Anzeichen der Krankheit beachten: So kann man dem Burn-out vorbeugen
VON LAURA YASMIN BUCHACKER - zuletzt aktualisiert: 18.04.2011 - 13:45Düsseldorf (RPO). Über Burn-out wird viel berichtet. Die Problematik und Symptome sind inzwischen bekannt - die Gegenmaßnahmen noch nicht ausreichend. Auf eine Therapie muss man im Schnitt fast ein halbes Jahr warten. Den Betroffenen hilft das wenig. Was kann man also tun, um aus eigener Kraft einem Burn-out vorzubeugen?
Wer gefährdet ist, erkennt das oft zu spät: Typischen Burn-out-Kandidaten fällt es schwer, rechtzeitig die Warnungen ihres Körpers zu erkennen und ernst zu nehmen. Es behagt ihnen nicht, Schwächen zu zeigen und Hilfe anzunehmen. Viele glauben, alles alleine bewältigen zu müssen.
Leistungsgrenzen erkennen
Es gibt eine Grundregel, mit der man beginnen muss: Ehrlich sein, vor allem zu sich selbst. Es nützt nichts es soweit kommen zu lassen, bis man gar nichts mehr leisten kann, sagt Diplompsychologin Kerstin Wolff aus Recklingshausen. Burn-out-Betroffene können ihre eigenen Leistungsgrenzen oft nicht sehen. Sie werden von dem Gefühl bestimmt, alles selbst erledigen zu müssen und keine Zeit für Erholung zu haben. Sie glauben an die Unabdingbarkeit ihrer Lebenssituation, an den Zwang und Druck, dem sie sich ausgesetzt fühlen.
Kerstin Wolff hat sich auf Burn-out spezialisiert. Sie erklärt das Dilemma in dem sich die Betroffenen befinden: "Auf der einen Seite dominiert das Gefühl, jede Aufgabe in der Hand halten zu müssen, auf der anderen Seite fühlen sie sich ihren Lebensumständen ausgeliefert und fremdbestimmt."
Der erste Schritt zur Besserung ist also die Selbsterkenntnis: Akzeptieren, dass man nicht alles leisten kann und sich eingestehen, dass man nicht Opfer der Umstände ist. Jeder kann in vielen Bereichen den eigenen Lebenswandel bestimmen und ändern. Als Burn-out-Betroffener kann man viel für sich tun, wenn man es schafft seine Denkstrukturen zu verändern, erklärt Kerstin Wolff.
Wie Burn-out-Gefährdete denken
Das häufigste Problem Gefährdeter ist die Überbelastung am Arbeitsplatz. Für Menschen mit einer Neigung zum Burn-out-Syndrom ist es wichtig, dass sie lernen, Arbeit zu delegieren. Auch wenn sie selbst die Arbeit tatsächlich am Besten erledigen würden, müssen sie ihr Leistungsniveau heruntersetzen. Das Wort "Nein" findet in ihrem Wortschatz zu wenig Beachtung, warnen Experten.
Ein Gespräch mit dem Vorgesetzten kann helfen. Vielleicht erwartet er weniger von einem, als man es selbst glaubt. Burn-out-Kandidaten zeigen sich gerne stark, dynamisch und leistungsorientiert. Außenstehenden fällt es daher schwer, ihre Überlastung zu erkennen. Menschen mit dieser Gefährdung werden von einem hohen Perfektionsanspruch motiviert. Die Schwierigkeit, sich Schwächen zu erlauben und sich Fehler nachzusehen, wirkt sich auf alle ihre Lebensbereiche aus.
Regeln helfen
Regeln festzulegen und abzusprechen kann helfen. Das direkte Umfeld sollte in diesem Prozess mit einbezogen werden. Möglich ist es zum Beispiel einen Entspannungsplan zu machen, in dem jeder Beteiligte unterstützende Maßnahmen zugewiesen bekommt. Man kann auch Zettel aufhängen, die daran erinnern, dass man sich einmal pro Tag für fünfzehn Minuten zurückzieht und nichts tut.
Kerstin Wolff empfiehlt die so genannte 75-Prozent-Regel als Hilfestellung: Nur 75 Prozent des Tages sollten verplant werden, damit es auch bei unvorhersehbaren Entwicklungen genug Raum für Erholung geben kann. Solche Maßnahmen sind vorbeugend zu sehen, sagt sie. Ist es bereits zum Zustand des Burn-outs gekommen, ist eine professionelle Behandlung unabdingbar.
Wichtig ist, dass der Gefährdete lernt, Nehmen zu können. Das Ziel ist, ihn darin zu bestärken, Kontrolle abzugeben. Es geht nicht darum, ihn komplett zu entlasten. Betroffenen müssen lernen, sich selber Raum zu nehmen und ihr Kontrollbedürfnis in positive Selbststeuerung zu verwandeln.
Die Gefahren bei der Selbsthilfe
Mögliche Maßnahmen ein Burn-out zu vermeiden, sind an sich fast schon profan. Für Menschen, die von der Krankheit bedroht sind, können sie sich aber wie leere Binsenweisheiten anhören. Diese Menschen können sich selber Fallen stellen, indem sie es schaffen, noch aus den Gegenmaßnahmen einen Leistungskampf zu machen. Im schlimmsten Fall geht es ihnen bald so schlecht, dass sie sich schon durch einfachste Tätigkeiten, wie lesen oder sich ankleiden müssen, überfordert fühlen.
Der Gefährdete kann versuchen sein Bewusstsein und das seines Umfeldes zu schärfen um typische Verhaltensmuster zu durchbrechen. Es ist nötig, dass alle Beteiligten verstehen wie schwer es dem Erkrankten fällt, sich selber Ruhe zu geben. Was für andere eine Selbstverständlichkeit ist, ist für Menschen mit dieser Symptomatik ein unüberwindbares Hindernis. In dieser Hinsicht sind die sonst so Leistungsstarken gewissermaßen wie Kinder. Sie wissen einfach nicht, wie man nein sagt und sich entspannt.
Zeit nehmen für Veränderungen
Menschen, die gefährdet sind an Burn-out zu erkranken, müssen langsam lernen, Selbsterfolge wieder anzuerkennen. Zeit ist ihr Hauptproblem. Sie brauchen Zeit - auch dafür, sich daran zu gewöhnen, dass sie Raum für sich haben dürfen. Ein bewusster Umgang mit diesem Umstand wird allmählich Erleichterung bringen.
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