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About a Boy: Atombomben der Heiterkeit

VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 25.04.2008 - 00:01

Uedem (RPO). Für einige Menschen ist Humor vor allem etwas, was man nicht darf. Diese Menschen sind Mitglied in den schlimmsten StudiVz-Gruppen und dürfen auf keinen Fall leitende Ämter in diesem Staat übernehmen.

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Sebastian wartet auf Post unter Sebastiand@rp-online.de.

Das Feld des Humors ist ein Fußballplatz, auf dem jeder Grashalm mit dem Auslöser einer Atombombe verbunden ist. Ich lasse mich per Hubschrauber am Anstoßkreis abseilen und gehe aufreizend lässig zu einer der vier Eckfahnen.

In der Datensammelstelle StudiVz kann der Benutzer sich Gruppen anschließen, zum Beispiel „Arminia Bielefeld steigt nicht ab“, „Madonna, ich liebe dich“ und „Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg.“ Humor kommt erst jetzt ins Spiel. Ich bin Mitglied in der Gruppe „Keine Gewalt vor der Ehe“. Eine Freundin lud mich in diese Gruppe ein. Sie ist verheiratet. Ich trat der Gruppe bei, ich war ein Fan von Humor. Ich beging einen Fehler.

Wenig später meldete sich eine flüchtige Bekannte bei mir. Sie sagte, wie könne ich es wagen, Mitglied in dieser Gruppe zu sein. „Ist das strafbar?“ fragte ich. „Nein, aber du kommst doch aus einer Bilderbuchfamilie und bist von häuslicher Gewalt nicht betroffen.“ Ich dachte: „Wenn diese Frau in diesem Land über den Humor bestimmt, wandere ich aus - nach Simbabwe oder nach Birma.“

Machen wir uns nichts vor: Ich hätte nichts mehr zu lachen, denn in einer Bilderbuchfamilie wird ja ausschließlich gemeinsam zu Mittag gegessen und eine Radtour ins Grüne unternommen. Die Zahl an Witzen über Mittagessen und Radtouren ins Grüne ist aber recht übersichtlich. Muss ich nun bei allen anderen Witzen sagen: „Nein, danke, aber hier gebietet mir die fehlende Betroffenheit, nicht zu lachen. Doch später, wenn die Witze über Radtouren ins Grüne kommen, lache ich gerne mit wie ein Berserker.“

Der einzige Kabarettist, der das finanziell überleben würde, wäre Mario Barth. Mario Barth macht ausschließlich Witze über Männer und Frauen, davon ist jeder betroffen. Doch ganze Genres wären dem Untergang geweiht. Nehmen wir mal Witze über den 11. September. Es gibt genug von ihnen. Wer die in sein Programm einbaut, hat plötzlich einen sehr kleinen Markt. Er müsste seine Gäste - Überlebende und Angehörige von Verstorbenen - einfliegen lassen, beziehungsweise er könnte nur noch in New York auftreten.

Wie blöd wäre das erst für die Besucher? Da versuchen die, ihr Trauma zu überwinden, und dann macht sich einer zwei Stunden lang über den schlimmsten Tag ihres Lebens lustig. Dagegen sind für sie Witze über Radtouren ins Grüne Tabu, denn dazu haben sie sich in den zurückliegenden Jahren nicht aufraffen können. Oder nehmen wir Witze über den Tod von Lady Di. Auch die gibt es massenhaft. Wenn es nach meiner flüchtigen Bekannten ginge, dürfte der Kabarettist nur an einem Ort der Welt auftreten: im Buckingham Palace. Nach dem dritten Tag schläft die Royal Family auf den Stühlen ein. Fragt Prinz Harry: „Sag mal, Kollege, hast du noch einen dritten Witz über meine Mutter. Die anderen beiden hast du jetzt schon achtmal erzählt.“

Die Sache mit dem Humor ist doch die: Es geht nicht darum, dass nur die Betroffenen darüber lachen, sondern dass auch sie darüber lachen, wenn sie wollen. Ich habe aber trotzdem mit meiner Freundin gesprochen: Sie ist bereit, nach der Eheschließung regelmäßig mit dem Nudelholz auf mich loszugehen.

Meine flüchtige Bekannte ist in der Gruppe „Ich bin Luxus und Luxus kann nicht jeder haben!!!“

Sebastian Dalkowski veröffentlicht jeden Freitag die Kolumne „About a Boy“. Seine bessere Gesichtshälfte hat Andreas Krebs fotografiert


 
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