Liedermacherwoche: Beginner für Fortgeschrittene
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 24.10.2009 - 00:01Düsseldorf (RPO). Dennis Lisk hat alles falsch gemacht, was theoretisch falsch zu machen war – und hat so genau das richtige Album für alle gemacht, die gedacht haben, sie hätten in Sachen deutschsprachiger Liedermacher schon alles erlebt. Dafür eine Hymne.
Zu den falschen Dingen:
1. Dennis Lisk mag HipHop. Unter dem Namen Denyo rappte er bei den Beginnern neben Jan Delay.
2.Dennis Lisk hat versucht, parallel zu Jan Delay eine Solo-Karriere zu starten. Dabei war er etwa so erfolgreich wie die Mitglieder von N’Sync, die nicht Justin Timberlake heißen.
3. Dennis Lisk zog daraus die Schlussfolgerung, dass er wohl mal singen und zur Akustikgitarre greifen müsse. Selbst Menschen, die ihm Geld schulden, sollen daraufhin die Hände schon mal Richtung Ohrmuscheln gehoben haben.
Und dann das: Dennis Lisk veröffentlicht mit „Suchen & Finden“ das beste deutschsprachige Album 2009 und schießt sich mit einem amtlichen Gesäßtritt an die Spitze aller deutscher Liedermachenden.
Zwischen HipHoppern und Singer-Songwritern liegt normalerweise derselbe Abstand wie zwischen Düsseldorf und Nuku’alofa, der Hauptstadt von Tonga. Bei Dennis Lisk werden beide Nachbarn-Kommunen. Der Mann versucht gar nicht erst, von seiner Reim-und-Rhythmus-Sucht runter zu kommen, sondern pimpt sehr gute Liedermachertexte damit zu exzellenten und schenkt seiner sehr guten Liedermachermelodien den perfekten Beat.
Lisk macht nicht einfach Soul, Blues oder etwas sonstwie zum HipHop Artverwandtes, er eröffnet das Genre der Melancholie-Musik für Trotzdem- oder Gerade-Deshalb-Gute-Laune. So echt, so bitter, so klug wie in „Lass los“ ist sehr selten über Beziehungsenden gesungen worden. Und dafür braucht er nur einen Vers: „Glück fühlt sich anders an.“ Immerhin zwei Zeilen benötigt er für ein anderes wohlbekanntes Gefühl (Euphorie im Abgang alias der Anfang des Gehirn-Katers): „Und alles wär’ so derbe/ wenn nur der nächste Tag nicht wäre.“
Durch all das wird „Suchen & Finden“ zu einer Platte, für die sich Menschen ein Cabrio sägen und selbst in der nächsten Eiszeit keine Zweifel daran kriegen, genau das Richtige getan zu haben.
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