About a Boy: Ich integrier mich mit
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 30.01.2009 - 00:01Düsseldorf (RPO). Unser Kolumnist ärgert sich darüber, dass sein Dönermann den Ruhetag eingeführt hat. Außerdem gesteht er, mit wem er in einem Bett schlafen möchte.
Der Türke ist dumm, kriminell und arbeitslos. Sagt eine Studie. Sinngemäß. Nun sagen alle: „Das darf nicht sein, der Türke muss in die deutsche Gesellschaft integriert werden.“ Ich sage: „Moment Freunde, hört auf mit dem Unsinn. Der Türke darf nicht integriert werden. Jedenfalls nicht in die deutsche Gesellschaft.“
Am Dienstag wollte ich wie gewohnt die Mittagspause beim Dönermann verbringen. An der Tür hing ein Schild: Dienstag Ruhetag. Das ärgerte mich. Dann fand ich einen Schuldigen: die Integration. Der Türke hatte sich so gut in die deutsche Gesellschaft integriert, dass er sogar einen Ruhetag einführte.
Bevor die deutsche Gesellschaft vom Türken verlangt, dass er sich integriert, muss die deutsche Gesellschaft überlegen, wohin sich der Türke integrieren soll: in die deutsche Gesellschaft, wie sie ist, oder in die deutsche Gesellschaft, wie die deutsche Gesellschaft sie gerne hätte.
Entweder also in eine Gesellschaft, in der alle meckern, saufen und einer verurteilten Totschlägerin im australischen Busch beim Fossil-Dasein zugucken. Oder in eine Gesellschaft, in der es keinen Ruhetag gibt, alle pünktlich sind und zufrieden. Integration bedeutet momentan für den Türken: Er kommt vom Regen in die Traufe.
Ich habe mir etwas überlegt: Der Türke muss in die japanische Gesellschaft integriert werden, die japanische Gesellschaft in Deutschland.
Ich war in einer mittelgroßen und mittelwichtigen deutschen Großstadt. Dort leben viele Japaner. Der Japaner ist nicht integriert. Er besucht japanische Supermärkte, isst in japanischen Restaurants und schläft mit anderen Japanern. Wenn der Japaner Deutsch spricht, klingt das wie Japanisch. Vielleicht ist es Japanisch.
Der Japaner wird aber nicht aufgefordert, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Das liegt daran, dass die Eigenschaften des Japaners, die ihn vom Deutschen unterscheiden und ihm von diesem zugeschrieben werden, als positiv gelten. Er ist höflich, klug und arbeitet ununterbrochen. Es gibt kein japanisches Wort für Ruhetag. Der Türke müsste also dort angesiedelt werden, wo der Japaner lebt. Es wäre auch gut, den Deutschen beim Japaner anzusiedeln.
Der Japaner ist höflich, er sagt nicht nein. Gut, dass er so klein ist. Dann können wir uns ein Bett teilen.
Sebastian Dalkowski veröffentlicht jeden Freitag die Kolumne „About a Boy“. Seine bessere Gesichtshälfte hat Andreas Krebs fotografiert.
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