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Interview: Anna Fischer: Das letzte erste Mal

VON BARBARA GROFE UND CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 10.08.2007 - 18:48

Anna Fischer feiert jedes Jahr Premiere: 2005 mit ihrer ersten Filmhauptrolle, im vergangenen Jahr mit ihrem ersten Preis für ihre erste Filmhauptrolle und jetzt mit der Band Panda. Ein Gespräch über Tretminen, berühmte Produzenten und das Glück, keinen Fernseher zu haben.

Info

Lebenslauf

Anna Fischer wurde 1986 in Berlin geboren und startete ihre musikalische Karriere schon als Elfjährige. Sie spielte in Musicals, gründete eine Girl-Group und schrieb ihre ersten Lieder. Das Debütalbum ihrer Band Panda, "Tretmine (Jeder ist für sich selbst verantwortlich)", ist Freitag erschienen.

Neben den Filmen "Lichter", "Liebeskind" und "Die Wolke" hat Anna Fischer in zahlreichen Fernsehserien mitgespielt, unter anderem "Berlin, Berlin", "SOKO Leipzig", "KDD Kriminaldauerdienst" und „Hilfe!Hochzeit!". Im nächsten Jahr wird sie in "Fleisch ist mein Gemüse" im Kino zu sehen sein.

Für ihre Rolle in dem Inzestdrama "Liebeskind" gewann die 21-Jährige den Max-Ophüls-Preis beim Filmfestival in Saarbrücken und die Goldene Kamera. Danach bildete eine große Boulevardzeitung ein Nacktfoto von ihr ab anscheinend kein echtes. Ihre Brüste seien viel besser, sagt Anna Fischer.

War Dein erster Berufswunsch wirklich Müllfrau?

Anna Fischer Müllmann.

Entschuldige, Müllmann. Warum?

Fischer Wenn ich zur Schule gefahren bin, habe ich Müllmänner bei der Arbeit gesehen, wie die sich hinten an die Wagen dran gehangen haben und wie die abgesprungen sind. Das fand ich cool.

....bis Du Deinen heutigen Job gefunden hast.

Fischer Ich glaube nicht, dass ich irgendwas gefunden habe. Es hat mich gefunden. Für mich war immer klar, dass ich alles machen wollte. Und dann kam eben meine erste Band.

Was war das für eine Band?

Fischer Deutsche Musik mit elektronischen Beats. Poplastig, aber irgendwie trotzdem ganz anders. Wir hießen Zung'kuss. Irgendwann trennten sich unsere Wege janz lieb von einander, ich habe mit einer Freundin weitergemacht, der wurde aber ein Plattenvertrag in Köln angeboten. Dann stand ich allein da. Meine Produzentin Luci van Org ("Weil ich ein Mädchen bin", Anm. d. Red.) hat gesagt, dass ich da jetzt durch muss. Ich bin dann erstmal abgehauen.

Wohin?

Fischer In die Dominikanische Republik. Dort habe ich einiges geschrieben, aber als ich nach sechs Wochen wieder nach Berlin kam, war mir klar, dass ich eine Band brauche. Leute, die so den Sound mitbringen, die mir helfen.

Wie hast Du die anderen gefunden?

Fischer Da kam Zufall auf Zufall. Sascha habe ich auf einer Party kennen gelernt, dann haben wir mit seinen Jungs gejammt. So ist Panda entstanden, und Panda durfte zum Glück mit Luci und Rod Gonzales (Bassist der Ärzte, Anm. d. Red.) arbeiten.

Schüchtern so bekannte Musiker einen sehr ein?

Fischer Also, ich fand‘s geil. Das sind coole Leute. Ich kann mit meinen 21 Jahren nicht so viel wissen, deshalb habe ich großen Respekt vor ihnen. Das ist doch schön. Die sagen dir ja keine unrichtigen Dinge.

Die Lieder auf Eurem Debütalbum "Tretmine" klingen sehr direkt, die sind sofort da.

