About a Boy: Playmobil ist böse
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 05.09.2008 - 00:01Köln (RPO). Unser Kolumnist nimmt Computer und Playstations in Schutz und fordert dagegen von der Gesellschaft, dass sie Playmobil-Figuren ächtet. Außerdem verrät er, was er beruflich macht.
Ich denke nicht, dass Computer und Playstations die Welt in den Niedergang treiben. Hingegen bin ich davon überzeugt, dass diesen Job Hula-Hoop-Reifen und Playmobil-Figuren erledigen.
In meinem Beruf treffe ich immer wieder auf Leute, mit denen ich spreche. Sie erzählen mir, dass sie eine Tanzgarde leiten oder ein Jugendorchester oder eine Fußballmannschaft. Wenn ich sie frage, warum sie das machen, antworten sie: Die Kinder sitzen ja heutzutage nur am Computer oder der Playstation. Ich unterhielt mich mal mit einer Mutter, die sich für eine verkehrsberuhigte Zone auf ihrer Straße einsetzte. „Sonst sitzen die Kinder ja nur am Computer oder der Playstation.“ Alles, was Menschen heute machen, hat das Ziel, Kinder vom Computer oder der Playstation fernzuhalten. Afghanistan, Irak, Iran. Alles. Es geht nicht um Öl.
Sebastian wartet auf Post unter Sebastiand@rp-online.de.
Das Auswärtige Amt hat eine Homepage. Auf dieser Homepage steht nicht nur, dass Bundespräsident Köhler nach Kasachstan aufbricht und Bildhauer Jo Jastram mit 80 noch unermüdlich an der Arbeit ist, sondern auch, dass Playmobil-Chef und Hula-Hoop-Reifen-Produzent Horst Brandstätter 75 Jahre alt geworden ist. Dann stand noch etwas über seine Verdienste im Text.
Dagegen regte sich Protest. Ende Juli veröffentlichte die Homepage eine Gegendarstellung. Ein Mann namens Hans Beck schrieb, es sei unwahr, dass die Idee mit den Kunststoffmännchen von Herrn Brandstätter und dem Entwicklungschef Hans Beck ausgetüftelt worden sei. „Wahr ist, dass der damalige Mustermacher Hans Beck die Kunststoffmännchen im Jahr 1971 allein austüftelte.“ Der Erfinder des Playmobils ist so selbstsüchtig, dass er seinem ehemaligen Chef zum 75. Geburtstag keinen Teil des Ruhmes gönnte.
Irgendetwas muss vorgefallen sein zwischen den beiden, nach Freundschaft klingt das nicht, denn einen Freund nennt man nicht „Herrn Brandstätter“ und die Figuren nennt er nur lieblos „Kunststoffmännchen“. Da ist jemand mit sich und er Welt nicht im Reinen. Horst Brandstätter hat einen eigenen Eintrag bei Wikipedia. Hans Beck nicht. Das tut weh.
Ende August legte Hans Beck nach. Das Auswärtige Amt veröffentlichte eine zweite Gegendarstellung. Unwahr sei, dass Herr Horst Brandstätter einige Indianer und Ritter im Jahre 1974 auf der Nürnberger Spielwarenmesse erstmals vorstellte. „Wahr ist, dass die Playmobil-Indianer und Playmobil-Ritter im Jahre 1974 erstmals auf einer Hausmesse bei der Firma Geobra Brandstätter GmbH & Co. KG in Zirndorf vorgestellt worden sind.“
Herr Beck ist also nicht nur selbstsüchtig, sondern auch rechthaberisch. Wo die Figuren das erste Mal der Weltöffentlichkeit präsentiert wurden, interessiert nicht mal Herrn Brandstätter. Auffällig an diesem Brief ist auch: er gibt am Ende Markdorf als Ort des Entstehens an. Den ersten Brief hingegen schrieb er aus Überlingen. Hans Beck hat also – und das als Pensionär – zwei Büros oder er zieht häufig um. Das erste zeugt von Maßlosigkeit, das zweite von Unzufriedenheit. Beides sind keine guten Eigenschaften.
Doch auch Horst Brandstätter ist nicht ohne. 1975 brachte die Firma Big „PlayBig“ heraus. Playmobil fand, dass die PlayBig-Figuren zu sehr den Playmobil-Figuren ähnelten und verklagten den Konkurrenten erfolgreich. Den Schaden hatten die Kinder dieser Welt, die fortan nicht mehr wählen konnten. Nur damit Herr Horst Brandstätter weiter viel Geld verdiente.
Wie gut kann ein Produkt sein, das seine Macher in charakterlose Egoisten verwandelt, die häufiger umziehen und die Zeit haben, die Homepage des Auswärtigen Amtes zu lesen?
Aber wann höre ich ehrenamtliche Mütter und Väter Playmobil-Figuren verteufeln? Zumal Playmobil mehrere Computerspiele im Angebot hat, zum Beispiel „Alarm! Großeinsatz für Laura und Alex“, „Vorsicht Baustelle! Laura und Alex bauen ein Haus“ und „Gefangen in der Drachenfestung - Laura und Alex bei den Rittern“.
Ich werde in den kommenden Tagen einen Tischtennisverein gründen, um Kinder vom Playmobil fernzuhalten.
Sebastian Dalkowski veröffentlicht jeden Freitag die Kolumne „About a Boy“. Seine bessere Gesichtshälfte hat Andreas Krebs fotografiert.
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