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About a Boy: Das neue Getränk der Aufrechten

VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 17.02.2012 - 10:16

Düsseldorf (RPO). Die Zeiten, in denen Bionade hip und politisch korrekt war, sind vorbei. Kürzlich verkaufte der Erfinder seine letzten Anteile an Dr. Oetker. Unser Kolumnist hat einen Nachfolger gefunden: Club-Mate. Porträt eines Underdogs.

Das wird eine lange Nacht. Foto: Club-Mate
Das wird eine lange Nacht. Foto: Club-Mate

Wir weinen, wenn wir zurückdenken. Bionade war das Getränk, das wir zu uns nahmen, wenn wir uns politisch korrekt und hip fühlen wollten. Es war ein Beweis dafür, dass die Welt auch anders sein konnte. Doch dann kamen die Zeitungsartikel. Dann kam der Erfolg. Dann tranken alle Bionade. Unsere Oma. Unser Hund. Unser Nachbar von der FDP. Von der FDP! Wir mussten Bionade nicht mehr in kleinen Bioläden suchen, sondern stolperten in jedem Supermarkt drüber. Bionade fing an, sich zu verkaufen. Sie kooperierte mit der Deutschen Bahn. Sie kooperierte mit McDonald's. McDonald's verköperte so ungefähr das Gegenteil von dem, was Bionade verkörperte. Wir mussten erkennen, dass das Unternehmen nur so getan hatte, als sei es nicht wie die anderen. Nun hat die Gründerfamilie ihre letzten Anteile verkauft. An Radeberger, eine Tochter von Dr. Oetker. Bionade schmeckt ab sofort bitter für uns.

Wir brauchen einen Ersatz. Wir brauchen etwas, an das wir uns auf Partys festhalten können. Sonst ist da eine Leerstelle in unserem Leben, die uns Kummer macht.

Ach, sieh an, Club-Mate. Was ist denn das?

Hoher Koffeingehalt

Club-Mate (gesprochen: Klub-Mate) ist ein kohlensäurehaltiger Eistee, der einen doppelt so hohen Koffeingehalt hat wie Coca-Cola und dessen wichtigster Inhaltsstoff ein Extrakt des südamerikanischen Yerba-Strauches ist. Es gibt ihn in einer 0,33-Liter-Bierflasche mit einem blauen Kronkorken, doch angesagter ist die 0,5er-Flasche mit blauem Schraubverschluss. In beiden Fällen ist auf dem Etikett ein südamerikanischer Indianer zu sehen, der ein Glas mit Club-Mate in der Hand hält. Die Farbe des Getränks erinnert an... nun ja... es ist eine goldgelbe, leicht durchsichtige Flüssigkeit. Produziert wird Club-Mate seit 1924, anfangs noch unter dem Namen Sekt-Bronte. 1994 kaufte die Brauerei Loscher, ein mittelständisches Familienunternehmen, aus dem fränkischen Münchsteinach das Rezept, weil der vorherige Besitzer seine Produktion aus Altersgründen einstellte.

Die Bekanntheit wuchs nur sehr langsam, weil Loscher keine großen Werbekampagnen unternahm. Über einen Berliner Barkeeper, der jeden Cocktail mit Club-Mate mischte, soll es in die Hauptstadt gekommen sein. Auf jeden Fall wurde es dort zum Szene-Getränk und ist besonders bei Hackern beliebt. Andreas Baum, Fraktionsvorsitzender der Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus, nannte Mate das Kultgetränk der Piraten. Dank ihres Einsatzes ist es nun auch in der Kantine des Abgeordnetenhauses erhältlich.

Club-Mate wird unser Getränk. Weil es außerhalb von Berlin nur bei ausgewählten Getränkehändlern erhältlich ist. Weil ein mittelständisches Unternehmen es produziert, das keine Expansionspläne hat. Weil die Flasche so schön altmodisch ist. Weil das Manager-Magazin noch nicht darüber geschrieben hat. Club-Mate wird uns nie enttäuschen. Wir sind Club-Mate. Dass es nicht bio ist, können wir verkraften. Bio geht uns ohnehin auf die Nerven.

Der Geschmack ist so na ja

Es gibt nur ein Problem. Wir haben versucht, es zu ignorieren, aber wir werden mit jedem Schluck daran erinnert. Es ist der Geschmack. Club-Mate hat einen... nun ja... sehr selektierenden Geschmack. Nicht so wie Bionade oder Coca Cola, an denen grundsätzlich niemand geschmacklich etwas auszusetzen hat. Club-Mate hingegen schmeckt möglicherweise wie Wasser, in dem drei Tage lang Tabak aufgeweicht worden ist. Nicht süß, nicht bitter, nicht sauer... einfach nicht nach Eistee oder Limonade. Mit der Zeit soll es angeblich besser werden.

Wir werden trinken, wir werden hoffen. Wir werden uns verlieben, weil wir uns verlieben wollen.

Quelle: seeg

 
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