About a Boy: Kevin allein zu Haus, wir müssen reden
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 28.03.2008 - 00:01 Düsseldorf (RPO). Unser Kolumnist wundert sich, dass die Managerin von Kevin allein zu Haus nicht ans Telefon geht. Dann kommt ihm die Idee, dass der internationale Terrorismus daran Schuld ist.
Sebastian wartet auf Post unter Sebastiand@rp-online.de.
Ich glaube, das mit der Freiheit war doch keine so gute Idee.
Vor einigen Tagen traf ich eine Bekannte. Sie ist journalistisch tätig. Sie sagte: „Ich habe eine Woche lang versucht, die Managerin von Macaulay Culkin wegen eines Interviews zu erwischen. Du weißt schon, der von Kevin allein zu Haus.“ Ich nickte.
„Und nach einer Woche geht sie endlich ans Telefon und sagt, es tue ihr leid, aber Mister Culkin gebe keine Interviews.“
Ich finde dies bemerkenswert. Zum einen ist es ein merkwürdiger Job, nur dafür angestellt zu sein, der Presse mitzuteilen, dass Kevin allein zu Haus nicht mit der Presse spricht. Denn viel mehr kann diese Frau nicht zu tun haben, der Kerl hat in den vergangenen 14 Jahren vier Filme gedreht. Zum anderen ist es doch gerade Hauptaufgabe einer Managerin, erreichbar zu sein.
Das erinnert mich an die Geschichte, als ich in meiner Zeitungsredaktion saß und einer aus der Redaktion rief „Da ist der Pressesprecher von Soundso am Apparat. Er sagt, er sei nur jetzt zu erreichen.“ Ein Pressesprecher, der nur einen Moment pro Tag für die Presse zu erreichen ist. Das also ist das Ende einer Entwicklung, die mit der Aufklärung begonnen hat.
Nun gut, das sind die Medienberufe, in den Medienberufen sind alle ein wenig freier, da nimmt man es nicht so genau, kommste heut nicht, kommste morgen. Die Freiheit wird sich aber immer weiter ausbreiten und auch andere Berufe erfassen.
Ich sehe es schon vor mir: Torhüter Jens Lehmann erhält einen Vertrag bei Borussia Dortmund und sagt: „Das Tor hüten, schön und gut, aber ich möchte 75 Prozent der Spielzeit als Stürmer spielen. Die Ausübung meiner Freiheit bin ich der Aufklärung schuldig.“ Beim Metzer das gleiche Bild: „Fünf Kilo Hackbraten können Sie gerne morgen von mir bekommen, heute verkaufe ich nur selbstgestrickte Baumwollpullover. Mir ist gerade danach.“
Wir können über diese Entwicklung jammern, also über die Ausbreitung der Freiheit, wir können sie aber nicht stoppen. Daran sind die islamistischen Terroristen schuld. Wenn der Manager von Borussia Dortmund sagt „Herr Lehmann, Sie ticken wohl nicht ganz sauber. Niemals werden sie als Stürmer spielen“, dann sagen die internationalen Terroristen „Ihr im Westen seid ganz schön scheinheilig. Einerseits sagt ihr, ihr wollt uns hier in Islamhausen nicht unser Öl nehmen, sondern uns die Freiheit bringen. Andererseits lasst ihr aber Herrn Lehmann nicht als Stürmer spielen, wenn er das möchte. Nehmt es uns nicht übel, aber eure Argumentationskette stinkt doch ganz gewaltig.“
Deshalb muss der Manager von Borussia Dortmund sagen: „Okay, Herr Lehmann, weil wir sonst den islamistischen Terrorismus fördern, dürfen Sie auch als Stürmer spielen.“
Es gibt nur einen Ausweg: Der Westen müsste in den islamischen Ländern die Unwahrheit verbreiten und sagen: War nur Spaß. Wir sind gar nicht da, um euch die Freiheit zu bringen. Es geht doch um Öl und Macht. Dann gäbe es keinen Widerspruch, auf den die Terroristen aufmerksam machen könnten. Dann dürfte der Manager von Borussia Dortmund Jens Lehmann wieder am Torpfosten festbinden. Aber ich glaube nicht, dass Politiker lügen können.
Ich habe jetzt auch keine Lust mehr. Ich gehe jetzt Körbe flechten. Wer etwas dagegen hat, ist mit Osama bin Laden im Bunde.
Sebastian Dalkowski veröffentlicht jeden Freitag die Kolumne „About a Boy“. Seine bessere Gesichtshälfte hat Andreas Krebs fotografiert
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