| 10.20 Uhr
About a Boy
Wir Mümmelmänner
About a Boy: Wir Mümmelmänner
Fast so lecker wie kein Salat: Salat. FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen
Düsseldorf. Unser Kolumnist fragt sich, warum alle nur noch knabbern statt schlemmen. Von Sebastian Dalkowski

Seitdem der Mensch sich nicht mehr sorgen muss, genügend zu essen auf dem Tisch zu haben, sorgt er sich darum, welches Essen auf dem Tisch steht. Das ist Teil des großen Projekts „Körper und Seele fit halten“.

Salat spielt im Fitness-Projekt der Menschheit neben Pilates die zentrale Rolle. Salat heißt: Es war in keiner Pfanne und in keiner Friteuse, es kommt direkt von Mutter Erde und es ist grün. Grün ist gesund. Die paar Kalorien sind gute Kalorien.

Wer sich dieser Bewegung trotz der aggressiven Propaganda in Funk und Fernsehen noch nicht angeschlossen hat, sollte aufpassen, mit wem er in ein Restaurant geht. Denn sonst passiert bei der Bestellung folgendes.

„Also ich nehme das panierte Schnitzel mit Rahmsoße, eine große Portion Bratkartoffeln mit Spiegelei und zum Nachtisch die Mousse au Chocolat... achso, und dazu ein großes Bier.“ Und der Begleiter sagt: „Für mich bitte nur den grünen Salat mit Essig und Öl. Und lassen Sie bitte den Käse weg.“
Wenn der Kellner verschwunden ist, erwidert der Begleiter den fragenden Blick des Gegenüber mit: „Also mir reicht das völlig.“

Aber natürlich reicht das nicht völlig und wenn das Schnitzel dann eintrifft, schielt er die ganze Zeit hinüber, während er sich einredet, dass sein Salat doch ganz toll schmeckt. Aber Salat schmeckt nicht toll. Salat schmeckt, wie Müsli, im besten Fall okay. Wäre es anders, würde die Menschheit nicht seit 10.000 Jahren Fleisch essen. Die einzigen Salate die schmecken, sind die mit den vielen Kalorien, mit Cocktaildressing, Ei, Thunfisch, Putenbruststreifen, kleinen Frikadellen, gekochtem Schinken, gebratenen Pilzen.

Der Salatesser weiß das alles, er weiß, dass Salat nicht glücklich macht, aber er ist so gefangen in seinem Gesundheitsprojekt, er ist so sehr besessen von dieser Lebensmittel gewordene Tugend, dass er es nicht zugeben will. Er will der ganzen Welt zeigen, wie diszipliniert er ist und mit welcher Freude er Dinge isst, die keine Freude bereiten. Mmm... jamjam... leckerlecker... oh ja, bitte noch einen grünen Salat für mich... diesmal ganz ohne Dressing... ach geben sie mir doch einfach den Salatkopf... die Erde brauchen Sie nicht abzuwaschen, aber die Würmer bitte, die haben zu viele Kalorien... ach ist das Leben schön...

Das geht fünf Tage gut. Dann nimmt der Salatessen das Telefon, wählt, wartet, bis jemand abhebt und sagt: Einmal die 12, die 14 frittiert, die 17 mit doppelt Käse und statt Salat bitte Pommes.

Sebastian Dalkowski veröffentlicht hier jeden Freitag die Kolumne „About a Boy“.

Quelle: seeg
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar