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Satire: „Oskar lässt mir immer das letzte Stück Pizza“

VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 25.11.2011 - 00:01

Oskar liebt Sahra und Sahra liebt Oskar. Ist das nicht herrlich? Bis zum ersten Interview von Sahra mit der Bunten ist es nur eine Frage der Zeit. Unser Autor hat es schon mal erfunden.

Warum lächeln Sie nie?

Sahra Das stimmt doch gar nicht. Ich lächle sogar sehr oft.

Ich habe Sie noch nie lächeln sehen.

Ich lächle nur nicht in der Öffentlichkeit und auf Fotos.

Warum?

Weil ich doch mein Image als asketische Kommunistin pflegen muss.

Nervt Sie das nicht?

Natürlich nervt mich das, aber jeder Politiker braucht ein Image, wenn er nicht in der letzten Reihe verdorren will. Und ich bin eben die asketische, aber schöne Kommunistin.

Sie sind sogar eine sehr schöne Kommunistin.

Vielen Dank. Ich nutze aber auch Pflegeprodukte.

Etwa die von den bösen Großunternehmen?

Es geht um meine Haut, da kann ich nicht auf Melkfett aus dem Bio-Laden setzen.

Sie reden nicht gerne über Ihr Privatleben, sondern lieber über Politik, besonders über den Untergang des Kapitalismus. Wir von der Bunten haben keine Ahnung von Politik, weshalb ich mich sehr lange auf dieses Interview vorbereiten musste. Verraten Sie uns, warum wird der Kapitalismus scheitern?

Der Kapitalismus wird scheitern, weil... Moment mal, Sie wollen mir keine Fragen zu meinem Privatleben stellen? Nichts zu meinem neuen Partner Oskar Lafontaine?

Ich ging davon aus, dass Sie sich ohnehin nicht dazu äußern würden. Also habe ich es erst gar nicht versucht.

Das ist hoffentlich nicht Ihr Ernst? Ständig muss ich diese deprimierenden Fragen zum Kapitalismus, zum Kommunismus und zur sozialen Schieflage in Deutschland beantworten – und nun bin ich mit Oskar zusammen und die Bunte will mit mir über den Untergang des Kapitalismus sprechen?

Jeder spricht doch mittlerweile über den Untergang des Kapitalismus. Nehmen Sie nur die Occupy-Bewegung. Kapitalismuskritik ist salonfähig geworden.

Ach, das geht vorüber. In drei Wochen sitzen die alle wieder in ihren Einfamilienhäusern und fragen sich, was sie sich dabei gedacht haben. Also könnten wir das ganze Kapitalismus-Gefrage heute bitte mal sein lassen? Das macht mich depressiv. Fragen Sie mich doch endlich zu meinem Privatleben. Ich habe ein Recht darauf.

Und wenn die Fragen zu privat werden?

Nun fragen Sie schon Ihre ganzen Bunten-Fragen. Ich will das volle Programm.

Wenn Sie meinen. Wann haben Oskar und Sie sich zum ersten Mal geküsst?

Na also, es geht doch. Es war in einer lauen Sommernacht. Die Sonne war gerade in der Saar versunken, wir spazierten am Ufer entlang. Da verhakten sich unsere kleinen Finger wie selbstverständlich ineinander. Wir blieben stehen und sahen uns an. Er sagte: „Ach, Sahra“, er sagte es mit dem h an der richtigen Stelle, das fand ich so romantisch. Und ich sagte: „Ach, Oskar.“ Dann küssten wir uns an der wunderschönen Saar.

Kann ich das jetzt so aufschreiben oder muss ich damit rechnen, dass Sie mir das im Nachhinein aus dem Interview streichen?

Sie glauben mir wohl immer noch nicht. Sie können es sogar gerne noch blumiger ausdrücken. Irgendwas mit „Aus der Saar stiegen Luftbläschen in Herzform auf“.

Das ist mir ein bisschen sehr kitischig. Was mögen Sie an Oskar?

Einfach alles. Seinen Humor, seine Augen, seine Grübchen, wenn er lacht, seinen Bauch, seine Art, wie er mich „Sahraschätzchen“ nennt. Wie er eine Tafel Schokolade in meinem Koffer versteckt, wenn ich wieder nach Berlin fahren muss. Wie er mir immer das letzte Stück Pizza übrig lässt, wenn wir auf der Couch sitzen und zusammen „Bauer sucht Frau“ gucken.

