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About a Boy
Auf der Couch mit John und Barack

About a Boy: Auf der Couch mit John und Barack
"Komm, lass uns einfach nach Hause gehen und Tischtennis spielen." FOTO: AFP
Washington (RPO). Unser Kolumnist trifft John McCain und Barack Obama auf seiner Couch. Beide haben nur ein Ziel: nicht Präsident zu werden. Von Sebastian Dalkowski

Ich weiß auch nicht, wie ich das immer mache, aber vor einer Woche standen Barack Obama und John McCain vor meiner Haustür. Es war kein Traum. Ich sagte: "Kommt rein, Jungs. Ich habe Kamillentee gemacht."
Zu dritt quetschten wir uns auf die Couch.

"Was kann ich für euch tun?"
"Na ja", begann John, "ich möchte nicht Präsident der Vereinigten Staaten werden. Ich möchte meine letzten Jahre in Ruhe verbringen."
"Und du, Barack?"
"Ich möchte auch nicht. Ich wollte einfach nur sehen, wie weit man mit gutem Aussehen in diesem Land kommt."
"Ich dachte, das war Sarah Palins Plan."
"Falsch", sagte John, "sie wollte sehen, wie weit man mit völliger Unfähigkeit kommt."

Ich fragte die beiden, wie ich ihnen helfen könne.
"Es ist so", sagte Barack, "ihr Europäer wisst ja immer am besten, welcher Präsident der richtige für die USA ist. Deshalb musst du uns sagen, welchen Kandidaten du von den anderen Parteien am besten findest. Den machen wir zum Präsidenten."
"Aber das ist gegen die Verfassung", sagte ich.
"Die Verfassung, die Verfassung", sagte John. Sie seien acht Jahre lang ganz gut ohne die Verfassung ausgekommen. Da müssten sie jetzt nicht wieder damit anfangen. Ich willigte ein und begann zu recherchieren.

Es gibt tatsächlich noch weitere Kandidaten, die sich um das Amt des Präsidenten bewerben. Ich glaube aber, dass sie alle nicht gut aussehen und deshalb nicht oft im Fernsehen zu sehen sind. Der bekannteste ist Ralph Nader. Bekannt ist er vor allem deshalb, weil er 2000 für die Green Party antrat und Al Gore die paar Stimmen wegnahm, die er für einen Sieg gegen die manipulierten Wahlmaschinen gebraucht hätte. Er ist also so was wie der Peter Sodann der USA, nur nicht für die SPD, sondern für die Demokraten. Peter Sodann tritt für die Linkspartei an. Ralph Nader ist also nicht akzeptabel.

Bob Barr ist der Kandidat der Libertarian Party, so eine Art amerikanische FDP. Er hat damals das Amtenthebungsverfahren gegen Bill Clinton mit angeführt. Diesen prüden Burschen will ich nicht im Weißen Haus haben.

Das Telefon unterbrach mich.
"Hallo, hier ist Joe Biden, ich habe gehört…"
"Joe wer?"
"Joe Biden, der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten."
"Waren Sie das, der 150000 Dollar für neue Kleidung ausgegeben hat?"
"Nein."
"Sind Sie Gouverneur von Alaska?"
"Auch nicht."
"Ist Ihre Tochter mit 17 Jahren schwanger geworden?"
"Nein."
Ich sagte ihm, dass ich noch nie von ihm gehört habe, und legte auf.

Ich setzte meine Recherche fort. Die Green Party schickt Cynthia McKinney ins Rennen. Die ist schwarz und eine Frau. Beides auf einmal ist dann doch etwas zuviel für die USA. Außerdem trägt sie die hässlichsten Blusen der Welt. Dann gibt es noch drei sozialistische Parteien, die irgendwelche treuen Marxisten ins Rennen schicken. Aber in Barack hat der Sozialismus doch bereits den besten Fürsprecher. Das alles warf mich nicht gerade um.

Wieder klingelte das Telefon. Sarah Palin war dran. Sie habe gehört, der Alte wolle nicht antreten, da könne sie das ja übernehmen.
"Sarah", sagte ich, "weißt du noch, als wir in eine Klasse gingen und du die Wahl zum Klassensprecher gewonnen hast?"
"Klar, war das ein Triumph."
"Du hast gewonnen, weil du im Badeanzug angetreten bist."
"Jeder macht das, was er am besten kann."
"Und weißt du noch, wie du mich verlassen hast, als du den dritten Platz bei der Wahl zur Miss Alaska belegt hast?"
"Mein Gott, bist du nachtragend."
"Es tut mir leid, Sarah. Ich will nicht, dass du Präsidentin wirst. Ist sonst noch was?"
"Ja. Die Frau in dem Porno über mich ist kein Double."

Nach drei Tagen bestellte ich John und Barack zu mir.
"Jungs, ich habe eine Entscheidung getroffen."
Die beiden sahen mich gespannt an.
"Es ist das Beste für alle, wenn George Bush in seine dritte Amtszeit geht."
Nun sahen die beiden mich entsetzt an.
"Lasst es mich erklären."

Ich sagte ihnen: Für die Demokraten ist es das Beste, weil sie dann weiter eine Ausrede hätten, politisch so wenig verändern zu können. Für die europäischen Regierungen ist es das Beste, weil ihre Politik gegenüber der Politik des amerikanischen Präsidenten geradezu weise und menschlich wirke. Für die Terroristen ist es das Beste, weil nur George Bushs Politik ihren Organisationen weiter Zulauf beschert. Für die Bürgerrechtler ist es das Beste, weil sie sonst nichts mehr zu tun haben. Für die amerikanischen Rockmusiker ist es das Beste, weil sie sonst nicht mehr wissen, wogegen sie singen sollen

"Die ganze Welt lebt davon, dass George Bush Präsident ist. Das ist wie ein Messer im Oberschenkel, das man nicht rausziehen darf, weil man sonst verblutet."
John und Barack zogen sich zurück und berieten. Nach zehn Minuten kehrten sie zurück. "Wir haben uns entschieden."

Dann wachte ich auf.

Sebastian Dalkowski veröffentlicht jeden Freitag die Kolumne "About a Boy". Seine bessere Gesichtshälfte hat Andreas Krebs fotografiert.

 
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