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About a Boy: Hört doch mal alle auf zu schreiben

VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 20.08.2010 - 00:31

Düsseldorf (RPO). Unser Kolumnist kauft viel zu viele Bücher. Dann sieht er einen Film mit Will Smith und fordert etwas Unmögliches von den Künstlern.

Schluss jetzt, Herr Goldt!  Foto: www.tomprodukt.de
Schluss jetzt, Herr Goldt! Foto: www.tomprodukt.de

Ich wünsche mir eine Welt, in der es nur noch Vampire und mich gibt.

Auf dem Weg in ein Fachgeschäft für Pornografie geriet ich in eine Buchhandlung. Es ist mir unangenehm, das zu sagen, aber ich kaufte mehrere Bücher.

1. Mona von Alexander Gorkow, weil er der Chef der Wochenendbeilage in der Süddeutschen ist und ununterbrochen herausragende Interviews führt.
2. Maj Sjöwall, Per Wahlöö, Die Tote im Götakanal, weil ich mal gucken wollte, wer erfunden hat, dass alle Kommissare gebrochene Säufer sein müssen.
3. Martin Suter, Ein perfekter Freund, weil sich Suter so weglesen lässt, ohne dass es einem banal vorkommt.
4. Ferdinand von Schirach, Verbrechen, weil ich auf Arte eine Sendung sah, in der er sehr sympathisch mit Michael Haneke durch Venedig irrte, obwohl er die Stadt hasste.
5. Max Goldt, QQ, weil ich ja irgendwo abschreiben muss.

Mit diesem Kauf habe ich gegen mein Vorhaben verstoßen, erst wieder ein neues Buch anzuschaffen, wenn ich alle anderen zu Ende gelesen habe. Neben meinem Bett liegt noch ein Essayband von David Foster Wallace, angefangene Kurzgeschichtenschinken von Fitzgerald, Yates und Tschechow. Und im Regal steht gleich eine ganze Reihe von Büchern, aber die zähle ich nicht mit, weil es Mängelexemplare sind. Ich habe sie vor fünf Jahren gekauft, damals studierte ich noch. Ich kenne keinen der Autoren. Nun also kommen fünf weitere Bücher dazu. Ewig werden sie dort liegen, der Staub wird sich auf ihnen sammeln wie Schnee in St. Moritz. Was habe ich bloß getan? Mit meinen CDs ist es dasselbe Problem.

Das erinnert mich daran, dass ich mir kürzlich den Film „I’m Legend“ mit Will Smith angesehen habe. Will Smith spielt dort einen Militärwissenschaftler, der sich für den letzten Menschen auf der Erde hält. Die anderen sind entweder tot oder haben sich durch einen Virus in böse Vampire mit Superkräften verwandelt. Sie kommen nur nachts raus und machen Jagd auf Fleisch.

Es ist so, dass in dieser Welt weder neue Bücher geschrieben werden, noch neue CDs aufgenommen werden. Die Infizierten sind viel zu sehr damit beschäftigt, brutal zu sein, und Will Smith damit, zu überleben. Und selbst, wenn er die Zeit hätte – wer sollte seine Bücher lesen oder seine Musik hören?

Ich beneide ihn sehr. Er kann in aller Ruhe CDs aus dem Laden mitnehmen und Bücher und muss keine Angst haben, wieder irgendeine Neuerscheinung zu verpassen. Ich weiß, viele werden mich für diese Idee hassen, weil sie auf den neuen Kehlmann warten oder die Neue von Coldplay, aber warum hören nicht alle Künstler dieser Welt auf, Kunst zu produzieren? Zumindest für die nächsten fünf Jahre. Dann könnten wir alle unsere CDs, Bücher und DVD-Stapel abbauen, um uns danach ohne diesen schweren Rucksack auf die Neuerscheinungen zu stürzen.

Ich mache auch den Anfang. Aber nur ein bisschen.

Sebastian Dalkowski veröffentlicht jeden Freitag die Kolumne „About a Boy“. Seine bessere Gesichtshälfte hat Andreas Krebs fotografiert. About a Boy macht jetzt erstmal Pause. Ab Oktober geht es weiter. Ob sich About a Boy dann in etwas anderes verwandelt hat, weiß er noch nicht. Bis dahin gibt es ein Best Of der bisherigen Folgen.


 
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