Aber doch sicher auch seine politischen Ansichten?

Was interessiert sich mein Herz für politische Ansichten? Ich würde ihn auch lieben, wenn er für die CDU im Bundestag säße oder schlimmer noch: für die FDP.

Sie sind nicht die erste Frau in Oskars Leben. Haben Sie keine Angst, dass er Sie für eine andere sitzenlässt?

Sie vergessen, dass ich die schöne Kommunistin bin. Und ich tue viel dafür, dass ich es bleibe. Also schön. Schauen Sie sich doch bitte mal meine Beine an. Haben Sie im Bundestag schon schönere gesehen? Wohl kaum.

Wollen Sie heiraten?

Das hat noch Zeit. Wir wollen nun erst einmal unsere Liebe genießen und uns erst später um die Formalitäten kümmern. Ich bin ja so glücklich mit Oskar. Und er kann so toll kochen. Er macht die besten Spaghetti im Saarland. Seine Fähigkeit, das richtige Maß an Knoblauch einzusetzen, ist unglaublich. Wir überlegen schon, zusammen ein Kochbuch herauszubringen.

Lassen Sie mich raten. Es wird „Liebe geht durch den Magen“ heißen?

Woher wussten Sie das?

Nur so eine Vermutung.

Und es wird viele Fotos enthalten, auf denen Oskar und ich zusammen in der Küche stehen. Er dann mit so einem roten Tomatenketchupfleck auf der Nase. Solche Dinge. Das sieht bestimmt total niedlich aus.

Wollen Sie Kinder?

Unbedingt. Mindestens zwei. Ich stelle es mir herrlich vor, wenn Anton und Leonie durch den Garten tollen, die Knie grün vom Gras. Was ist schöner als ein Kinderlächeln?

Ja, ja, und die Einhörner tanzen auf dem Regenbogen Diskofox. Oskar Lafontaine könnte als Opa der Kinder durchgehen.

Sie sind immer so negativ. Oskar würde ein toller, liebenswerter Vater sein, der die Kleinen Huckepack nimmt und mit ihnen durch den Garten reitet.

Sie haben ja ein großes Vertrauen in seinen Rücken.

Er ist körperlich noch sehr fit. Das merke ich vor allem nachts. Wenn Sie verstehen.

Ich versuche gerade, es nicht zu verstehen.

Sehr, sehr fit ist er.

Ja, ist gut. Sprechen wir doch mal über andere Männer. Ich nenne Ihnen einen Namen und Sie sagen mir, wie heiß Sie den Kerl finden.

Au ja, gerne.

Matthias Schweighöfer.

Nicht übel für sein Alter. Für eine Nacht würde ich ihn mitnehmen.

Til Schweiger.

Seitdem er in seinen Filmen versucht, ein Softie zu sein, gefällt er mir nicht mehr so. Früher war das anders.

Leonardo Di Caprio.

Ich weiß nicht, was die Frauen an ihm finden. Leider ist damals nur seine Rolle im Meer versunken.

George Clooney?

Ich vergöttere diesen Mann. Ich würde alles dafür geben, einmal mit ihm einen Milchkaffee zu trinken.

Wie viele Paar Schuhe haben Sie in Ihrem Schrank stehen?

Viel zu viele. Vermutlich muss ich deshalb bald die Wohnung wechseln. Ich kann an keinem Schuhgeschäft vorbeigehen, ohne mir ein Paar zu kaufen. Zum Glück kann ich mir das ja leisten.

Marx würde sich im Grab umdrehen.

Wer?

Ach nichts. Eine Frage habe ich noch. Ich traue mich kaum, sie zu stellen. Haben Sie je eine Folge von Sex & The City gesehen?

Machen Sie Witze? Ich habe mir jede Folge im Fernsehen angeschaut. Und dann habe ich mir die Deluxe-Edition auf DVD geholt. Der Tag, an dem ich erfuhr, dass es keine neue Staffel geben wird, hat mich mindestens so getroffen wie das Ende der DDR. Es gibt doch nichts Besseres als eine Serie, in der Frauen ununterbrochen über Schuhe und Männer reden.

Quelle: seeg/jco

 
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