Die Form der Brust muss schließlich stimmen." Ein ums andere Mal schneidet Liebau ein kleines Stück Brustgewebe heraus, reicht es ihren Helfern, die es in eine Schale legen. Die rechte Brust der Patientin schwindet, bis sie nur noch halb so groß ist wie zuvor.
Für Laura Heidkamp stand die Entscheidung für den Eingriff schon lange fest: "Seit viereinhalb Jahren habe ich Rückenschmerzen", berichtet die 22-Jährige im Vorgespräch. Rückenschule, Krankengymnastik, ambulante Reha, Akupunktur nichts davon hat ihr geholfen. Auch die Ärzte waren überzeugt: Die übergroße Brust der jungen Frau war die Ursache für Fehlhaltungen, Verkrampfung und schließlich für den Schmerz im Rücken. Ein Gutachten des medizinischen Dienstes kam zu demselben Schluss. "Harte Kriterien für eine solche Entscheidung gibt es allerdings nicht", erklärt Jutta Liebau. Die Krankenkasse übernimmt nun die Kosten in Höhe von rund 3.000 bis 4.000 Euro.
Ein neues Körpergefühl
Operationssaal, 9.59 Uhr: Die Chefärztin weiß sehr genau, wo sie schneidet und wie viel weg muss. "Das ist eine Frage der Planung", sagt sie. Zuvor exakt auf die Haut gezeichnete Linien weisen ihr und dem fünfköpfigen Team aus Ärzten und Schwestern den Weg. "Hinzu kommen natürlich auch das Gefühl und die Erfahrung", sagt die Chirurgin, die mit ihrem Team ein breites Spektrum plastischer Eingriffe wie etwa brust- und körperformende Chirurgie, Gesichts-, Tumor- und Wundchirurgie abdeckt. Durch einen etwa zwölf Zentimeter langen horizontalen Schnitt entlang der Brustfalte und einen weiteren vertikalen, der ab der Brustwarze sechs Zentimeter nach unten reicht, hatten die Operateure das Brustgewebe freigelegt, das sie nun entnehmen. Dann wird die Brust geklammert und mit präzisen Stichen vernäht. "Dabei verwenden wir spezielle Naht-Techniken", sagt Liebau. "Die Haut wird zudem so präpariert, dass Narben später kaum noch zu sehen sind."
Die Narbenbildung ist nur eines der Risiken, über die Laura Heidkamp in Vorgesprächen aufgeklärt wurde: Blutungen, Infektionen, Gefühlsstörungen und ein möglicher Verlust der Stillfähigkeit sind die häufigsten. Gleichwohl: "Das Risiko einer Komplikation liegt bei etwa zwei Prozent", sagt Liebau. Und: "Dass Korrekturen notwendig sind, weil Patientinnen mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, kommt höchst selten vor." 10.40 Uhr: Ein Eisenring auf der zugenähten Brust markiert den neuen Sitz der Brustwarze, die ausgeschnitten, verkleinert und wieder eingenäht wird.
Für Laura Heidkamp sind natürlich auch solche ästhetischen Korrekturen wichtig. Schließlich hat ihre große Brust die junge Frau nicht nur bei sportlichen Aktivitäten wie Laufen, Reiten und Schwimmen behindert. Sie bestimmte auch ihren Kleidungsstil und nicht zuletzt das Zwischenmenschliche, gerade im Umgang mit Männern: "Es schaut dir niemand mehr ins Gesicht und du fühlst dich stark reduziert", beschreibt sie ihre Erfahrung. 12.45 Uhr: Laura Heidkamp verlässt den OP. Nach kurzer Zeit wird sie aufwachen, nach etwa drei Tagen die Klinik verlassen, in zehn Tagen wieder arbeiten gehen.