Fischer Das war mir auch extrem wichtig. Es gibt so viele Bands und so viele Lieder, die so rumtüdeln, bei denen man ewig zuhört, aber die einem nix sagen. Ich wollte was schreiben, wo nicht gleich wieder einer anfängt, etwas rein zu interpretieren, etwas, das sagt, dass es so ist, wie es ist. So wie "Jeht kacken" oder "Du kotz ma an".

Ähnlich direkt soll es auch zugegangen sein, als Hans-Christian Schmid Dich für seinen Film "Lichter" entdeckt hat.

Fischer Oh ja. Da hatten mich zwei Freunde, mit denen ich damals manchmal zusammen gespielt habe, zu ihrem Auftritt eingeladen. Ich musste um Zwölf zuhause sein, hab‘ aber auf dem Weg gemerkt, dass ich in dem Club mein Portemonnaie vergessen habe. Also, habe ich meine Eltern angerufen und gesagt, dass es später wird. Die waren sauer, dann wurde ich sauer und hab gesagt, dass ich bei einer Freundin bleibe. Wir sind also wieder zurück in den Club, und da hat uns die Band überredet, auf die Bühne zu gehen und einfach was zu machen. Wir haben dann mehr als eine Stunde gejammt, alles, was Spaß macht. Hans-Christian Schmid saß im Publikum und hat uns anschließend zum Casting eingeladen.

Das offenbar erfolgreich für Dich lief.

Fischer Ja, dabei bin ich nur mitgegangen, weil ich da nach einem Praktikumsplatz fragen wollte. Ich musste eins für die Schule finden und war schon ziemlich spät dran damit.

Nach Lichter hast Du die Hauptrolle in "Liebeskind" gespielt, einem Film, in dem eine Tochter ihren Vater verführt. Bisschen hohes Einstiegsniveau, oder?

Fischer Das ist wohl wahr, aber was willst du machen? Wenn ich darüber ständig nachdenken würde oder darüber, dass ich keine Schauspielausbildung habe, dann könnte ich mir ja gleich die Kugel geben und aus dem Fenster springen. Das sind negative Gedanken, die behindern dich nur.

Aber Du arbeitest doch dann mit großen Schauspielern wie Corinna Harfouch, August Diehl oder Herbert Knaup.

Fischer Na, so groß sind die och wieder nicht. Die kommen morgens auch zum Set und sagen 'Oh Mann, hab ich nen Schädel von gestern Abend'. Ich hab zum Glück keinen Fernseher und lese auch nicht, was die Leute alles so machen oder gemacht haben sollen. Wenn ich das machen würde, dann wäre so viel los in meinem Kopfkino, dass ich nicht mehr richtig arbeiten könnte. Ich will mich nicht damit beschäftigen.

Auch nicht mit den Geschichten, die über Dich geschrieben und gezeigt werden?

Fischer Ich kann mich a) nicht im Fernsehen sehen, und b) habe ich Schiss zu lesen, was ich gesagt haben soll, weil ich Schiss habe, dass es doof klingt, weil mich jemand nicht verstanden hat oder die Sachen aus dem Zusammenhang gerissen sind. Ich kann mich auch extrem schlecht im Kino sehen. Ich sitz dann da und denke 'Anna, Anna, fuck, warum?'

Andere haben das offenbar anders gesehen. Du hast im vergangenen Jahr den Max-Ophüls-Preis und die Goldene Kamera gewonnen, jetzt erscheint das erste Album Deiner Band. Kennst Du überhaupt das Gefühl zu scheitern?

Fischer Na klar. Und ich will solche Rückschläge zum Teil auch, weil die dich so viel weiter bringen. Aber ich frag mich schon oft, warum machst du den Scheiß eigentlich. Und warum? Ick weeß och nicht. Vermutlich, weil es geil ist. Es ist halt so und soll halt so sein.

Und was passiert, wenn es mal nicht mehr so sein soll?

Fischer Da bin ich ehrlich gesagt auch fast gespannt drauf. Aber ich helfe nebenbei Freunden mit ihren Läden, schleppe Kisten, wasche Teller, das mach ich auch gerne.

Hast Du eine konkrete Vorstellung, was Du machen würdest, wenn Film und Musik nicht mehr klappen?

Fischer Sach ich nich'.

Ach komm.

Fischer Nee. Lass kieken, was kommt.


 
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