Zahnarzt-Phobie: Ohne Angst in die Praxis
VON NATASCHA PLANKERMANN - zuletzt aktualisiert: 24.10.2006 - 08:00Düsseldorf (RP). Das Sirren des Bohrers, das Röcheln des Speichelsaugers – keiner hört diese Geräusche wirklich gern. Doch manch einen packt die Angst vor dem Zahnarzt so sehr, dass er sich erst in die Praxis traut, wenn die Zähne schon verfault sind. Und dann ist es meist viel zu spät, um das Gebiss noch retten zu können. Doch die Phobie vorm Zahnarzt ist nicht unüberwindbar.
Diana Svoboda, ärztliche Leiterin der Essener diPura-Fachklinik für Zahnheilkunde hat sich darauf spezialisiert, Menschen mit Zahnarztphobie zu behandeln. Sie weiß, wie sehr sich diese Patienten schämen, wenn sie den Mund öffnen sollen, und kennt die Gründe: "Wir Zahnärzte verletzen den Intimbereich des Mundes und arbeiten 20 Zentimeter vor dem Gesicht – das ist viel näher, als man jemandem bei einem normalen Gespräch kommt."
Diana Svobodas Credo für solche Fälle: Erst einmal ausführlich mit den Patienten sprechen und Vertrauen gewinnen. Dann stellen sich schnell weitere Ursachen für die Angst heraus, die nicht nur mit schlechten Erlebnissen in Praxen zu tun haben. "Mancher will die Spritze nicht sehen, obwohl er sie gegen den Schmerz gerne hätte; andere fürchten, irgendetwas zu verschlucken." Svobodas Erfahrung: Wenn sie auf diese Befürchtungen eingeht und versichert, vorsichtig zu arbeiten, sind die Betroffenen entspannter im Behandlungsstuhl.
"Bei aufgeregten Patienten ist der Adrenalinspiegel so hoch, dass der Körper die Muskeln anspannt und sich auf kämpfen oder fliehen einrichtet." Um dies zu vermeiden, führt Diana Svoboda Gespräche bei leiser Musik in einem Extraraum, wobei sie statt Kittel normale Kleider trägt. Ganz Nervöse können sich außerdem bei einem Bad in einer großen Muschel beruhigen – das darin enthaltene, salzhaltige Wasser trägt den Körper wie das tote Meer.
Hier ein paar Tipps von Diana Svoboda für Angstpatienten:
Machen Sie sich klar, dass sich zahnärztliche Probleme nie von alleine lösen – sie werden nur schlimmer.
Wenn Sie sich schämen, Bekannte zu fragen, um einen Zahnarzt zu finden, dem Sie vertrauen, sollten Sie sich vorher auf der Homepage im Internet informieren: Gefällt Ihnen das Ambiente der Praxis und die Sprache auf der Seite? Eine solche Recherche baut Hemmschwellen ab.
Für kurze Behandlungen kann man sich in einen Dämmerschlaf versetzen lassen – ist fast jeder Zahn kariös, empfiehlt sich eine Vollnarkose.
Kaum spürbar ist die Betäubung heute mit einer modernen Spritze ("The Wand"), bei der das Anästhetikum über eine extrem dünne Nadel langsam fließt.
Wer Angst vor der Spritze hat, kann Karies heute schmerzfrei mit einem Laser entfernen lassen. Der Laser kann auch das Zungen- oder Lippenbändchen ohne Betäubung durchschneiden.
Sobald ein Loch im Zahn ist, ist es auch möglich, die kariöse Stelle mit einem Gemisch aus Luft und Sandpartikeln zu bestrahlen und nach und nach abzutragen.
Sollten Sie mit massiven Problemen nach langen Jahren zum ersten Mal in eine Zahnarztpraxis kommen, müssen Sie mit einem Behandlungszeitraum über zwei bis drei Jahre rechnen – insofern lohnt es sich, vorzubeugen und zwei Mal pro Jahr zur Kontrolle zu gehen.
Mehr Informationen zum Thema "Schöne Zähne" finden Sie bei uns ab 16 Uhr.
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